Musik und Natur bei den Inzeller Kulturtagen

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Bernhard Kübler spielte und sang mit den Besuchern bairische Volkslieder. (Fotos: Janoschka)
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Die Sopranistin Barbara Giglmayr-Frandl (Zweite von rechts) wurde begleitet von Sabine Scheffel-Schaubach (von links) und Sabine Kübler, Violinen, sowie Gerhard Schaubach, Orgel.

Mit viel Engagement und Herzblut organisierte die Sprecherin des Anton Cajetan Adlgasser (ACA) Freundeskreises, Amelie Gromoll, in Zusammenarbeit mit der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde heuer zum zweiten Mal die Inzeller Kulturtage, die sich über drei Tage erstreckten.

Eine Abendandacht in der katholischen Pfarrkirche St. Michael, ein Kulturtreff an der ältesten Kirche im Gebiet von Inzell, St. Nikolaus in Einsiedl mit Bürgermeister Hans Egger und seinem Alphorn und dem ACA-Beauftragten Bernhard Kübler, sowie eine Orgelmatinee in der evangelischen Christuskirche rückten in dieser Zusammenstellung den Ort Inzell ganzheitlich und ökumenisch in das Zentrum der Aufmerksamkeit.

Von Nord nach Süd

Texte zum Nachdenken mit dem Fokus auf Dankbarkeit und Achtsamkeit, vorgetragen und ausgelegt von dem Gemeindereferenten Philip Moser, wurden in St. Michael mit Musik aus der Zeit vor und nach Anton Cajetan Adlgasser umrahmt. Diesen Komponisten zu ehren und sein Andenken wach zu erhalten, das spiegelte sich im Programm mit dem geografischen Titel »Von Nord nach Süd« wider, der auf die Herkunft und Wirkungsstätten der Komponisten hinweist und gleichzeitig Symbolkraft hinsichtlich des Organisten und Künstlerischen Leiters Gerhard Schaubach aus Hessen hatte, der als Urlauberkantor der evangelischen Kirchengemeinde Ruhpolding/Inzell zur Zeit in der Gegend wirkt.

Ein zweiter Aspekt bei der Programmzusammenstellung bezog sich darauf, den Komponisten Anton Cajetan Adlgasser (1729 bis 1777) – den Sohn Inzells aus dem Süden Bayerns – eingebettet in die Musikgeschichte zu hören und zwar jeweils im Vergleich zu vo-rausgehenden Komponisten wie Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759) und Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767), zu Zeitgenossen, wie Joseph Haydn (1732-1809) und Johann Christian Bach (1735 bis 1782), sowie zur nachfolgenden Komponistengeneration mit Ludwig van Beethoven (1770-1827) und Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791).

Hier standen sich nicht nur Instrumentalwerke, wie zwei Sätze aus der Suite Nr. 8 für Cembalo von Händel, sowie die Triosonate in a-Moll für Blockflöte (Sabine Kübler, Lehrkraft an der ACA Sing- und Musikschule Inzell), Violine (Sabine Scheffel-Schaubach) und Basso continuo (Gerhard Schaubach) von Telemann gegenüber, sondern auch eine Auswahl aus Adlgassers Versetten und sein Präludium in C-Dur für Orgel, wie auch seine Sonata in A-Dur, sowie das Rondo aus der Sonate F-Dur für Klavier zu vier Händen von Johann Christian Bach (Ehepaar Schaubach), um die musikgeschichtliche Entwicklung aufzuzeigen.

Auch Vokalwerke aus der Zeit des späten 17. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts – immer im Hinblick auf den Stil Adl-gassers – kamen zu Gehör: einerseits eine Sopran-Arie »Höret Wunder über Wunder« von Adlgasser, sowie das Benedictus aus Adlgassers Missa in C-Dur und jenes aus der »Kleinen Orgelsolomesse« von Joseph Haydn, ebenso wie das »Agnus Dei« aus Adlgassers Missa in C-Dur und das »Agnus Dei« aus der »Missa solemnis« von Mozart.

