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Rockig-poppig, jazzig, gerappt oder balladenhaft: »Das fliegende Klassenzimmer« konnte im Salzburger Landestheater als Musical auf ganzer Linie überzeugen. (Foto: Tobias Witzgall/Landestheater)

In Rappgesängen zum Hip-Hop-Gefecht

Traurig, aber wahr: Die Kindheit ist nicht nur Ponyhof. Bei vielen gleicht sie eher einer Berg- und Talfahrt. Davon wusste auch Erich Kästner ein Lied zu singen. Als er 1933 »Das fliegende Klassenzimmer« schrieb, packte er in seinen Jugendroman Lebenswahr- und Weisheiten, die bis heute wie Rettungsbojen im wogenden Ozean eines sozialen Miteinanders leuchten.

Ein zeitloser Literaturstoff, den das Salzburger Landestheater als Musical-Fassung von Katrin Schweiger (Musik) und Texten von Marco Dott zur Uraufführung brachte. Die jugendlichen Musical-Stars, die in Kooperation mit Profis im Rampenlicht standen, wurden vom jungen Publikum gefeiert. Wer da wohl mehr Vergnügen hatte? Die Spiel-, Sing- und Tanzbegeisterung der wilden Schar, zu der auch Kinder der Salzburger Festspiele und des Theater Kinderchors gehören, wurde von einer fantastischen Landestheater-Band im Graben befeuert (Leitung Manuel Lauerer).

Marco Dotts Inszenierung ist mit aktuellen Zeitbezügen aufgefrischt. Besonders die energievollen Tanzszenen (Josef Vesely und Kate Watson) in Skaterparkkulisse und auf variabler Tribüne (Manuela Weilguni) laden zum Mitfliegen ein. Aus der Ode an Freundschaft, Loyalität und Zusammenhalt entstand ein Musical-Ereignis: flotte Songs – rockig-poppig, jazzig, im Rapp oder balladenhaft – in emotionaler Anlehnung an den szenischen Stoff.

Schweiger komponierte zu den jeweiligen Themen passende Melodien, die von den Nachwuchstalenten stimmlich bravourös dargeboten wurden. Die prähistorischen Querelen zwischen Realschülern und Gymnasiasten bieten Steilvorlage für Zickenkrieg, gezofft wird aber in Salzburg nicht nur (wie in der Literaturvorlage) zwischen Buben – zwei der fünf Freunde sind Mädchen, auch das Knabeninternat ist Geschichte. Stibitzte Diktathefte, Kidnapping, auf gescheiterte Verhandlungsversuche folgen Schneeballschlachten, ein Wettkampf im Armdrücken und schließlich gehen die Streithähne in Rappgesängen zum Hip-Hop-Gefecht über.

In ergreifendem Spiel sind Einzelschicksale und Dramen der fünf so unterschiedlichen Freunde emotionsreich herausgearbeitet: Ein Hoch auf die jugendlichen Hauptrollen Martina (Emilia Grabner), Jonathan (Filip Köpke), Sophie (Alma Tomasi), Uli (Leonhard Radauer) und Matthias (Nikolas Kendi), aber auch auf das gesamte Ensemble, das in der Gesamtleistung beweist, wie glanzvoll sich junge und alte Theaterhasen im Zusammenwirken ergänzen können.

»Das fliegende Klassenzimmer« ist noch bis zum 29. Mai zu erleben. Karten und Reservierungen, auch für Schulaufführungen, sind unter 0043/662/87151 22 22 oder per E-Mail unter service@salzburger-landestheater.at möglich.

Kirsten Benekam

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