»Kunst Ein/Aus« in Chieming

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Emanuel Karaci stellt seine Kunstwerke noch bis Samstag in den Fenstern des Chieminger Cafés Stumhofer aus. (Foto: Benekam)

Die erneuten Einschränkungen im November haben den engagierten Künstler Emanuel Karaci auf eine Idee gebracht: Wenn man schon die Kunst »ausschalte« und die Räume, in denen sie stattfindet, zusperren muss, dann könnte man doch wenigstens die Fensterscheiben ungenutzter Lokalitäten als »Schaukasten« nutzen – und deshalb zeigt der 27-Jährige nun seine Werke in den Fenstern des Cafés Stumhofer in Chieming.

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Emanuel Karaci, der aus Albanien stammt, arbeitet in der Chieminger Bäckerei Stumhofer, seit zwei Jahren lebt er in der Gemeinde. Seit der Gymnasialzeit ist in ihm der Wunsch gereift, Kunst zu studieren, sich das geliebte Hobby zum Beruf zu machen. Karaci ist Autodidakt, sein Atelier, verrät er, ist die Natur. Und seine Kunstwerke zeigen, dass sie auch seine Muse ist. Im Sommer etwa malte er mitten im Sonnenblumenfeld zwischen Chieming und Stöttham.

Wenn auch sein Arbeitstag schon in den frühen Morgenstunden beginnt, so findet Emanuel Karaci dennoch ausreichend Zeit, viele neue Bilder – großformatig in Öl auf Leinwand – zu malen. Diese sind nun in den Fenstern des Cafés zu sehen: Kunst von außen, ohne Vernissage oder Laudatio und ohne Austausch mit Künstlern oder anderen Kunstinteressierten. Die Betrachter können jederzeit kommen und gehen – Öffnungszeiten gibt es keine, die Kunstwerke sprechen für sich und jeder, der mag, ist eingeladen zu einem stillen Diskurs, zur intensiven oder aber nur flüchtigen Begegnung mit Kunst.

Das Motto zur Ausstellung »Kunst Ein/Aus« passt zu den erneuten Einschränkungen. Das Café Stumhofer bietet dafür viele große Fensterscheiben und somit viel Platz für Großformatiges. Das künstlerische Credo Karacis, so scheint es, ist sein mutiges Experimentieren mit satten Farben und eine bemerkenswerte Ideenvielfalt. Ein Freigeist, der zarte farbliche Andeutungen am Model – ob Blütenmeer, Chiemsee-Landschaft oder Porträts – intensiv hinaufregelt. Es entstehen stimmungsaufhellende Gemälde, denen der Betrachter die enorme Schaffensfreude ihres Schöpfers anmerkt.

Der hat gerade auch sein Goethe-Zertifikat B1 bestanden. Das ist ihm, neben einer besseren Verständigungsmöglichkeit am Arbeitsplatz und im Privaten, auch deshalb so wichtig, weil dieses Zertifikat Voraussetzung für die Bewerbung an einer Kunstakademie ist. Das sei sein größtes Ziel, verrät Emanuel Karaci. Seit Monaten bereitet er sich zum zweiten Mal auf die Bewerbung an der Kunsthochschule Kassel vor. Seine erste Bewerbung scheiterte nicht etwa an mangelnder Begabung, sondern eher an den fehlenden Sprachkenntnissen, sodass der Professor ihn ermutigte, es noch einmal zu probieren: Sein Talent sei bemerkenswert, wurde ihm attestiert. Also hängte sich Emanuel Karaci ordentlich rein. Das Ergebnis ist nun bis einschließlich Samstag im Herzen von Chieming (Hauptstraße 27) zu sehen.

Kirsten Benekam

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