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Ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergessen wird, war das Konzert von »Dreiviertelblut« in Traunstein. (Foto: Heel)

Mit dem Deifedanz ins Paradies

Wie überall im Leben gibt es auch in der Musik Glücksfälle. Einer davon war die Begegnung des Banana Fishbones-Sängers Sebastian Horn mit dem Filmkomponisten Gerd Baumann (»Wer früher stirbt, ist länger tot«).

Auf erste gemeinsame Lieder für einen TV-Krimi im Jahr 2009 folgte wenig später die Gründung ihrer Formation »Dreiviertelblut«, mit der sie nach ihrem Debütalbum »Lieder vom Unterholz« (2013) bislang zwei weitere Alben veröffentlicht haben, »Finsterlieder« (2016) und »Diskothek Maria Elend«. Folklorefreie Volksmusik, die unter die Haut geht, traurig schön und herrlich finster und manchmal sogar tanzbar. Einen mitreißenden Querschnitt daraus sowie einige neue Lieder präsentierten Sebastian Horn und Gerd Baumann jetzt bei ihrem Auftritt im Hof des Traunsteiner Kulturforums Klosterkirche, kongenial begleitet von Luke Cyrus Goetze an der E-Gitarre, Florian Riedl an Saxophon, Klarinette und Synthesizer, Dominik Glöbl an der Trompete, Benny Schäfer am Kontrabass sowie Flurin Mück am Schlagzeug. Fünf Spitzenmusiker, die neben Gerd Baumann, der an der Gitarre zupfte, Sebastian Horn den perfekten Klangteppich bereiteten, den er für seine stimmlichen Höhenflüge, rau, aber mit viel Wärme, brauchte.

Für sehr persönliche Lieder mit teils drastischen Texten wie gleich eingangs in »Wos übrig bleibt«, in dem es heißt: »Rot is des, wos übrig bleibt, wannst d'Haut obziagst von olle Leit«. Weniger philosophisch, sondern mehr sarkastisch ging es weiter mit »Henna ohne Kopf«, einem Lied »über die Eigenartigkeit der letzten zwei Jahre«, wie Sebastian Horn dazu erklärte, dem er später noch einen launigen Exkurs zum Thema Pandemie-Experten nachschickte.

Neu waren auch ein Lied über die fatale Macht des Hörensagens und »Ast«, das davon handelt, wie eifrig an dem Ast gesägt wird, auf dem wir alle sitzen. Keine platten Protestsongs wie auch »Sturm«, das nur an der Oberfläche von der Flucht vor einem Unwetter erzählt, sondern poetisch dichte Lieder über unsere Hilflosigkeit angesichts rechter Umtriebe und drohender Umweltkatastrophen.

Von der Schnelllebigkeit des modernen Lebens in »Rundummadum« ging es dann direkt in den »Mai«, wo inmitten wunderschöner Natur-Impressionen über den Verlust eines geliebten Menschen geklagt wird. Ein Trauerlied, wie es berührender (und kunstvoller) kaum sein könnte. Mit dem furiosen »Deifedanz«, der uns direkt ins »Paradies« führte und bei dem es die Besucher nicht mehr auf ihren Stühlen hielt, neigte sich der umjubelte Auftritt dann dem Ende zu. Und damit ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergessen wird.

Wolfgang Schweiger

Die Schriftstellerin Barbara Honigmann (73) hat in Weimar den mit 20 000 Euro dotierten Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung erhalten. Der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert sagte bei der Preisverleihung, Honigmann sei eine Autorin, die in unnachahmlicher Weise jüdisches Leben und jüdische Kultur aus der Perspektive der eigenen Biografie erzählen könne. Sie ist seit 1975 freie Schriftstellerin.

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