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Die Reichenhaller Philharmonie spielt sich mit den C-Tonarten

Klangsattes Sinfonisches Konzert in Traunstein

Mit der Konzertreihe »Sinfonische Konzerte Traunstein« wurde 2007 eine Lieblingsidee der Musikschule Traunstein vom damaligen Oberbürgermeister Fritz Stahl und seinem Stadtrat realisiert; seitdem ist sie der markanteste Farbtupfer auf der musikalischen Veranstaltungspalette Traunsteins. Das erste Konzert der Bad Reichenhaller Philharmonie in diesem Jahr mit dem programmatischen Titel »Dynamik« war, wenn auch unausgesprochen, eine prächtige, klangsatte Reverenz an dieses »Jubiläum«.

Adrian Oetiker beim langsamen Satz des Beethoven-Konzerts. (Foto: Kaiser)

An den Anfang des Konzerts hatte der Dirigent Christoph Adt Ludwig van Beethovens (1770 bis 1827) ) Ouvertüre zum Trauerspiel »Coriolan« gesetzt. Sie wurde nicht für Shakespeares gleichnamiges Drama geschrieben, sondern für ein (heute längst vergessenes) Trauerspiel des österreichischen Schriftstellers Heinrich Joseph von Collin. Drei wuchtige Orchesterschläge als Ausdruck einer unheimlichen, inneren Spannung und das herrische Auftrumpfen des gesamten Orchesters werden von einer versöhnenden Streichermelodie kontrastiert, den Bitten der Frauen um Schonung der Stadt Rom. Aus diesem Spannungsfeld gibt es für Coriolan den einen tragischen Ausweg: Selbsttötung – das ersterbende Unruhemotiv wird mit drei pianissimo Pizzikatotönen beendet. Mit dieser Ouvertüre stellten sich ein selbstbewusster, sicherer Dirigent und ein reaktionsfreudiges, präzises Orchester eindrucksvoll vor.

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Auch das folgende Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 op. 37 von Beethoven steht wie die Coriolan-Ouvertüre in c-Moll. Der Dirigent nahm das »Allegro molto« des 1. Satzes ernst und stellte in zügigem Tempo das Dreiklangs-Hauptthema vor. Der Schweizer Pianist Adrian Oetiker nahm diesen Impuls auf, verinnerlichte ihn und lotete die Brisanz und Wucht, die in diesem Thema steckt, extrem aus. Eine ausgiebige, tief empfundene Kadenz, die an Grenzbereiche menschlicher Existenz rührte, krönte den 1. Satz.

Der 2. Satz begann mit einer sanft-nachdenklichen Klaviermelodie, die das Orchester geradezu zärtlich aufgriff und in intensiv-intimem Konzertieren zu einem berückenden, sanften Largo veredelte. Unmittelbar schloss sich das Allegro des 3. Satzes an, der sich ausgesprochen tänzerisch gab. Schöne Klarinettenmotive und ein köstliches Fugato bereicherten ihn; er endete fröhlich erregt in strahlendem Dur mit einem Paukenschlag. Der Pianist wurde lautstark gefeiert und bedankte sich mit einem ungestüm-stürmischen »Fantasiestück« von Robert Schumann. Robert Schumanns (1810 bis 1856) Sinfonie Nr. 2 op. 61 (chronologisch ist sie eigentlich seine Dritte) straft die Tonart C-Dur Lügen. Sie ist keinesfalls unbeschwert und heiter, hat auch eine »schwere Geburt« hinter sich. Schumann notierte, er habe »manches fünf- und sechsmal umgestürzt«.

Er hat also das Werk seinem geschwächten Geist und Körper mühsam abgetrotzt und in dem Kampf um Klarheit und Größe Großartiges und nicht völlig Durchorganisiertes nebeneinander belassen. Der schönste Satz ist wohl das »Adagio espressivo« (3. Satz) mit seinen prächtigen melodischen Entwicklungen, an denen die Holzbläser maßgeblich beteiligt waren. Eine aufwärtsstürmende Tonleiter signalisierte im letzten Satz Siegeswillen, doch die der Motivik innewohnende Spannung löste sich nicht wirklich auf – der finale Triumph endete in einem Paukenwirbel.

Was die Traunsteiner Aufführung aber zu einer Sensation machte, war der souveräne Gestaltungswille von Christoph Adt, mit dem er seine Auffassung von diesem Werk darstellte und durchsetzte, und in gleichem Maße die hohe Leistung des Orchesters in allen Riegen, die aufhorchen ließ und begeisterte. Engelbert Kaiser