Mozart lebt - aber das Virus leider auch

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Eine Silberstiftzeichnung von Doris Stock (Dresden) aus dem Jahr 1789.

»Es ist ein trauriger Tag«, sagt Mozartwochen-Intendant Rolando Villazón in einem am Donnerstag von der Stiftung Mozarteum veröffentlichten Video. »Es bricht mir, es bricht uns allen das Herz.« Die Mozartwoche 2022, die in genau zwei Wochen, am 27. Januar, hätte beginnen sollen, muss abgesagt werden.

»Die Lage in Salzburg hat sich dramatisch verschlechtert und es ist, nach Rücksprache mit den zuständigen Behörden, keine Besserung in Sicht. Wir haben alles versucht, aber ein Festhalten an der Mozartwoche 2022 wäre angesichts dieser Einschätzung für alle Beteiligten unzumutbar«, so Villazón. »Mit immens schwerem Herzen sind wir daher gezwungen, die Mozartwoche 2022 pandemiebedingt komplett abzusagen.

»Die Gesundheit und Sicherheit unserer Künstlerinnen und Künstler, des Publikums und unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen an erster Stelle stehen«, versichert Villazon. Der von der Salzburger Landesregierung errechnete Höhepunkt an Corona-Fallzahlen falle genau in die Festivalwoche, mit weiteren kurzfristigen Verschärfungen wie Reisebeschränkungen oder einer Verringerung der Saalbelegungen müsse somit gerechnet werden. Eine Verschiebung der Mozartwoche 2022 sei aufgrund der langen organisatorischen Vorlaufzeit und der Nicht-Verfügbarkeit wesentlicher Künstlerinnen und Künstler zu einem späteren Zeitpunkt nicht möglich.

Seit 1956 feiert die Stiftung Mozarteum Salzburg mit der Mozartwoche den Geburtstag des genius loci. Heuer hätte sie genau mit Mozarts Geburtstag am 27. Januar begonnen. Bis 6. Februar waren rund 60 Veranstaltungen an zehn Orten in ganz Salzburg geplant gewesen.

Im Vorjahr hat man eine sehr abgespeckte Mozartwochen-Variante im Stream geboten, aber heuer stellt sich, angesichts der zu erwartenden Breite der Omikron-Welle, die Sache nochmal anders dar. »Die Gesundheitsbehörde des Landes Salzburg schätzt das relevante Risiko mit voraussichtlich 15- bis 20-prozentigen Ausfällen in allen Berufssparten gegen Ende Januar ein, was die Durchführung der Mozartwoche schlicht unmöglich macht«, heißt es in der Aussendung der Stiftung Mozarteum. Ein Festival in dieser Größenordnung mit zahlreichen Künstlern, Orchestern und Ensembles sowie Publikum aus aller Welt sei mit den aktuellen Rahmenbedingungen und der fehlenden Planungssicherheit nicht durchführbar.

Nach der Absage ist hoffentlich nicht vor der Absage: Das Programm für die Mozartwoche 2023 wird im Mai vorgestellt. Aber vorher kommt noch die Wiedereröffnung des Großen Saals mit dem neuen Pausenfoyer im Oktober 2022. Die Lage für die Stiftung Mozarteum ist ja als durchaus dramatisch zu bezeichnen, denn mit dem Tourismus-Knick der vergangenen 22 Monate sind ihr entscheidende Einnahmen weggebrochen – und auf der anderen Seite sind teure Restaurierungs- und Bauvorhaben im Jugendstil-Mozarteumsgebäude an der Schwarzstraße im Gang.

Reinhard Kriechbaum

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