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Bilder von Werner Schön, die in der Ausstellung im Rathaus in Marquartstein zu sehen sind. (Foto: Giesen)

Malerei in großer stilistischer Bandbreite

Den Bewohnern des Achentals ist der früher bekannte Kunstmaler Werner Schön heute noch dadurch ein Begriff, weil er die Fresken in der Pfarrkirche Marquartstein »Zum Kostbaren Blut« geschaffen hat und an anderen Gebäuden.

So etwa die Malereien in der Volksschule an der Burgstraße oder am vor knapp zwei Jahren abgebrannten Haus Hirn an der Freiweidacher Straße in Alt-Marquartstein. Diese Malereien waren sehr realistisch, aber Werner Schön, 1893 in Berlin geboren, konnte auch ganz anders malen und zeichnen, sehr »modern«, surrealistisch, mystisch, symbolistisch.

Einen guten Eindruck von der Bandbreite seines Schaffens gibt die Ausstellung, die derzeit im Foyer des Rathauses in Marquartstein zu sehen ist. Anlass für die Ausstellung, die von dem neben Salzburg in Marquartstein lebenden Künstlerpaar Lena Bosch und Herwig Bayerl kenntnisreich und geschmackvoll kuratiert wurde, war die Schenkung einer Privatsammlung von Gemälden Werner Schöns an die Gemeinde. Ergänzt wurde sie durch private Leihgaben.

Bevor der Maler 1937 mit seiner Frau Wanda nach Marquartstein kam, verdiente Werner Schön als Porzellanmaler in Berlin seinen Lebensunterhalt, später als Illustrator beim Ullstein Verlag. Aufs Land zog er, weil er sich in Ruhe und Abgeschiedenheit ganz der freien Malerei widmen wollte. Deshalb erwarb er das so genannte »Büßerhaus«, ein kleines, ehemaliges Bauernhaus in Piesenhausen am Altweg mit großem Garten und Atelier, wo er bis zu seinem Tod 1970 lebte und arbeitete.

Zu vielen, heute sehr alten Marquartsteinern pflegte Werner Schön gute Kontakte, so zu Theo Breit, dem ehemaligen Betreiber der örtlichen Buchdruckerei, der seine Sammlung von Schöns Bildern der Gemeinde überließ, damit sie der Nachwelt nicht verloren gehen.

Ein guter Freund Werner Schöns war der in der Nachbarschaft wohnende Arzt von Marquartstein, Dr. Anton Bader, der in seinen Musestunden selbst malte und oft zusammen mit Schön malte und auch Malreisen unternahm. Dessen Sohn, Toni Bader (Anton Michael Bader), der bis zu seiner Pensionierung vor einigen Jahren Kunsterzieher am Gymnasium Landschulheim in Marquartstein war und selbst Künstler ist, übermittelte seine und die Erinnerungen seines Vaters bei der Vernissage im Rathaus. Die Ausstellung zeigt auch Landschaftsbilder seiner Studienreisen in die Dolomiten und nach Italien.

Überdeutlich kommt in den Werken Schöns zum Ausdruck, dass er die Natur in allen seinen Ausformungen liebte. Das zeigen zum Beispiel seine vielen, unglaublich präzisen Pflanzenmalereien auf Goldgrund oder seine großen Blumenstillleben in Öl, bei denen ihr besonderes Leuchten direkt aus ihren Blüten entspringt. Schön war seit seiner Ausbildung zum Porzellanmaler und seinen intensiven Kunststudien in Berlin fasziniert von der Lichtmystik Rembrandts, was sich in seinem eigenen Kunstschaffen niederschlug. Daneben entwickelte er einige surrealistisch anmutende, mystisch wirkende Natur-Szenarien aus verschiedenen Moosen, Pflanzentrieben, manchmal Schnecken – eine Mikrowelt in einem einzigen kleinen Ölbild. Dazu malte er unzählige, kleinere Landschafts- und Blumenbilder in Pastell- und Aquarelltechnik, die er verkaufte. Daneben führte er andere Auftragsarbeiten durch.

Bei der Vernissage dankte Bürgermeister Andreas Scheck vor allem Theo Breit für die Schenkung der Bildersammlung, aber auch anderen Marquartsteinern für die Leihgabe von Bildern, dem Kulturbeirat für die Organisation sowie Lena Bosch und Herwig Bayerl für die Kuratierung der Ausstellung. Ergänzt wird sie durch »Metamorphosen« und einer Diashow der beiden Künstler.

Die Ausstellung im Foyer des Rathauses ist bis Freitag, 26. August, zu den Öffnungszeiten des Rathauses. Sonderführungen sind nach telefonischer Anmeldung bei der Gemeinde möglich, Telefon 08641/699516.

Christiane Giesen

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