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Genussreiche Lesung mit Musik bei der „Bergweihnacht“ mit Siegfried Rauch in Traunstein

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Als Schauspieler, der bereits früh in internationalen Produktionen mitgespielt hat, ist Siegfried Rauch so etwas wie eine lebende Legende. Millionen kennen ihn von herzwärmenden TV-Produktionen etwa als Bergwacht-Chef in der Serie „Wildbach“, als Kapitän des „Traumschiffs“, der uns mit seiner Crew an die schönste Plätze der Welt mitgenommen hat, oder als Mentor des „Bergdoktors“, der als Dr. Roman Melchinger immer noch vor der Kamera steht. Mit immerhin 84 Jahren.


Diese Weltläufigkeit, gepaart mit einem tiefempfundenen Gefühl für seine bayerische Heimat und ein ausgeprägter Sinn für Familie und das Weihnachtsfest sind es auch, die den Reiz der „Bergweihnacht“ ausmachen. Bereits im achten Jahr tourt Siegfried Rauch mit dieser Erfolgsreihe durch Bayern. Die Lesung seiner besten, persönlich ausgewählten Weihnachtsgeschichten, Erinnerungen und Anekdoten aus seinem bewegten Leben, kombiniert mit einfühlsamen Musikstücken hervorragender Musiker ist ein Erlebnis, dem man sich nur schwer entziehen kann.

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Durch gute Verbindungen des Veranstalters Michael Jodl aus Würzburg („Gebrüder Krimm“) mit dem Autohaus Pappas & Werlin in Traunstein kamen am Freitag rund 100 Kulturfans aus der Region in den Genuss, den großen Mimen live bei der „Bergweihnacht“ zu erleben. Astrid Tradler und ihr Team hatten den Verkaufsraum einfühlsam mit Weihnachtsschmuck, Kerze und stimmungsvoller Beleuchtung dekoriert, die den Zauber der Weihnachtsnacht anklingen ließ.  Als echte Virtuosen auf unterschiedlichen Instrumenten erwiesen sich die vier Mitglieder der Familienmusi Servi aus Eching, die die Erzählungen von Rauch passend begleiteten.

Man hört Siegfried Rauch gern zu, wenn er einen mit seiner kräftig akzentuierten, tief-sonorigen Stimme mitnimmt auf seiner ganz persönlichen Abenteuerreise durch die Weihnachtszeit. Er erinnert an einen Weihnachtsbesuch seines Schauspielkollegen Steve McQueen in seinem Bauernhaus bei Murnau und den Gegenbesuch in Hollywood. Da wollte Rauch dem Star einen echt bayerischen Weihnachtsbaum mit Bienenwachskerzen mitbringen. Und staunte dann, wie Zollkontrolle und Desinfektion aus einem Prachtbaum ein verhutzeltes Astgerippe gemacht hatten. Oder Weihnachten bei einem Dreh in Ceylon. Das Fest der Feste fern der Heimat ohne Familie zu begehen, war für den Familienmenschen Rauch eigentlich undenkbar. Und dann machten sich auch noch Ratten und Ameisen über die mitgebrachten Lebkuchen her…

Zum Glück gab es verständnisvolle Regisseure. Einer ließ sich von Rauchs energisch argumentierenden Bruder sogar am Telefon überzeugen, dass es besser wäre, selbst in eine Rolle des blonden Mimen in einem am Weihnachtstag aufgeführten Stücks zu schlüpfen, damit Rauch rechtzeitig mit der Familie feiern könnte. Sachen gibt’s! Der 84-Jährige erinnerte auch an das Weihnachten seiner Kindheit mit selbstgebastelten Geschenken: „Da gab es viel Geborgenheit und Herzlichkeit und auch das Wohnzimmer war an diesem Tag mal richtig warm.“

Nicht weniger Vergnügen bereiteten die von Siegfried Rauch mit sichtlichem Genuss vorgetragenen Weihnachtsgeschichten von Karl Heinrich Waggerl. Sie sind beliebte Klassiker und erinnern mit verschmitzem Humor und im Stil Ludwig Thomas  an die gute alte Zeit mit ihren verschiedenen Bräuchen, süßen Düften und Geheimnissen rund um die Weihnachtszeit.

Für die passenden musikalischen Zwischentöne sorgten Klaus, Gertraud, Johannes und Leonhard Servi etwa mit Klängen aus dem Klassiker „Drei Nüsse für Aschenbrödel“, dem Thernberger Hochzeitsstückl, dem Mankei-Walzer oder dem Stück „Am Bacherl“. Nicht fehlen durfte zum Schluss noch ein gemeinsam mit dem Publikum angestimmtes „Stille Nacht“. Der bekannteste Weihnachtslied-Klassiker, der mittlerweile von der Unesco zum immateriellen Weltkulturerbe gezählt wird, wurde vor knapp 200 Jahren erstmals in Oberndorf, unweit der Salzachstadt Laufen, gesungen. (Axel Effner)