Mediterrane Musizierkunst auf höchstem Niveau

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Chris Gall (von links), Andreas Hinterseher, Mulo Francel, D. D. Lowka stellen auf der NUTS-Sommerbühne mit großem Erfolg ihr neues Album »Mare« vor. (Foto: Heel)

Dass es kaum eine Musik- oder Stilrichtung gibt, in der sich »Quadro Nuevo« nicht heimisch fühlen würde, hat die 1996 gegründete Band bereits unzählige Male eindrucksvoll bewiesen.

Ob Tango oder orientalische Musik, französische Valse Musette oder Flamenco, Balkan-Swing oder Canzone aus Italien, immer waren die Ausnahme-Musiker, von Fernweh getrieben, auf der Suche nach Inspiration und magnetischen Melodien. So auch bei ihrem neuen Album »Mare«, das Mulo Francel, Andreas Hinterseher und D. D. Lowka zusammen mit dem Pianisten Chris Gall und weiteren Gästen eingespielt haben, und über das Mulo Francel schreibt: »Nach intensiven Begegnungen mit Musikern der arabischen Welt (Flying Carpet) und der eigenen Kultur (Volkslied Reloaded) wenden wir uns in »Mare« wieder der mediterranen Musizierkunst zu, die seit unserem Debütalbum »Luna Rossa« (1998) ein zentrale Wesenszug unserer Band blieb.«

Nun war die vielfach ausgezeichnete Band wieder einmal im NUTS bzw. auf der NUTS-Sommerbühne im Traunsteiner König-Ludwig-Hof zu Gast, wo sie neben vielen Stücken aus ihrem aktuellen Album auch eine Handvoll älterer Werke präsentiert hat. Eines der ersten Stücke war dabei der populäre Tango »Por una cabeza«/»Um den Kopf (eines Pferdes)«, der in seiner Liedfassung von einem notorischen Pferderennen-Spieler und seiner Anziehungskraft auf Frauen erzählt. Ein ungewohnter Anblick bot sich dem Publikum beim nächsten Titel, als Mulo Francel nicht zum Saxofon oder zur Klarinette griff, sondern an der Mandoline die alte neapolitanische Canzone »Torna a Surriento«/Come Back To Sorrento« anstimmte, sehr romantisch und sehnsuchtsvoll und von Chris Gall mit entrückten Klavier-Improvisationen grandios weitergeführt.

Von dem Pianisten stammte auch das Stück »Yorke's Guitar«, eine unwiderstehlich swingende, herrlich melodiöse Hommage an den Gitarristen und Frontmann der Band »Radiohead«, Thom Yorke. Ein Stück übrigens, mit dem Quadro Nuevo ihre »erste Hitsingle« aufgenommen hätten, wie Mulo Francel einmal scherzhaft dazu erklärt hatte. Nach einem entspannten Abstecher in südamerikanische Gefilde (»Ragazzo Samba«) erzählte Andreas Hinterseher dann mit launigen Worten von den Folgen des Lockdowns im Frühjahr vergangenen Jahres und wie er, isoliert im heimatlichen Studio in Fischbachau, das Stück »Stay Away And Play« komponiert habe. Mit einer feinen Kostprobe aus ihrem Album »Flying Carpet« ging es schließlich in die Pause.

Danach stand als Erstes »Ikarus' Dream« auf dem Programm, inspiriert von einer Bergbesteigung auf der Insel Samos. Ein Stück, das Mulo Francel an diesem Abend dem NUTS widmete, das ihnen seit ihren Anfängen immer wieder eine Bühne geboten habe. Mit Mozarts »Bona nox! bist a rechta Ochs«, arrangiert von Chris Gall, neigte sich das begeistert aufgenommene Konzert dann dem Ende zu, bevor sich die Band mit zwei Zugaben verabschiedete: Sehr jazzig und mit viel Raum für Improvisationen geriet dabei ihre Vertonung des Volkslieds »Die Gedanken sind frei« (aus ihrem Album »Volkslied Reloaded«), und wer bei ihrer Version der wunderschönen Filmmusik zu Guiseppe Tornatores »Cinema Paradiso«, die Ennio Morricone gemeinsam mit seinem Sohn Andrea komponiert hat, nicht gerührt war, sollte überprüfen, ob mit seinen Gefühlen noch alles in Ordnung ist.

Wolfgang Schweiger

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