Jugend-Symphonieorchester live, aber anders

Bildtext einblenden
Zwei Konzerte in Unterwössen und Traunstein (unser Bild) gab das Chiemgau Jugendsymphonieorchester unter der Leitung von Ya-Wen Köhler-Yang, die das Orchester seit 2006 erfolgreich dirigiert. (Foto: Giesen)

Pandemiebedingt sahen die Konzerte des Chiemgau Jugend-Symphonieorchesters heuer anders als üblich aus: nicht nur große Orchesterwerke kamen zur Aufführung.

In vier Gruppen im Format eines Kammerorchesters spielten die Jugendlichen einmal in der Achentalhalle im Alten Bad in Unterwössen, am nächsten Abend im Kulturforum Klosterkirche in Traunstein. Die Konzerte waren beide sehr gut besucht und ein voller Erfolg für die offensichtlich hoch begabten Musikschüler, ihre Lehrer und Konzertbesucher, die zum großen Teil aus den Angehörigen der Jugendlichen bestanden.

Mit viel Arbeit und großem Aufwand seitens der Musikschulen im Landkreis Traunstein hatte die Konzerte federführend Simon Nagl organisiert, der 2009 die Projektleitung des Jugend-Symphonieorchesters übernommen hat. Mit dem Orchester wird seit seiner Gründung im Jahr 1992 etwa 60 Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 20 Jahren aus dem Landkreis die Möglichkeit gegeben, gemeinsam große Orchesterwerke der Musikliteratur zu proben und schließlich vor Publikum in feierlichem Rahmen zu spielen. Josef Mayer, Leiter der Musikschule Traunwalchen, dankte bei der Begrüßung allen, die es nach »viel Zittern, ob wir es überhaupt durchführen dürfen«, allen verantwortlichen Lehrern und Organisatoren »für ihren Einsatz und Optimismus«.

Das Konzert begann mit einem Quartett von Hornbläsern, die drei Stücke spielten: die Ouvertüre zu Wolfgang Amadeus Mozarts Ouvertüre »Die Zauberflöte«, ein Andante von Anton Bruckner sowie das vergleichsweise moderne Stück »Besamo Mucho« von Consuelo Velazquez. Die vier jungen Musiker spielten mit hoher Konzentration und zeigten überzeugend ihr hohes Können auf den Blasinstrumenten.

Das galt auch für das folgende Blechbläserquintett, das Stücke von Telemann, Philipp, Johann Sebastian Bach, nämlich Präludium und Fuge Nr. 8, intonierte und Musik von Dr. Peter Knudsvig, außerdem »Wade in the Water«, ein Negro Spiritual aus dem 19. Jahrhundert, arrangiert von Matthias Linke.

Das Celloensemble mit 12 Celli unter der musikalischen Leitung von Simon Nagl spielte bereits hoch versiert das Konzert für zwei Celli und Orchester g-Moll von Antonio Vivaldi, arrangiert für Celli von Orfeo Mendozzi. Bei den drei Sätzen, Allegro, Largo, Allegro, begeisterten als Solistinnen auf dem Cello die beiden Schwestern Laura und Ramona Dziewior. Großer Applaus belohnte alle Stücke, so dass die jungen Musiker mehrfach wieder auf die Bühne gerufen wurden.

Das gesamte Orchester, verstärkt durch Musiklehrer und zwei professionelle Fagottisten, spielte sodann die Sinfonia B-Dur von Giovanni Paisiello aus dem 18. Jahrhundert unter der einfühlsamen und ausdrucksstarken Leitung von Ya-Wen Köhler-Yang. Sie dirigiert das Orchester seit 2006, und hat seither bei allen Aufführungen besondere Erfolge erzielt und die Jugendlichen in ihrer musikalischen Entwicklung spürbar weiter gebracht. Als zweites, größtes Werk des Abends, erklang die große, bekannte Symphonie Nr. 25 g-Moll, KV 183 von Wolfgang Amadeus Mozart in vier Sätzen. Mit deutlicher Spielfreude, trotz der nur wenigen möglichen Proben, spielten die jungen Musiker, der überwiegende Teil davon junge Damen, überraschend harmonisch und aufeinander bezogen miteinander. Besonders brillierten die Streicher durch sehr modulierte Intonation, Kraft und Vitalität.

Offensichtlich und offen hörbar musizierten hier erfreulicher Weise zahlreiche spätere Berufsmusiker. Dank des besonderen Musikerlebnisses wurde natürlich weder mit Applaus noch mit freiwilligen Spenden gespart, denn es waren keine Tickets verkauft worden. Auf ein Konzert im nächsten Jahr darf man sich freuen.

Christiane Giesen

Mehr aus Kultur aus der Region