Mozart sucht auswärts Anerkennung

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Als echter Glücksgriff für das zweite Netzkonzert der Bad Reichenhaller Philharmoniker erwies sich die aus der Steiermark stammende Sopranistin Elisabeth Breuer. (Foto: Aumiller)

In ihrem zweiten Netzkonzert »Mozart in Paris« ließen die Bad Reichenhaller Philharmoniker Mozarts Reise nach Paris wieder aufleben und sorgten außerdem mit anspruchsvollen Konzertarien für stimmlichen Glanz.

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Französisches Flair war bereits bei den einleitenden Worten von Chefdirigent Daniel Spaw angesagt, als ihm bei der Übersetzung ins Französische Konzertmeisterin Sophie Ferge zu Hilfe kam und charmant die Ansage in ihrer Muttersprache übernahm. Als Glücksgriff bei dieser Konzertdarbietung erwies sich das Engagement der österreichischen Sopranistin Elisabeth Breuer. Die aus dem Ennstal stammende und in Graz ausgebildete Sängerin brillierte mit drei anspruchsvollen Mozart-Arien und einem originellen Song von Reynaldo Hahn aus der Comedie musicale »Mozart«.

Einleitend sorgte die Ouvertüre zur Mozartoper »La Clemenza di Tito«, locker und licht als sinfonisches Konzertstück ausgeführt, für guten Eindruck von Dirigent und Orchester.

»Voi avete un cor fedele« KV 217 schuf Mozart als Einlage in Baldassare Galuppis Komödie »Le nozze di Dorina«. Mit ihrem hohen Sopran, klar, frisch und jugendlich in der Farbe, besang Elisabeth Breuer zunächst in graziöser Feinzeichnung das treue Herz des Geliebten, um dann im Allegro in bravourösen Koloraturtiraden und Trillern dessen Treue zu misstrauen. In der Oper »Die Entführung aus dem Serail« gibt Konstanze in der Arie »Ach ich liebte, war so glücklich« ihrem Schmerz über den verlorenen Geliebten Ausdruck. Mit inniger Empfindsamkeit beklagte die Sopranistin Konstanzes Los der Trennung und schwang sich scheinbar mühelos und in gestochen reiner Intonation in die virtuosen Höhenregionen zum dreigestrichenen »D« hinauf. Daniel Spaw und die Musiker gaben der Sängerin gutes Geleit.

Französische Farben in charmantem, lichtem Charakter charakterisierten die Ouvertüre zur Comedie musicale »Mozart« von Reynaldo Hahn (1874 bis 1947). Spaw dirigierte in frischer Bewegung und erreichte mit fließenden Tempi moussierende Beschwingtheit. Hahn, deutscher Abstammung, in Venezuela geboren, wählte später Paris zu seiner Wahlheimat. Er bewunderte Mozart und schrieb 1925 diese besondere Mozart-Comedie, die voller Fantasie die fiktive Reise Mozarts nach Paris schildert, wobei der junge Mozart, von einer Chansonette in Hosenrolle dargestellt, in Paris um Anerkennung buhlt.

Wenig bekannt ist daraus die Ariette »Etre adoré« , ein köstliches Stück, das in den ersten Takten eine Passage von Zerlina/Don Giovanni aus dem ersten Akt-Finale aus der Oper »Don Giovanni« zitiert. Elisabeth Breuer servierte es sprechend im Ausdruck, mit charmantem Witz und stimmlicher Verve. »Il faut que tu m‘aime, Paris«, Paris du musst mich lieben, wünscht sich Mozart mit Inbrunst. Breuer machte ein Kabinettstück daraus.

Auf Mozarts echter Reise nach Paris entstand seine wunderbare Pariser Sinfonie KV 297, in der er auch Konzessionen an den damaligen Pariser Geschmack einbrachte, auch dem dortigen Brauch von nur drei Sätzen entsprach. Später komponierte er einen anderen langsamen Mittelsatz dazu, der heute meistens verwendet wird und auch hier zu Gehör kam.

Daniel Spaw beeindruckte mit einem Gespür für Feinklang, für Transparenz und subtile Farben, legte Wert auf wiegende Rhythmik und differenzierte Dynamik. Er ließ die Musik atmen und so manche Phrase schwebend ausklingen. Außerdem zeigte er Freude an der Musik mit wachem Blick auf die Musiker. Der langsame Satz wirkte sensitiv, mit inniger Melodik und Eleganz.

Wunderschön schloss sich daran die Adagio-Einleitung zur Konzertarie »Vorrei spiegarvi, oh Dio« KV 218 mit dem herrlichen Oboensolo an. Diese Einlagearie für eine Oper von Anfossi war dem ersten Wiener Auftritt von Mozarts Schwägerin Aloysia Lange, seiner einstigen großen Liebe, zugedacht, die sie dann auch zum Erfolg werden ließ. Hier begeisterte Elisabeth Breuer mit diesem hoch anspruchsvollen Gesangsstück in sensibler lyrischer Kantilene, die dann zum Höhenflug auf das dreigestrichene »E« zusteuerte und einen gekonnten Intervallsprung folgen ließ. Wahrhaft brillant, astrein und glanzvoll gesungen.

Das weckte den Wunsch, die Sängerin hier erneut zu hören, dann, wenn Musik live im Saal mit Publikum zu erleben sein wird. Zum zündenden Abschluss folgte der dritte Satz der Sinfonie mit flotter Gangart und kraftvollem Tuttischwung.

Elisabeth Aumiller

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