weather-image
29°

Genuss- und schwungvoller Saitengalopp

2.0
2.0
Bildtext einblenden
Viel Beifall im Festsaal von Kloster Seeon gab es für die Gitarrenvirtuosen Thomas Beer (links) und Markus Lohmeier. (Foto: Benekam)

Zwei Mal sechs Saiten ließ das Duo »Alta Baviera« bei dem Gitarrenkonzert zum Namenstag des Heiligen Benedikt im Festsaal des Kultur- und Bildungszentrums Kloster Seeon klingen.


Geklungen hat es allerdings nach weit mehr. Enorme Virtuosität, ein grandios aufeinander eingespieltes Duo und die gute Akustik des Festsaals machten es möglich. Der Zauber guter Musik kommt aus der Stille und füllt diese mit Wohlklang, wirkt in seiner Bescheidenheit bombastisch, ohne je laut zu werden und bringt das Innere des Zuhörers zum Schwingen.

Anzeige

Dieses Aha-Erlebnis genossen die glücklichen Zuhörer des Konzerts, das unter dem Titel »Baviera Antigua« aufgeführt wurde: Musikalische Perlen lyrischer Musik aus Renaissance und Barock für zwei Gitarren – das waren bearbeitete Werke von John Dowland, Jean-Philippe Rameau, Domenico Scarlatti, Georg Friedrich Händel, Fernando Sor, François Couperin und Johann Sebastian Bach. Dass der ursprünglich geplante Veranstaltungsort, die kleine St.-Walburg-Kirche, derzeit wegen der Abstandsregeln nicht genutzt werden kann, schmälerte den Genuss also wenig.

Die beiden sympathischen Gitarrenvirtuosen Markus Lohmeier aus Rosenheim und Thomas Beer aus Schnaitsee hatten, wie sie eingangs den Konzertbesuchern verrieten, seit einem halben Jahr nicht mehr vor Publikum gespielt. So war den beiden jungen Musikern ihre große Musizierfreude anzumerken. Wahrscheinlich klangen deshalb auch die ersten gespielten Werke von Jean-Philippe Rameau, »Gigue en Rondeau« und »La Joyeuse« wie ein heiteres Begrüßungslied. Die meisten Werke im Programm waren von den Komponisten ursprünglich für Cembalo oder Laute gesetzt. Die Bearbeitungen für zwei Gitarren klangen famos, setzen aber ein spieltechnisch hohes Niveau voraus, dem das Duo im besten Wortsinn spielend gerecht wurde.

Das im durchlaufenden 16tel-Notentakt gesetzte »Le Tic-Toc-choc« von François Couperin verlangte komplizierte Grifftechniken, einen wahren »Saitengalopp« der Finger. Das Duo schafft in seinem ausdrucksstarken Zusammenspiel Klangschönheit und Poesie, erzählt in seiner Sprache, immer in engem Austausch zueinander, seine eigenen (Saiten-)Geschichten. Mit beeindruckender orchestraler (Gitarren-)Klangfülle scheinen die beiden Gitarren dem Cembalo, für das die Werke einst »gemacht« wurden, den Rang ablaufen zu wollen. Bei Bachs Cantate »Jesus meine Freude« ging den überwältigten Zuhörern das Herz auf – es »stimmte einfach« und stimmte tatsächlich froh.

Brillant interpretiert kam auch »Souvenir de Russie« zu Gehör, ein Werk von Fernando Sor, einer der großen Komponisten klassischer Gitarrenmusik. Thematisch »erzählt« die Komposition von einer märchenhaften Reise durch Russland und zeichnet in ihrem Variationsreichtum, Stimmungen und charaktervollen Melodien die Seele Russlands nach. Tiefe Hinwendung zu den Werken, eindringliches, dialogisches Wechselspiel zwischen den beiden Spielern und immer wieder die ansteckende Freude bei höchster Virtuosität machten das Konzert zum Genusshappen – nicht nur für Gitarrenliebhaber oder Kenner der Saitenliteratur.

Wie ein Sahnehäubchen kredenzten die beiden Virtuosen als Nachschlag noch zwei Bearbeitungen zweier Werke von Johann Sebastian Bach. Eine Crossover-Bearbeitung mit Gesang und starkem Text von Thomas Beer, »Ready for the Storm«, tröstete die Gäste über das viel zu schnelle Ende hinweg – »Ready for more« hätte noch besser gepasst.

Kirsten Benekam

Mehr aus Kultur aus der Region