Mit Musik Menschen aus trüben Gedanken holen

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Das Trio Qualia mit drei jungen Mitgliedern des Bayerischen Staatsorchesters brillierte in der Sawallisch-Villa mit (von links) Hanna Asieieva, Violine, Damira Tcyrempilowa am Violoncello und dem Pianisten Dimitry Mayboroda. (Foto: Giesen)

Das erste Konzert dieses Jahres gab nicht, wie lange angekündigt, das Trio Verdandi aus München, da deren Geigerin in Quarantäne musste, sondern ganz kurzfristig das Trio Qualia im Kammermusiksaal des Sawallisch-Hauses Hinterm Bichl in Grassau.

Bei dem hochkarätigen Konzert spielten Hanna Asieieva aus Kiew auf der Geige, die Russin Damira Tcyrempilova am Cello und Dimitry Mayboroda am Klavier. Die drei jungen Musiker sind Mitglieder des Bayerischen Staatsorchesters, dem der Stiftungsgeber Wolfgang Sawallisch länger als zwei Jahrzehnte vorgestanden hatte. Die Drei schlossen sich vor einigen Jahren zum Trio Qualia zusammen, wo sie bereits zahlreiche Wettbewerbe gewonnen haben und in großen Konzertsälen augetreten sind. Derzeit wird ihre erste CD aufgenommen.

Wie Paul Bischof, einer der beiden Vorsitzenden der Sawallisch-Stiftung einleitend erklärte, wurde wegen der großen Nachfrage nach dem Neujahrskonzert ein zweites Konzert am Nachmittag angeboten, das ebenfalls in kürzester Zeit ausverkauft war, auch weil lediglich 25 Zuhörer bei einem Konzert erlaubt waren. Die Musiker »arbeiten daher doppelt für eine ohnehin bescheidene Gage«, sagte Bischof. Der Name Qualia bedeute, aus dem Russischen übersetzt, Freude, Hoffnung, Ekstase und Liebe. Genau das vermochten die drei erfahrenen, wunderbar miteinander harmonierenden Musiker zu vermitteln.

Als erstes Stück stand Ludwig van Beethovens 1793/94 komponiertes Trio Nr. 1 opus 1 auf dem Programm, das seinem Gönner Fürst Karl von Lichnowsky gewidmet ist. In großer Ausdrucksvielfalt folgt es dem klassischen Aufbau in vier Sätzen mit einleitendem Allegro, sehr gefühlsbetontem Adagio cantabile, einem schnellen, gleichsam übermütigen Scherzo, beschlossen vom furios schnellen Finalsatz. Wer anfangs vielleicht im Publikum bedauert hatte, nicht das erwartete, ebenso hochkarätige Verdandi Trio zu hören, war voll und ganz zufrieden gestellt, was der lange Applaus bewies.

Anstelle der wegen Corona verbotenen Pause musste kräftig durchgelüftet werden. Danach fanden sich die Zuhörer mit einer ganz anderen Komponierweise etwa 100 Jahre später konfrontiert: dem kleinen Trio Nr. 2 opus 76 des spanischen Komponisten Joaquin Turina (1882 bis 1949), geschrieben 1933. »Ein bisschen spanische Sonne«, wie es Hanna Asieieva ankündigte. In seinem folkloristischen Stil beeinflusst von Aram Chatschturjan, in seinen romantischen Elementen von Ravel und Debussy, spielte das Trio die modern wirkende Komposition zum Teil so klangstark wie ein ganzes Orchester.

Wieder ganz anders präsentierten sich danach »Drei heitere Stücke« des russischen, heuer bald 90 Jahre alten Komponisten Rodion Kontantinowitsch Shchedrin. Am 16. Dezember 1932 in Moskau geboren, kannte er Dimitri Schostakowitsch, einen seiner Förderer, seit seiner Kindheit. Seit 1989 ist der Komponist und Pianist Mitglied der Akademie der Künste in Berlin und lebt abwechselnd in Berlin und Moskau. Die »drei heiteren Stücke« präsentierte das Trio Qualia mit überwältigender Spielfreude und virtuosem Spiel in überraschend brillanter Ausdruckskraft, wobei nicht nur auf den Instrumenten gezupft, geklopft, geschlagen und ein riesiges Register anderer Klangmöglichkeiten gezogen wurde. Überflüssig zu sagen, dass das Publikum begeistert war, sodass als Zugabe »zur Beruhigung« noch einmal ein Satz aus Beethovens Trio erklang.

Quintessenz: Mit dem Konzert wurde wieder der ganz besondere Stellenwert der Musik bewiesen, wie sie Paul Bischof einleitend beschwor, denn sie ist weit mehr als nur Unterhaltung. Er zitierte aus der Rede des Dirigenten Ricardo Muti, der das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker dirigiert hatte: »Es war einschwieriges Jahr, aber wir sind immer noch da und glauben fest an die Botschaft der Musik. Musiker haben eine Mission und diese heißt, wir machen die Gesellschaft besser. Wir Musiker holen die Menschen aus den trüben Gedanken, die sich ständig um die Gesundheit drehen. Sie ist das Wichtigste, aber dazu gehört auch die Gesundheit des Geistes. Betrachten wir die Musik immer als eines der Hauptelemente, um auch in Zukunft eine gesunde und bessere Gesellschaft zu haben.« Christiane Giesen

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