Die dritte Besonderheit im Programm war, dass die selbe Gattung von verschiedenen Komponisten zu hören war, so zum Beispiel das eben genannte Rondo des Bach-Sohns und das Rondo in C-Dur von Ludwig van Beethoven auf dem Hammerklavier.

Die Funktionen der verschiedenen Klänge konnte Gerhard Schaubach auf seinem Privatinstrument mit modernster Technik, einer historischen Bauform des Digital-Cembalos, einstellen. Wegen dringend erforderlicher Arbeiten an der Metzler-Orgel wäre ohne das digitale Instrument, das ein französisch-flämisches Cembalo und zwei Orgelklänge, nämlich eine Continuo-Orgel und eine Truhenorgel sowie den Klang eines Hammerklaviers aus der Zeit Mozarts miteinander vereint, ein Konzert in dieser hohen musikalischen Qualität nicht möglich gewesen.

In der wunderbaren Akustik der St. Michaelskirche ließ Barbara Giglmayr-Frandl ihren glockenhellen Sopran erklingen und verband so das musikgeschichtliche Thema mit der Aufführungspraxis. Virtuose Koloraturen und musikalische Inbrunst verband sie in Adlgassers Arie ebenso wie in den Messteilen der verschiedenen Komponisten. Einfühlsam begleitet wurde sie von Sabine Scheffel-Schaubach und Sabine Kübler an den Violinen, sowie von Gerhard Schaubach an der Orgel mit einem strahlenden Gesamtklang.

Adlgasser-Noten über ganz Europa verstreut

Professor Hofrat Werner Rainer, ehemaliger Bibliotheksdirektor der Universität Mozarteum und Adlgasser-Forscher aus Salzburg, sowie Träger des Inzeller Ehrenrings, sei es zu verdanken, dass überhaupt Noten des Inzeller Komponisten zur Verfügung stünden, denn diese seien über ganz Europa verstreut und teilweise nur als Handschrift vorhanden, so Gerhard Schaubach bei der Orgelmatinee. Aus einer solchen musizierten der Organist und seine Frau Sabine Scheffel-Schaubach (Violine) am Sonntag in der evangelisch-lutherischen Christuskirche, in der sie die Singstimme in den Vokalwerken Adlgassers durch »die singende Violine« ersetzten und so einen etwas anderen Blickwinkel auf die Werke des vorausgegangenen Konzertabends richteten.

Offenes Singen

Der Brückentag zwischen den Konzertdarbietungen führte die Besucher in den Weiler Einsiedl hinauf zur Kirche St. Nikolaus. Amelie Gromoll sagte in ihrer Begrüßung, die Inzeller Kulturtage wollen auf die Kirchenmusik – besonders diejenige von Anton Cajetan Adlgasser – aber auch auf die historischen Stätten, wie diese Kirche aus dem 13. Jahrhundert, aufmerksam machen. Für die individuelle Kirchenbesichtigung eines jeden Besuchers teilte sie eine, vom örtlichen Heimatpfleger Willi Preinfalk zusammengestellte Handreichung zur Kirche aus, die sie auch vorlas. Weithin ließ der Inzeller Bürgermeister Hans Egger danach sein Alphorn erschallen.

Bernhard Kübler, Lehrkraft an der Inzeller Sing- und Musikschule und ACA-Beauftragter, hatte für ein offenes Singen ein Liedblatt mit Volksliedern zusammengestellt, zu denen er Heimatgeschichtliches berichtete und die er schneidig mit seinem Akkordeon begleitete. Das Singen der Lieder »Von Melleck bis auf Schneizlreuth«, das Inzeller Heimatlied mit seiner poetischen Beschreibung der Landschaft, »Und wann i moi g’storb’n soll sein« und – als Einstimmung auf den Gottesdienst am Sonntag - »Geh aus, mein Herz und suche Freud« zwischen dem Bauernhof der Familie Kecht und der St. Nikolauskirche gestaltete sich wie ein Bindeglied zwischen zwei Welten, der kirchlichen und der profanen.

Brigitte Janoschka

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