Mozartliche »Klangspuren« von majestätischen Bläserstimmen

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Das Weimarer Bläserquintett im Festsaal von Kloster Seeon mit (von links) Tomo Jäckle (Flöte), Claire Sirjacobs (Oboe), Sebastian Lambertz (Klarinette), Stephan Schottstädt (Horn) und Jacob Karwath (Fagott) im dritten Konzert der Mozartwoche. (Foto: Benekam)

Wenn in Seeon Musik von Wolfgang Amadeus Mozart ertönt, dann hat das was. Ganz klar. Hat doch das Musikgenie seiner Zeit, wohl vom malerischen Seeoner See inspiriert, im ehemaligen Benediktinerkloster so manch‘ aufregendes Werk komponiert.

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Heute, 230 Jahre nach Mozarts Tod, lebt Wolferl weiter an diesem einst von ihm so geliebten Ort, hinterlässt »Klangspuren« durch seine Musik, die auch heuer wieder in der Mozartwoche zahlreiche Besucher ins Kultur- und Bildungszentrum Kloster Seeon locken. Im dritten Mozartwochen-Konzert war der Festsaal angenehm gefüllt. An die den Abstandsregeln geschuldeten Lücken hat man sich längst gewöhnt und spätestens beim majestätischen Bläserklang des Weimarer Bläserquintetts, das mit Verve das Konzert eröffnete, waren auch die vergessen.

Die Ouvertüre aus Mozarts Zauberflöte KV 620 (bearbeitet von Joachim Linckelmann) wandelte noch offene Fragen in Antworten: Wer da an Systemrelevanz zweifelt, dem ist nicht zu helfen. Oder gerade dem und gerade mit diesem Klangspektakel, das über die Gehörgänge ins offene Herz trifft. Eine Offenbarung, feierlich, fast trotzig, ob der viel zu langen Stille. Die fünf jungen Musiker Tomo Jäckle (Flöte), Claire Sirjacobs (Oboe), Sebastian Lambertz (Klarinette), Stephan Schottstädt (Horn) und Jacob Karwath (Fagott), hoch konzentriert, in engem Austausch miteinander und in freundlicher Zugewandtheit zu den hingerissenen Zuhörern, machten Mozart alle Ehre.

Makellose Intonations-Reinheit, packende Dynamik und expressiver Ausdruck prägten auch die folgenden Divertimenti: Für zwei Oboen, zwei Hörner und zwei Fagotte F-Dur KV 253 (eingerichtet für Bläserquintett) von Mozart und Joseph Haydns (1732 bis 1809) Divertimento B-Dur (bearbeitet von Harold Perry). Nicht weniger packend kamen zwei Bearbeitungen »für ein Orgelwerk« daher: Das Andante F-Dur KV 616 und das Adagio und Allegro f-Moll, KV 594 (bearbeitet von Guido Schäfer).

Mozart hatte, im Auftrag von Graf Joseph von Deym, drei Werke für eine sogenannte »Flötenuhr« geschrieben. Obwohl er selbst nicht so sehr von diesen Flötenuhren mit ihren »kindischen Pfeifchen« angetan war, linderten sie dennoch seine finanziellen Nöte. Dass das Andante an die »Zauberflöte« und die Flötenmelodien des Papageno erinnern, ist kein Zufall – das Stück entstand 1791 während der Arbeit an der Oper.

Leider viel zu schnell kündigten die virtuosen Musiker das letzte Stück an: Das Bläserquintett B-Dur op. 56 Nr. 1 von Franz Danzi (1763 bis 1826) stellte einen weiteren klanglichen Leckerbissen dar. Ob Wolferl wohl ein wenig »verschnupft« gewesen wäre, dass nach Danzis Werk und dem folgenden kräftigen Applaus als Zugabe ein weiteres Werk eines anderen großartigen Komponisten, nämlich von Jacques Ibert, erklang? Also kein Mozart? Mitnichten. Denn sich gegenseitig zu inspirieren und mit immer neuen Kompositionsideen zu befruchten war damals schon Triebfeder für gemeinsames Wachstum. Und das ist bis heute so: Die »Trois pièces brèves« (Drei kurze Stücke) für Bläserquintett des französischen Komponisten Jacques Ibert (1890 bis 1962) spiegeln dessen Vorliebe für die Welt des Theaters wider.

Wie damals Mozart hat Ibert mehrere Opern, Ballette und zahlreiche Bühnenmusiken für Theaterstücke komponiert. Mit melodischer Eleganz, feinen koloristischen Nuancen und seinem Sinn für musikalischen Witz zaubert Iberts Komposition in der Interpretation des Weimarer Bläserquintetts theatralische Spannung in den Festsaal des Kloster Seeon. Da war Abschiednehmen keine leichte Übung. Bravo, bravo, bravo und auf hoffentlich baldiges Wiederhören.

Kirsten Benekam

Die mit 50 000 Euro dotierte Joseph-Breitbach-Preis geht in diesem Jahr an den Schriftsteller Karl-Heinz Ott. Der 63-Jährige werde für sein literarisches Gesamtwerk geehrt, teilte die Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz mit. Ott zähle zu »den intellektuell und sprachlich versiertesten Autoren seiner Generation«.

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