Psychotherapie auf offener Bühne

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Viel zu lachen gab es für die Besucher der NUTS-Sommerbühne, als Eva Karl-Faltermeier ihr erstes Kabarettprogramm »Es geht dahi« präsentierte. (Foto: Heel)

Es war schon ein rechtes Elend, damals in der Oberpfalz der 1980er Jahre. Nichts als Nebel und steinige Äcker, nur Erdäpfel zum Beißen und dazu alle miteinander verwandt. Oder anders gesagt: Dass auch im Winter die Sonne scheint, habe sie erst erfahren, als sie ihre Mutter zur Krebsvorsorge nach Regensburg begleitet hat. Kein Wunder also, dass sie heute, in der Rushhour ihres Lebens, auch ohne Corona unter Angststörungen leidet und die Hilfe einer Therapeutin benötigt.

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In solch düsteren Farben beschrieb die Kabarettistin Eva Karl-Faltermeier ihre Herkunft bei ihrem Auftritt auf der NUTS-Sommerbühne im gut besuchten Traunsteiner König-Ludwig-Hof, wo sie ihr erstes Soloprogramm »Es geht dahi« vorstellte. Zugegeben, die Therapeutin war eine fiktive Figur, der sie (und damit dem Publikum) ihr Leid klagte. Dies aber derart humorvoll, selbstironisch und lebensklug, dass wir aus dem Mitfühlen (und Mitlachen) kaum mehr herausfanden. Wobei die Misere der gertenschlanken Kabarettistin bereits in ihrer Kindheit begann: »Die Oma sagte immer, wennst amal an Busen host, na klopfans von alloa an. Had ja koana wissen kinna, dass der nie kimmt«.

Ein »Manko«, das wohl keines war, denn heute ist sie glücklich verheiratet, hat zwei Kinder und hat zwischendurch als »Frau mit Politikstudium, aber ohne Busen« in der Redaktion einer Lokalzeitung gearbeitet, zusammen mit einem Kollegen, der Frauen am liebsten »staad und nackert« gehabt hätte. Arrangiert hat sie sich dagegen mit der Willkür so mancher Handwerker, die der jungen Familie beim Hausumbau halfen: »Der Fußboden ist jetzt Eiche geölt. Kiefer lackiert wollten wir, aber mei, de Handwerker ...« Die aber noch harmlos seien im Vergleich zu dem, was einem auf Social-Media-Plattformen wie Instagram vorgegaukelt wird, wo »de Leit aus so Schüsseln essen, so Bowls. So Pokébowls. Und wenn ich dann meinen Kindern vielleicht so ein saures Kartoffelgemüs' mach, mit Zwiebeln, Kartoffeln und Wiener, das schmeckt super, aber es ist halt nicht instagramable. Des liked dir doch keiner. Des schaut aus, wie wenn's schon jemand gegessen hat.«

»Und was fühlen Sie jetzt?« wollte ihre Therapeutin wieder wissen. Eher nichts so Gutes, war der Eindruck des Publikums, denn nach der Pause wandte sich die Kabarettistin vorübergehend politischen Themen zu, beklagte Alltagsrassismus, Diskriminierung und den Umstand, dass Frauen gleich als hantig bzw. Feministin gelten, wenn sie mal den Grant haben, während es bei Männern wohlwollend heißt: »Geh Sepp, trink no a Bier.« Richtig fuchsteufelswild wurde sie jedoch, als sie rechtsradikale Umtriebe anprangerte, speziell die »Krawatten-Nazis« in den Talkshows, bei denen sie vergessen machen möchten, dass sie das Grundgesetz für eine linksextreme Kampfschrift halten.

Gegen Ende ihres mit viel Applaus bedachten Auftritts machte sich die Kabarettistin dann noch über Hochzeiten und die damit verbundenen Kosten und Umstände lustig. Da seien ihr Beerdigungen doch viel lieber. Hier könne man sich endlich einmal ausweinen, ohne dabei aufzufallen, es gebe solides Essen, keine Sargentführung und auch kein Kranzwerfen, um herauszufinden, wer die nächste ist. Ein paar musikalischen Einlagen an der Autoharp, einer umgebauten Zither, zu denen sie unter anderem ein Liebesgedicht an die Oberpfalz intonierte, rundeten den knapp zweistündigen Auftritt wohlklingend ab.

Wolfgang Schweiger

Mit seinem »Konzert für Berlin« will Daniel Barenboim mit der Staatskapelle Berlin an die Opfer des Nahostkonflikts erinnern. »Ich halte sowohl die palästinensische als auch die israelische Staatsbürgerschaft und leide mit beiden Seiten in diesem Konflikt«, erklärte Barenboim am Mittwoch. Bei dem Konzert in der Staatsoper Unter den Linden am 23. Juni spielt der 1997 in Nazareth geborene Geiger Yamen Saadi Max Bruchs Violinkonzert Nr. 1. Auf dem Programm steht auch Beethovens Sinfonie Nr. 5. Die Karten sind kostenlos.

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