Markante Beispiele der »Wiener Schule«

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Nikolai Pfeffer brillierte bei Mozarts Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur KV 622, zwei Monate vor seinem Tod für Bassettklarinette geschrieben. (Foto: Aumiller)

Das Bad Reichenhaller Philharmonische Konzert musste erneut ohne Publikumspräsenz stattfinden, war aber im Regional Fernsehen Oberbayern(rfo) einer breiteren Zuhörerschaft zugänglich.

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Auf dem Bildschirm zeigte sich die Konzertrotunde mit den im weiten Rund platzierten Philharmonikern als fotogene Kulisse. Die Programmauswahl war der »Wiener Schule« gewidmet mit ihren klassischen Vertretern Haydn, Mozart und Beethoven. Repräsentanten der zweiten Wiener Schule sind Arnold Schönberg, Anton Webern und Alban Berg, hier aber nur von Weberns Symphonie op.21 vertreten. Symphonie als großes Wort für das zweisätzige Werk von 10 Minuten Dauer.

An die Stelle von Tonalität tritt Zwölftonreihung in mathematischer Akribie und gegenbewegten Abläufen. Daniel Spaw sprach von Lichtpunkten. Man könnte es auch als ein Auflesen und Zusammenfügen verlorener Töne bezeichnen, die sich zu einer Art Zusammenhang formieren. Die Musiker überzeugten mit konzentrierter Wiedergabe, jedes einzelne Instrument trug seinen individuellen Lichtpunkt zum Gesamteindruck dieses außerordentlichen Werkes bei.

Auf dem Klassiksektor machte Joseph Haydn den Anfang mit der Ouvertüre zur Oper »L‘anima del filosofo«, die das Orpheus- und Eurydike-Thema behandelt. Die Ouvertüre wirkte wie ein luftig vorüber flatterndes Kleinod mit fröhlich flottem Ausklang. Die singenden Oboen- und Flötenlichter brachten zart melancholische Färbung ein. Haydn hatte die Oper 1791 in London für König Georg III. komponiert, wurde dann aber doch nicht gespielt und kam erst 1951 erstmals zur Aufführung.

Eines der schönsten Solokonzerte ist Mozarts Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur KV 622, zwei Monate vor seinem Tod für Bassettklarinette geschrieben. Es ist sein letztes Solokonzert und sein einziges für Klarinette. Heute ist es das beliebteste und meistgespielte Konzert für dieses Instrument. Seine einzigartige Schönheit und Tiefendimension strahlt ein inneres Leuchten aus. Besonders der Adagio- Satz ist von berührender Qualität und beinahe ein musikalisches Gebet. Als Solist brillierte Nicolai Pfeffer, in Fulda geboren und in Köln ausgebildet. Er arbeitet auch als Herausgeber kritischer Editionen mit diversen Musikverlagen zusammen und ist als Musikschullehrer und Hochschul-Dozent tätig. Sein Spiel zeichnete sich durch feine Tonbildung, Stilsicherheit, gute Atembögen und Empfindsamkeit im Adagiosatz aus. Dirigent, Solist und Orchester zeigten Gespür und Klangsinn für Mozarts wunderbares Werk und brachten es zum feinen, schwerelosen Klingen.

Ludwig van Beethovens Symphonie Nr.1 C-Dur op.21 hat einen besonderen Charakter. Daniel Spaw bezeichnete sie als bahnbrechendes Werk. Die Schule Haydns und Mozarts ist zwar formal noch spürbar, aber schon nach den ersten Adagio-Takten und im ganzen weiteren Verlauf macht der Duktus der Tonsprache Beethovens deutlich auf sich aufmerksam. Auch wenn sie noch nicht die Wucht und Gewichtigkeit seiner späteren Symphonien aufweist, markiert das 1799 komponierte Werk eine Vorreiterrolle für den Einstieg in ein neues musikalisches Zeitalter.

Die wachsam kontrollierende Führung von Daniel Spaw wirkte als beflügelnder Anreiz für die Musiker zu aufmerksamer Qualität in differenzierender Dynamik und spielerischem Impetus. Flüssige Tempi, irisierende Bläsermotive, träumerische Lyrik ebenso wie kraftvoll vorwärts eilende Klanglust bereiteten dem Zuhörer ein freudiges Hörerlebnis.

Wiederholungen sind ab Samstag 18.30 Uhr bis Sonntag 14.30 Uhr alle zwei Stunden unter www.rfo.de zu sehen. Elisabeth Aumiller

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