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Galgenfrist für Margarete im Landestheater

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Leslie Suganandarajah dirigierte das Mozarteumorchester Salzburg.
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Luke Sinclair und Anne-Fleur Werner im Landestheater als Faust und Margarete. (Fotos: Landestheater)

Die Premiere der konzertanten Aufführung der Oper »Margarete« von Charles Gounod im Salzburger Landestheater war gleichzeitig der Schlusspunkt für Musik-und Theaterveranstaltungen in den kommenden Wochen.


Wie in Deutschland geht auch das Nachbarland Österreich in einen erneuten Corona-Lockdown. Umso mehr genossen die Zuhörer das Erlebnis dieser packend gestalteten, gut vorbereiteten und vortrefflich gesungenen Operndarbietung. Als musikalisches Pendant zur Inszenierung von »Faust I« sollte sie den Spielplan bereichern. Aber erst einmal sind alle Theaterambitionen in die Corona-Auszeit geschickt.

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Gounods Oper orientiert sich inhaltlich an Goethes »Faust«-Stoff. Faust ist des Lebens überdrüssig geworden, aber da verlockt ihn Mephisto, ihm seine Wünsche nach Jugend, Liebe und Leidenschaft zu erfüllen und führt ihm Margarete zu, die Fausts Begehrlichkeit entzündet. Die Musik ist ganz Ausdruck der französich-lyrischen Romantik in einer Fülle eingängigem Melodienreichtums und gesanglicher Glanzstücke, die der Oper große Beliebtheit einbrachten.

Oper ist generell eine Theaterform und soll auch im Theater als solche fungieren, aber eine konzertante Aufführung kann sehr reizvoll sein und hat den Vorteil – hier im französischen Original mit Übertiteln – dass sich sowohl die Ausführenden als auch die Zuhörer ganz auf die musikalische Gestaltung konzentrieren und die Aufmerksamkeit auf die klanglichen Facetten legen können. Den derzeitigen Umständen geschuldet, hat man das Stück auf zwei Stunden gekürzt. Das war überzeugend gelungen mit nahtloser Reihung der wichtigsten Nummern. Dass der lebendige Klang in einem Theater- oder Konzertsaal auch nicht durch die besten Streamingangebote zu ersetzen ist, wurde wieder einmal eindrucksvoll ohrenfällig. Als glückliche Wahl darf man den Einsatz des Pro­tagonisten-Paares, Faust und Margarete, bezeichnen. Mit dem schottischen Tenor Luke Sinclair kann sich das Landestheater zu einem fabelhaften neuen Ensemblemitglied gratulieren. Sinclair begeisterte als exzellenter Faust mit schönem Timbre, fokussierter Stimmführung, tenoralem Glanz mit strahlender Höhe sowie guter französischer Diktion. Sein Mienenspiel spiegelte die Emotionen und Ausdrucksnuancen mit großer Präsenz. Er lebte die Figur in jeder Nuance. Exzellent seine Arie »Salut! Demeure chaste et pure«.

Auch die Margarete von Anne-Fleur Werner reüssierte in Bestform und gestaltete intensiv in Miene und Körpersprache, ebenfalls in guter Diktion. Gesanglicher Höhepunkt war natürlich ihr Lied vom König von Thule und die anschließende sogenannte »Juwelenarie«. Die dramatische Steigerung zum Ende hin sang sie mit großem Applomb und berührend im Ausdruck.

Mephisto ist eine gesanglich ausladende Basspartie, ein vielschichtiger Charakter, der ebenso verführerische, elegante, skurrile wie undurchsichtige Facetten auszuspielen hat. Raimundas Juzuitis gab sich redliche Mühe, die gesanglichen Anforderungen zu meistern, was ihm auch kraftvoll gelang, aber als Figur blieb er leider zu blass, zeigte nahezu keinerlei Regung in Ausdruck oder stimmlicher Nuancierung, den Blick meist auf den Monitor des Dirigenten fixiert, und es schien zweifelhaft, ob er wusste, was er sang. George Humphreys gefiel als Valentin, auch wenn man etwas mehr lyrische Flexibilität erwartet hätte. Als gute, passende Besetzung zeigten sich Olivia Coscio als Siebel und Olga Levtcheva als Marthe. Präzise und wohlklingend der Chor.

Wunderbar fächerte der Dirigent Leslie Suganandarajah die Partitur auf mit dem Mozarteumorchester »at it's best«, das klang und funkelte nur so in dynamischer Differenziertheit, in Feinstruktur gegenüber großem Ausbruch, mit feinen Bläsersoli, emotional anrührend, aber nie sentimental. Gut ausgewogen! Ein bewegender musikalischer Abend! Elisabeth Aumiller

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