Historische Aufführungspraxis und Folklore im Barock

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Das Ensemble um Patrick Pöß, Traversflöte, Thomas Maerkl, Cembalo, und Izabella Egri, Violoncello. (Foto: Janoschka)

Das erste Konzert seiner traditionellen Konzertreise im August spielte der Traversflötist Patrick Pföß dieses Jahr in der Kirche St. Oswald in Leobendorf mit einem neuen Ensemble, nämlich mit der Cellistin Izabella Egri und dem Cembalisten Thomas Maerkl auf historischen Instrumenten. Weitere Konzerte fanden in Berchtesgaden, Traunstein und Tittmoning statt.

Hängt es bei der Traversflöte mit der Bohrung und dem Vorhandensein von nur einer Klappe zusammen, so ist die historische Aufführungspraxis besonders gut beim Violoncello sichtbar: Der Bogen wird etwas entfernt vom Frosch (dem Ende des Bogens) und das Instrument zwischen den Knien gehalten, sodass es nicht mit dem Dorn auf dem Boden steht. Auch die Stimmung der Instrumente ist tiefer. Barock – was bedeutet das für die heutigen Zuhörer? Nicht nur die Freude über wohlklingende Musik, sondern auch – und das vollzieht sich auf einer anderen Ebene – die Tatsache, dass sich das barock-geordnete Weltbild in der Musik spiegelt. Und das tut besonders in diesen Tagen gut.

Patrick Pföß moderierte das Konzert und versetzte die Zuhörer (die nur nach den Corona-Regeln eingelassen wurden) unterhaltsam in die barocke Zeit zurück: So hingen beim Friseur damals Instrumente an der Wand, die beim Warten gespielt werden konnten. Auf diese Weise seien zum Beispiel »Grounds« entstanden – improvisierte Melodien über den ostinaten Basslinien, den »Grounds«. Zwei davon erklangen: »A Division on a Ground by Mr. Godfrey Finger aus dem Jahr 1706« und »An Italian Ground«. Die Basslinie spielte dabei das Cello – zwar angepasst an die Variationen der Traversflöte, aber doch in immer ähnlicher Weise.

Mit den verschiedenen Kompositionen begannen die Musiker gemeinsam mit dem Publikum ihre Reise mit Michel Corrette und seiner viersätzigen Sonate VI in Frankreich. Corrette hatte die erste Cello-Schule geschrieben, die eine Quelle für die historische Aufführungspraxis in dieser Zeit ist, informierte Pföß. Es war daher sicher nicht unbeabsichtigt, dass dieser Komponist den ersten Programmpunkt bildete.

Von Frankreich ging es weiter nach England und nach Schottland. Interessanterweise waren es italienische Komponisten, die in England lebten und arbeiteten, einerseits Francesco Geminiani, dessen virtuose Sonate V in F-Dur für Violoncello beeindruckend von Izabella Egri dargeboten wurde. Andererseits bearbeitete Francesco Barsanti schottische Volkslieder für Traversflöte und Basso continuo, in diesem Fall für Cembalo und Violoncello, wie »The last Time I came o’er the Moor«, »Lochaber« und »Five and All the Lands About it«.

Diese Lieder leiteten thematisch über zu Turlough O’Carolan, dem letzten irischen Barden, ohne den ein Konzert mit Patrick Pföß kaum vorstellbar ist, hat er doch kürzlich auf seiner Reise nach Irland an dessen Grab eines seiner Planxties auf einer irischen Flöte gespielt. Dies waren Kompositionen, die O’Carolan seinen »Sponsoren«, bei denen er ein Bett und eine Mahlzeit erhielt, widmete.

Die Begeisterung für den italienischen Barock bei O’Carolan entstand auch durch den Komponisten Geminiani, der ihm in Dublin begegnete, so Pföß, der die Verbindung von irischer Volksmusik mit der irischen Kunstmusik des Barden und der italienischen Barockmusik durch seine Komposition im Stile dieser Zeit aufgriff und bei »Planxty Crilly«, »Sheebeg Sheemore« und »Miss Noble« mit seinem schnellen Auftakt mit dem Ensemble spielte.

Auch die Solowerke für Cembalo von Antoine Forqueray aus dessen 5. Suite in c-Moll – »La Guignon« und »La Sylva« – erfreuten die Zuhörer durch den Harmoniereichtum. Besonders sei hier die typisch französische, »inegale Spielweise«, also zum Beispiel die, in der Länge ungleich gespielten Achtelnoten, erklärte Maerkl.

Von Georg Friedrich Händel spielte das Ensemble zum Schluss die Sonate op. 1 / Nr. 4, ebenfalls, wie im Barock üblich mit zwei langsamen und zwei schnellen Sätzen, ein wunderbarer Schlusspunkt unter ein spannendes Konzert mit vielen unbekannten Komponisten.

Nach einer Zugabe dankte Pföß für den Konzertbesuch und betonte, wie wichtig dieser für die Kulturschaffenden sei.

Brigitte Janoschka

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