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Musiksommer mal ganz anders

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Marie-Theres Härtel und Florian Trübsbach beeindruckten beim Musiksommer-Konzert in Grassau. (Foto: Giesen)

Ausnahmsweise – coronabedingt – fand das erste Konzert des Musiksommers zwischen Inn und Salzach diesmal erst Anfang September statt. Wie Organisator Christian Hußmann vom Landratsamt Traunstein erklärte, erklang das Konzert statt in der ursprünglich gewählten Sawallisch-Villa dank der Bereitschaft der Gemeinde Grassau im Heftersaal, wo immerhin etwa 100 Besucher unter Einhaltung der Hygienevorschriften – und damit dreimal so viel wie in der Villa – gut Platz fanden.


Grassau sei auch durch den 1995 verstorbenen Gründer des Musiksommers, Dr. Franz Zech, besonders als Veranstaltungsort geeignet, ergänzte Christian Hußmann. Seit 1976 gibt es die durch ihn begründete und fortlaufend weiter ausgebaute Konzertreihe.

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Bei dem Konzert mit dem »Duo Härtel/Trübsbach«, zwei echten Ausnahmekünstlern, wurde eine ganz neue, hoch moderne Facette des Musiksommers umgesetzt: Schon äußerlich – grüne Stiefel, orange Strumpfhose, kurzes schwarzes Kleid, ein goldfarbener Ohrring und Pferdeschwanz – passte besonders Marie-Theres Härtel nicht in das ansonsten fast immer gleiche, gewohnt ehrwürdige Bild der Künstlerinnen mit glitzerndem Abendkleid.

So bunt wie das Outfit war auch das Instrumentarium der Musiker mit Geige, Bratsche, Akkordeon, Zither, Querflöte, Schwegel, Saxofon, Klarinette und Stimme – und ebenso ihr Repertoire: Die 1983 in eine Musikerfamilie der Steiermark geborene Marie-Theres Härtel und der 1976 in Köln geborene und in Oberbayern aufgewachsene Florian Trübsbach spielten eine breite Stilpalette von steirischen Jodlern und Weisen über Jazz bis zu Eigenkompositionen und gemeinsam genial improvisierten Stücken. Es gab wohl keinen Zuhörer, dem die Beiden nicht immer wieder wenigstens ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hätten.

Das lag auch an der charmanten Art, wie die Beiden durch das – immer wieder überraschende – Programm führten. Aufrichtig begeistert waren sie (wie auch das Publikum), dass nicht auch dieses Konzert vom Veranstalter abgesagt worden war wie die meisten anderen.

In dem bunten Programm erklang eine Reihe von Melodien aus dem Salzkammergut, überschrieben »Sie rennt obi«, genauso wie das Stück »Bird« des berühmten amerikanischen Modern-Jazz-Schlagzeugers Paul Mation, gespielt mit Zither, Geige und Klarinette. Auch Cole Porters (1891 bis 1964) im Jahr 1930 komponiertes und tausend- fach interpretiertes, gesellschaftskritisches Lied »Love for Sale« erklang, so aktuell wie je, fetzig mit Klavier und Geige.

Ganz anders, aber ebenso mitreißend war der »Heimatblock« der beiden Künstler, zum Beispiel »Lerchenstraße«, passend zu ihrer neuen Heimat im Chiemgau, oder das Lied »Grimming« mit Geige und Saxofon, dem höchsten, frei stehenden Berg der Steier-mark gewidmet, der Heimat von Marie-Theres Härtel, der beide Musiker auch mit einem wunderschönen Jodler huldigten. Nicht nur der schnelle Wechsel der Instrumente und ihre virtuose Beherrschung, auch das bis in alle Bewegungen sicht- und hörbare Durchdrungensein von Musik vermittelte eine ganz besonders Atmosphäre von Glück und Freude für die Zuhörer. Nach dem kaum abklingen wollenden Applaus hatte das Abschiedswort von Christian Hußmann »Auf Wiedersehen« wirklich Bedeutung. Christiane Giesen

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