Gereift, gut gelaunt und genial virtuos

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Viel Applaus im k1-Saal: Traunreut kann stolz sein auf seine musikalischen »Söhne« und »Tochter« Veronika Zunhammer. (Foto: Benekam)

Zum 14. Mal feierte Traunreut seine musikalischen Söhne: »Wir sind heute Abend ausverkauft«, freute sich k1-Chefin Anke Hellmann und sprach in ihrer kurzen Begrüßungsrede dem treuen Publikum großen Dank aus. Es sei für alle mit erheblichen Umständen verbunden, derzeit kulturelle Veranstaltungen zu besuchen. Doch dass die stadtbeliebte Formation, die »Söhne Traunreuts«, sich über derart guten Zulauf freuen darf, das sei schon besonders.

Einmal im Jahr kommen die aus Traunreut und Umgebung stammenden Musiker zusammen, proben am Nachmittag und gehen dann auf die Bühne. Hört und sieht man die »Söhne« im Konzert, kann man’s kaum glauben, dass es möglich ist, mit so wenig Probenaufwand derartig niveauvoll zusammenzuspielen, also Jazz vom Allerfeinsten abzuliefern. Die gut gelaunten Gäste fühlten sich ein wenig wie Familie: In den Reihen bis hinauf zur Galerie sah man viele bekannte Gesichter – das Gefühl vom »singenden und klingenden Klassentreffen« stellte sich im k1-Saal bereits ein, bevor die Musiker die Bühne betraten.

Liesl Mensing in der zweiten Reihe, Mutter von Knud Mensing, konnte es kaum erwarten und klatschte »ihre Kinder« auf die Bühne. Und die sonnten sich im viel geliebten Rampenlicht: Hans Baltin am Kontrabass, Knud Mensing und Michael Vochezer an den Gitarren, Christoph Zoelch am Saxofon, Martin Auer an der Trompete und Guido May am Schlagzeug. Dort lebten sie ihre ganz eigene 3G-Regel: Gereift, gut gelaunt und genial virtuos gingen sie zusammen mit dem singenden und klingenden i-Tüpferl ans jazzige Werk: Jazzsängerin Veronika Zunhammer, ebenso Tochter Traunreuts, verstärkte mit ihrem Stimmgold die »Brüder« und verhalf so dem Abend zum Jazz-Event der Superlative.

Zunhammers Stimme findet direkten Zugang zu den Herzen ihrer Zuhörer. Schmeichelnd zart, dann wieder kraftvoll gleitet sie mit Leichtigkeit durch alle Oktaven. Eine variationsreiche Stimme, die man nicht vergisst und eine Interpretationsgabe, mit der sie sich legendäre Titel wie Aretha Franklins »Say a little prayer« zu eigen macht, ohne dem ursprünglichen Titel den Glanz zu nehmen.

Nicht dabei bei Runde vierzehn der »Söhne« – und entsprechend schmerzlich vermisst, war dieses Mal Bastian Pusch: Da fehlte nicht nur sein Piano-Part, sondern auch seine launige Moderation, seine spontanen Einwürfe, die guten Witze und erfrischenden Improvisationen. Nachdem Pusch, wie man erfuhr, von einem ungeimpften Sänger mit Covid infiziert worden war, musste er (bei leichtem Verlauf, weil im Juni doppelt geimpft) dem Konzert in der Heimatstadt fernbleiben.

Traurig, aber nicht zu ändern. So stiegen »Söhne« und »Tochter« »unge-Pusch-t« ins musikalische Vergnügen ein, bedienten sich aus breit gefächertem Repertoire bekannter wie beliebter Jazz- Soul- und Blues-Nummern: Von der Django-Reinhardt-Nummer »Nuages« über Ella Fitzgeralds »Easy to love« aus dem Great American Songbook, einer balladenhaft und seelenberührenden Eigenkomposition Veronika Zunhammers – »Don’t go to strangers« – bis zum Bossa Nova »The Girl from Ipanema« (Antônio Carlos Jobim), war alles dabei, was das Jazz-Herz begehrt.

Weil es die Ex-Traunreuter in ihrer erfolgreichen musikalischen Laufbahn bis weit über die bayerischen Grenzen hinaus geweht hat und ihre Kreativität keine Grenzen kennt, speist ein jeder Neues, Fremdes und Spannendes ein – ein Synergismus, der die musikalische Interaktion bereichert. Der große Ausdruck, die emotionale Ausstrahlung und gegenseitige Inspiration bei enormer Virtuosität aller Instrumentalisten machte es einmal mehr klar: Sie leben hoch und kommen hoffentlich im kommenden Jahr mit Bastian Pusch wieder. Traunreut kann stolz sein.

Drum gab’s nach kräftigem Applaus als Dreingabe den swingenden Jazzstandard »Allright, okay, you win« – und der sprach Bände: Das Klassentreffen war wieder ein Volltreffer und ein Gewinn im k1-Programm. Kirsten Benekam

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