Keineswegs nur Ensor und Magritte

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James Ensor: »Das malende Skelett«, Öl auf Holztafel, 1896, entliehen aus dem König-lichen Museum der Schönen Künste Antwerpen. (Foto: Gärtner)

Wer von der »Dritten Dimension« hört, denkt vielleicht doch zuerst an den Thriller von 1962, in dem sich Sophia Loren und Anthony Perkins in Zweifel und Zwangsneurosen verstricken – und nicht an René Magritte.

Dessen Gemälde, ein sattgrünes Baumblatt mit allerhand bunten »Gästen« aus der Natur von 1942 »Die dritte Dimension« hängt nämlich seit 2013 in der Pinakothek der Moderne, wohin es als Schenkung der Theo Wormland-Stiftung GmbH kam – ein Bild, das große Aufmerksamkeit auf sich zieht – auch von Kindern und Jugendlichen, namentlich bei Schulklassenführungen.

Keineswegs nur, aber weitgehend kindlich verspielt kommen uns die 130 Exponate entgegen, die derzeit aus dem Königlichen Museum der Schönen Künste Antwerpen an die Kunsthalle der Hypo Kulturstiftung ausgeliehen sind. Das Antwerpener Museum wird derzeit renoviert und vergrößert, erst am 25. September 2022 öffnet es wieder. Einer der Orte, an die die Sammlung »verstreut« wurde, ist München. Moderne Kunst aus Belgien wird gezeigt: Grafik, Skulpturen, hauptsächlich Gemälde zwischen 1860 und 1960.

Den Titel »Fantastisch real« zweifelte eine Kunstkennerin an: »Müsste er nicht 'Fantastisch surreal' heißen?«, fragte sie. »Der belgische Symbolismus«, so erklärte Kunsthallen-Direktor Roger Diederen, »wird nicht nur in seinen Verflechtungen mit der Literatur und späteren Strömungen wie dem Surrealismus thematisiert, sondern gerade auch im Verhältnis zur vorausgegangenen realistischen Malerei mit ihrem starken sozialen Engagement.«

Diederens Kuratorin verweist auf die zahlreichen »Überraschungen«, auf die sich die Besucher freuen dürfen: Keineswegs nur James Ensor und René Magritte sind also mit ausgewählten Werken vertreten, auch Namen von weit weniger hohem Bekanntheitsgrad fallen in dieser Ausstellung – flämische Expressionisten etwa wie Gustave Van de Woestryne oder Maler des belgischen Realismus wie Charles Degroux. »Nichts ist so einfach wie man glaubt«, konstatierte 1887 Edmond Picard, der von Brüssel aus das »reale Fantastische« als Kunst-kategorie einführte, das »misstrauisch auf das Leben« blicke, »auf die Menschen, auf die Dinge« und das »beunruhigende Gedanken dazu« habe. Es gäbe immer auch »Darunterliegendes, Mysterien«.

Man begebe sich also auf Entdeckungsreise! Und beginne am besten bei Ensor (1860 bis 1949), um bei Magritte (1898 bis 1967) zu landen bis und dabei all das »Drumherum« wenigstens zu streifen. Also, dieser James Ensor! Gilt als bedeutendster Vertreter der fantastischen Malerei überhaupt. Ist in dieser Schau mehrfach als der »Maler der Masken« zu erleben. Masken machten ihn schon im Souvenirladen seiner Mutter in Ostende an.

Das Gemälde »Masken und Krustentiere« ist ebenso zu sehen wie das über »Die Verwunderung der Maske Wouse« mit der scheinbar verbotenen Party in Ensors Atelier. Skelette und Masken erscheinen bei Ensor häufig in den gleichen Rollen, belehrt uns die Kunsthistorikerin Nerina Santorius. Was sie zu dem Bild »Das malende Skelett« im dicken Holzrahmen von 1896 sagt, erschließt den großen belgischen Surrealisten mit wenigen Worten: In diesem »und zahlreichen weiteren Bildern ersetzte Ensor reale Personen durch Skelette. Auf eine frühere naturalistische Phase, in der vor allem Interieur-Szenen mit Figuren entstanden, folgte eine zunehmend von fantastischen Elementen dominierte Malerei.«

Die Ausstellung in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, Theatinerstraße 8, ist bis 6. März täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. An allen Dienstagen gilt halber Eintrittspreis! Es gelten die aktuellen Corona-Regeln, also 2G-plus-Regel (Zutritt nur für Geimpfte und Genesene mit einem aktuellen Schnell- oder PCR-Test) und FFP2-Maskenpflicht. Für »Geboosterte« (nach Ablauf von 14 Tagen nach der Impfung) entfällt seit 15.12. die zusätzliche Testpflicht.

Hans Gärtner

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