Kriminalromane von Sherlock Holmes bis heute

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Beim Freundschaftsclub Haywards Heath trugen die englische Muttersprachlerin Allison Kollmayer (links) und Eva Wagatha, die lange in England und Australien lebte, in perfektem Englisch ausgewählte Textbeispiele der englischen Kriminalliteratur fesselnd und lebendig vor. (Foto: Giesen)

Englische Kriminalromane – von unterhaltsam bis lebensnah – waren Thema des lebendigen und abwechslungsreichen Literaturabends des englischen Freundschaftsclubs Haywards Heath in der Stadtbücherei Traunstein in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Traunstein.

Die Veranstaltung war schon lange vorbereitet und hätte bereits im letzten Jahr stattfinden sollen, wo sie jedoch Pandemie-bedingt verschoben werden musste, wie der Vorsitzende des Freundschaftsclubs Haywards Heath, Günter Miedaner, den rund 20 literaturbegeisterten Englandfans erklärte. Sie waren trotz strenger 2G-Regeln der Einladung gerne gefolgt. Bereits seit 1997 bietet der Clubs jeweils im Herbst eine englischsprachige Lesung zu ausgewählten Themen oder Autoren an.

Der Hauptreferent des Literaturabends, Dr. Ludwig Wagatha, stellte in perfektem Englisch als ersten und sicherlich berühmtesten der Detektive Sherlock Holmes und dessen Wirken vor. Schöpfer ist der in Edinburgh geborene Autor Arthur Conan Doyle (1859 bis 1930). Der weltweit bekannte Meisterdetektiv mit seinem Freund Dr. Watson trat 1887 erstmals auf und wurde durch seine haargenaue Analyse kleinster Begleitumstände und seiner treffsicheren Schlussfolgerungen zum Inbegriff aller scharfsinnigen Ermittler.

Einen neuen Höhepunkt erlebten die englischen Kriminalromane zwischen den Weltkriegen im »goldenen Zeitalter«, als vor allem Autorinnen wie Agatha Christie (1890 bis 1976) das Geschehen prägten. Dame Agatha Mary Clarissa Christie, Lady Mallowan, wie sie nach ihrer Aufnahme als Dame Commander in den Orden des Britischen Empire durch Königin Elizabeth II. im Jahr 1971 hieß, erreichte mit ihren 66 Krimis eine Gesamtauflage von mehr als zwei Milliarden Büchern. Sie wurde damit zur auflagenstärksten Romanautorin der englischen Literatur. Ihr Roman »Der Mord an Roger Ackroyd«, der schon 1926 erschien, wurde 2013 von 600 Autoren der »Crime Writer´ s Association« als bester Krimi aller Zeiten ausgezeichnet. Ihre berühmtesten Figuren sind der belgische Detektiv Hercule Poirot oder die altjüngferliche Miss Marple, die bis heute zumindest in Fernsehfilmen ihr Publikum immer aufs Neue erfreuen.

Anhand klug ausgewählter Textbeispiele trugen die Amerikanerin Allison Kollmayer, die in Eisenärzt mit einem Deutschen verheiratet ist und Eva Wagatha, Tochter von Dr. Ludwig Wagatha, die lange in England und Australien gelebt hatte, abwechselnd Schlüsselpassagen aus den Werken der Krimiautoren in ihrer englischen Muttersprache vor. Zum besseren Verständnis waren die Texte schriftlich ausgegeben worden, so dass die deutschsprachigen Zuhörer die vorgetragenen Passagen auch mitlesen konnten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Kriminalliteratur zunehmend realistischer. Heute können Inte-ressierte mit guten Kriminalromanen nicht nur Englisch lernen, sondern auch das gängige Englisch, wie es wirklich gesprochen wird. Auch das gesellschaftliche Umfeld von Protagonisten und Handlung wird häufig so realitätsnah beschrieben, dass die Leser ein realistisches Bild von Städten wie London oder Edinburgh und von gesellschaftlichen Entwicklungen, zum Beispiel der massiven Videoüberwachung öffentlicher Plätze gewinnen können. Auch dazu wurden den trotz Krankheitswelle und strengen Auflagen begeisterten Zuhörern Textbeispiele aus Romanen von P. D. James, mit vollem Namen Phyllis Dorothy James, Baroness James of Holland Park (1920 bis 2014) und dem schottischen Autor Ian Rankin (geboren 1960) vorgestellt.

Nach viel Applaus überreichte Günter Miedaner den Akteuren kleine Geschenke zum Dank für ihren engagierten Vortrag. Er hoffte, im Januar oder Februar wieder im Kino einen Film in englischer Originalsprache vorführen zu dürfen. Als Autor für den Literaturabend im nächsten Jahr stellte er Winston Churchill in Aussicht, der nicht nur Spitzenpolitiker, sondern auch Nobelpreisträger für Literatur war. Christiane Giesen

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