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Louis Armstrong Reloaded

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Dass nicht nur Kirchen, Burgen und Schlösser würdige Spielstätten der Konzerte beim »Musiksommer zwischen Inn und Salzach« sind, bewies das Konzert im altehrwürdigen Traunsteiner Vereinshaus. (Foto: Heel)

Auf ein ganz besonderes Konzerterlebnis können die zahlreichen Besucher zurückblicken, die zum Auftritt des Martin Auer Quintetts ins Traunsteiner Vereinshaus gekommen waren.


Denn es war das erste Mal, dass die fünf Musiker, die bereits seit 25 Jahren erfolgreich zusammenspielen, ihr neues Projekt »Hot Five – The Music of Louis Armstrong« vor Publikum präsentiert haben und damit Armstrongs wichtigste Frühphase wiederaufleben ließen. Nämlich die Hot Five bzw. Hot Seven Aufnahmen aus den Jahren 1925 bis 28, bei denen Armstrong als erster wegging vom Kollektivsound und die Solo-Improvisation im Jazz erfand, das freie Gestalten einer Melodie.

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Vor Beginn des Konzerts, das im Rahmen des »Musiksommers zwischen Inn und Salzach« stattfand, verwies Konrad Baur, 1. Vorstand des Vereins »Freunde des Vereinshauses Traunstein«, auf die lange Geschichte dieser ehrwürdigen Traunsteiner Institution und die vielfältigen Bemühungen des Vereins, das Haus wieder mit Leben zu füllen.

Nach Baur begrüßte Altlandrat Herrmann Steinmaßl vom Vorstand des »Musiksommers« die Gäste und drückte sein Bedauern darüber aus, dass die Corona-Krise das diesjährige Programm auf sieben Konzerte dezimiert habe. Zugleich bat er, die derzeitigen Einschränkungen zu akzeptieren und nicht als Freiheitsentzug anzusehen, zumal wir bisher in der Lage gewesen seien, Freiheit und Gesundheit auf höchstem Niveau quasi gleichzeitig für alle zu sichern.

Von Prien nach Berlin

Dass auch tolle Musik die Gesundheit sichern kann, ist wissenschaftlich zwar nicht erwiesen, die Lebensfreude und das Wohlbefinden erhöht sie jedoch garantiert. Vor allem dann, wenn sie live von einem der besten Jazz-Ensembles im deutschsprachigen Raum dargeboten wird, angeführt von Martin Auer, 1976 in Prien am Chiemsee geboren und heute in Berlin wohnhaft. Er begann als Trompeter von der bayerischen Blasmusik und fand auf Umwegen über die Klassik später zum Jazz, stand mit unzähligen hochkarätigen Musikerkollegen auf der Bühne und lehrt dazu Jazztrompete an der Musikhochschule in Leipzig.

Entsprechend spannend und schwungvoll geriet dieser Ausflug in die Jazz-Historie, den er zusammen mit seinen Mitstreitern und mittlerweile besten Freunden Florian Trübsbach (Saxophon), Jan Eschke (Klavier), Andreas Kurz (Bass) und Bastian Jütte (Schlagzeug) an diesem Abend unternahm, denn neu arrangiert und so spiel- wie improvisationsfreudig in den gegenwärtigen Klang des Ensembles transferiert, ertönten Stücke wie »Irish Black Bottom«, »West End Blues« oder »Muskrat Ramble« so frisch und aufregend, als wären sie erst gestern komponiert worden, und zum Beispiel nicht von Lil Hardin, einer der wichtigsten »Personen hinter den Kulissen« in der Entwicklung des frühen Jazz, mit der Armstrong von 1924 bis 1938 verheiratet war. Kurzum, eine Ausnahmeband auf dem Höhepunkt ihrer Kunst, und ein Glücksmoment für alle, die dabei sein konnten.

Das dazu gehörende Album erscheint im nächsten Jahr bei LAIKA Records Berlin. Wolfgang Schweiger

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