Jubilierend und mit ernstem Unterton

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Carsten Neumann als Solist bei Mozarts Violinkonzert Nr. 5. (Foto: Mergenthal)

Fast unwirklich erschien es, als die 15 Musikerinnen und Musiker des Orchesters der Stiftskantorei St. Peter Salzburg, vor dem prächtigen barocken Altar der Pfarrkirche St. Georg Platz nahmen. Beim letzten Konzert im Juni war es nur ein Streichquartett gewesen. Dankbar genossen die zahlreichen Besucher auf Einladung der Kulturinitiative Ruhpolding die lange vermisste Klangfülle in Werken von Mozart und Haydn.

Den beschwingten Auftakt machte unter dem Konzertmotto »...geistlich, geistreich« das Violinkonzert Nr. 5 A-Dur KV 219 von Wolfgang Amadeus Mozart. Die Stiftsmusik unter souveräner und einfühlsamer Leitung von Peter Peinstingl setzt sich vor allem aus Musikern der Camerata Salzburg und des Mozarteumorchesters zusammen. In letzterem ist der Violinsolist Carsten Neumann Stimmführer der zweiten Geige.

Schwerelos spielte sich Neumann durch das Werk mit seinen verspielten Verzierungen und einem langsamen, ausdrucksvollen Zwischenteil im ersten Satz. Ein Genuss waren die Leichtigkeit seiner Kadenzen, die zuweilen an Vogelgezwitscher erinnerten, und das harmonische Miteinander mit dem beschwingten Orchester, in dem Neumann sonst als »normaler« Musiker mitspielt. Locker und herrlich tänzerisch hingefetzt war der Schlusssatz »Rondeau – Tempo di minuetto«.

Ebenso ein Erlebnis war Mozarts Motette »Exsultate, jubilate« KV 165 mit Aleksandra Zamojska. Die in Polen geborene Sopranistin studierte in Krakau und Salzburg und sammelte seit ihrem Salzburger Festspieldebüt 2004 im »Rosenkavalier« viel internationale Erfahrung auf großen Bühnen. Trotz des ernsten Gesamtcharakters dieses geistlichen Werks kommt auch hier der Humor Mozarts durch, wenn er zum Beispiel Horn oder Oboe als eine Art Echo der Singstimme einsetzt. Glanz und Fülle prägten den ersten Satz »Jubilate, exsultate« mit einer eindrucksvollen Kadenz der Sängerin.

Einem Rezitativ folgte ein bezauberndes, der »Krone der Jungfrauen« gewidmetes, wiegenliedähnliches Andante, bei dem die Streicher die Sängerin sanft einbetteten. Nahtlos ging es ins überschwängliche »Alleluja« über, bei dem Zamojska im Bund mit den Instrumentalisten ein Feuerwerk der sich bis in höchste Höhen flammenartig aufschwingende Melodien und der sicher intonierten, rhythmisch reizvollen und virtuos dargebotenen Koloraturen zündete.

Die »Abschiedssymphonie« in der ungewöhnlichen Tonart fis-Moll, die Joseph Hadyn 1772, ein Jahr vor der Komposition von »Exsultate, jubilate«, geschrieben hatte, entstand während seiner Zeit als Kapellmeister beim Fürsten Nikolaus I. Esterhazy. Der Überlieferung nach wollte Haydn seinem Dienstherrn zu verstehen geben, dass er seine Musiker endlich in den wohlverdienten Sommerurlaub entlassen solle.

Beim Schlusssatz verlässt nämlich ein Musiker nach dem anderen mit seinem Instrument die Bühne, sogar der Dirigent, bis am Ende nur zwei Geiger die Symphonie zu Ende spielen. »Wir setzen das bewusst in einem ernsten Hintergrund«, erklärte der Ruhpoldinger Cellist Simon Nagl in seiner Einführung. Die Coronakrise habe so manchen Musiker veranlasst, sein Studium oder seinen Beruf an den Nagel zu hängen.

Mit dieser Intention im Hintergrund konnte man aus dem energischen ersten Satz mit seinem kräftigen, düsteren Hauptthema eine Art wilde Entschlossenheit he-raushören, das Erbe des öffentlichen Musizierens in die ungewisse Zukunft zu retten. Der zweite Satz »Adagio« hatte trotz seiner Monotonie etwas sehr Spannendes. Von Peinstingl konsequent im Pianissimo dirigiert, wirkte er wie eine aus der Ferne, von einem irrealen Ort zu vernehmende, innige, scheu-verstörte Serenade.

Jagdanklänge und Aufbruchstimmung charakterisierten den dritten Satz, mit einem anmutigen Wechselspiel zwischen den Hörnern und einem Streichquartett. Im Finale legen die verschiedenen Instrumente nochmal ein Solo hin und verlassen unmittelbar danach schweigend die Bühne, als erster der Oboist und der Hornist. Die wachsende Zahl der leeren Stühle hatte etwas Gespenstisches.

So war die Erleichterung groß, als alle Musiker für einen begeisterten Schlussapplaus auf die Bühne zurückkehrten.

Veronika Mergenthal

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