Heile Welt in einer Julinacht

Bildtext einblenden
Hannes Ringlstetter (Zweiter von rechts) brachte mit seiner Band Lieder voller Poesie und Lebensfreude, zum Träumen und Nachdenken auf die Bühne. (Foto: Heel)

Auch wenn er derzeit als Talkshow-Gastgeber und Schauspieler (»Hubert ohne Staller«) gut beschäftigt ist, Hannes Ringlstetters wahre Liebe gilt der Musik – damit hat der heute 51-jährige Niederbayer angefangen (»Schinderhannes«), und damit erfreute er bei seinem Gastspiel im Traunreuter Freibad, einer Veranstaltung des k1, wieder einmal sein Publikum. Zumal auch das Wetter mitspielte und so einem ungetrübten Genuss nichts im Wege stand.

Anzeige

Zum Start stand Hannes Ringlstetter zunächst allein auf der Bühne und sang in launiger Selbstbetrachtung »So bin I«, bevor seine fünfköpfige Band mit Druck und Schwung einstieg und als Nächstes mit »PNYA« ein flotter Countrysong über das Leben auf Tour erklang: »Bau ma auf, bau ma ab, fahr ma wieder weida – München, Passau, Linz und Wien, Paris, New York, Alteiselfing«.

Mehr als passend ging es weiter mit der »Julinacht«, einem leicht schwermütigen Song über das Warten auf die echte Liebe, gefolgt vom (Beziehungs-)Galopp seiner »2 Cowboys«. Und weil er bei jeder Tournee auch einen neuen Cover-Song parat habe, wie Hannes Ringlstetter erklärte, schickte er gleich eine wunderbare Fassung des Countrysongs »Weed, Whiskey and Willie« von den Brothers Osborne hinterher. Mit »Heile Welt« war schließlich der Titelsong seines neuen Albums zu hören, von Ringlstetter als Kritik an der Wohlstandsgesellschaft lange vor Corona geschrieben.

Dass die bei früheren Auftritten üblichen Kabarett-Einlagen an diesem Abend fehlten, war indes kein Manko. Gestützt auf seine hervorragenden Begleitmusiker Jochen Goricnik (Gitarre), Lenz Retzer (Bass), Christian Schmalz (Keyboard), Michael Thomas (Schlagzeug) und Stefan Lang (Trompete und Flügelhorn) stand so die Musik im Vordergrund – Lieder voller Poesie und Lebensfreude, zum Träumen und Nachdenken und von Ringlstetter mit umwerfender Bühnenpräsenz mal als gefühlvolle Ballade, mal schön rockig ans Publikum gebracht.

Dass er dennoch Kontakt zu den Zuschauern suchte, versteht sich bei Hannes Ringlstetter von selbst. So stellte er jeden seiner Begleitmusiker ausführlich vor, erkundigte sich bei einer schwangeren Frau, ob die Lautstärke auch erträglich sei, und als er fragte, ob Touristen anwesend seien, meldete sich nur ein Pärchen mit: »Ja, aus Vachendorf.«

Witzig auch, was ihn zum Lied »Iserlohn« angeregt habe, nämlich zu einer Internet-Petition zur Rettung des Stadtwaldes von Iserlohn. Mit »Radl am See« beschwor Hannes Ringlstetter anschließend den Flair der 80er Jahre herauf, und bei dem Stück »Family« machte es sich die Band dann sitzend am Bühnenrand bequem und stimmte als A-cappella-Chor ein.

Im Gegensatz dazu hielt es beim nachfolgenden Song »Es rengt« kaum einen Zuschauer mehr auf seinem Stuhl, es wurde eifrig getanzt und mitgeklatscht, bevor Ringlstetter mit »Einfach so«, einer seiner schönsten Balladen, den regulären Teil seines Programms beendete.

Doch einfach so ließen ihn die rund 250 Zuschauer nicht davonkommen, auch deswegen, weil bei einem Ringlstetter-Konzert seine Ode an seine Heimat Niederbayern nicht fehlen darf. Nach zwei weiteren Zugaben, einer englisch-niederbayerisch gehaltenen Paro-die auf Howard Carpendale und dem Song »Heller Schein« war dann endgültig Schluss und nebenbei der Beweis erbracht, dass auch ein Freibad ein toller Ort für ein Open-Air-Konzert sein kann. Wolfgang Schweiger

Mehr aus Kultur aus der Region