Funkelnde Klangjuwelen

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Die Bad Reichenhaller Philharmoniker präsentierten ihren Zuhörern unter der Leitung von Daniel Spaw in der Konzertrotunde klingende Juwelen. (Foto: Aumiller)

Ursprünglich war das Konzert mit den Bad Reichenhaller Philharmonikern für den »Musiksommer zwischen Inn und Salzach« in der Kirche von Fridolfing geplant. Aber umständehalber entschlossen sich die Künstlerischen Leiter für die Konzertrotunde in Bad Reichenhall, die sich in Akustik und Raumgefühl, auch mit nur selektiver Besucherzahl, durchaus als passendes Ambiente erwies. Der US-amerikanische Dirigent Daniel Spaw, seit Ende 2020 Generalmusikdirektor und Künstlerischer Leiter der Philharmoniker, präsentierte Johannes Brahms‘ Liebeslieder-Walzer, »Company« von Philip Glass und die Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36 von Ludwig van Beethoven.

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Spaw und seine Musiker ließen die drei Werke zu klingenden Juwelen werden. Der Dirigent setzte klare Impulse, anfeuernd oder beschwichtigend, vollen Einsatz und imponierende Steigerungen fordernd. Das differenzierte Spiel in Rhythmik und Dynamik brachte dem Zuhörer die unterschiedlichen kompositorischen Charakteristiken sowohl in transparentem Feinklang wie in entschlossener Ausdrucksintensität eindrucksvoll nahe.

Die Liebeslieder-Walzer hat Brahms 1868 ursprünglich als 18 Miniaturstücke im Walzertakt auf Texte von Georg Friedrich Daumer für vier Solostimmen vertont. Es sind heiter unbeschwerte Lieder im Kolorit russischer, polnischer und ungarischer Volksweisen, die damals auch als Hausmusik Beliebtheit erlangten. Später erstellte der Komponist eine Fassung für Klavier zu vier Händen, ebenso eine Orchesterfassung und auch in chorischer Form wurden sie aufgeführt. Bei der ersten öffentlichen Aufführung der Lieder 1870 saßen Clara Schumann und Brahms selbst am Klavier.

Die Orchesterbearbeitung von neun Liedern stand am Beginn des Philharmoniker-Konzerts. Von der ersten Note an sprang der Walzer-Rhythmus belebend auf die Zuhörer über. Tempo und Rhythmik sind knifflig bei diesen Stücken, von den Philharmonikern in sensiblem Pulsieren leichtgängig zum Klingen gebracht. Die Bläser brachten Klanglichter ein, aber auch sehnsüchtige Stimmung. Auf einen fröhlichen Volkstanz folgten eine anmutig schlichte Volkslied-Weise und ein zünftiger Bauerntanz. Die Solo-Oboe sang ein flehendes Liebesliedchen. Die tiefen Streicher, von der Flöte umworben, drückten eher melancholisch gefärbtes Bitten aus. Die Streicher allein waren für Zärtliches zuständig. Darauf folgten ein flotter Tanz und singende Melodik der Holzbläser. Hörner und Streicher übernahmen die Thematik und alles endete im fröhlich ausgelassenen Gruppentänzchen.

Ganz andere Farben brachte »Company« von Philip Glass, dem US-amerikanischen Komponisten, der als einer der bedeutendsten Vorreiter der Minimalmusik gilt, sich aber zur Tonalität bekannte. Der Name »Company« rührt von einem Roman von Samuel Beckett her, für den Glass sein zweites Streichquartett schrieb. In der Fassung für Streichorchester zeigten Spaw und die Musiker einmal mehr ihre Sensibilität. »Tiefgang durch Schlichtheit« zeichnet diese minimalistische Klangwelt aus, wie Spaw es auf den Punkt brachte.

Wie elegisch luftige Sphärenmusik sprachen die zart fließenden Klangvarianten den Zuhörer direkt an, setzten durch kaum merkliche Veränderungen immer neue Impulse. Feinsinnig variierte Formen, eingängige, gefühlig mahnende Sequenzen fanden dazwischen auch intensivierte Steigerungen. Insgesamt ein wie vom Wind bewegtes Klingen, in den Äther entsandt.

Romantische Lyrik im Verein mit markanter orchestraler Akkordik dann bei Beethovens 2. Sinfonie, die kompositorisch am Beginn der nachfolgenden berühmteren Sinfonien Beethovens steht, aber bereits Beethovens Tonsprache unverwechselbar verkörpert. Die Bläser waren wichtige Impulsgeber mit schöner Leuchtkraft. Heitere Stimmung, lyrische Passagen zwischen bestimmenden Akkorden, Kontraste und sich steigernde Klangintensität formten sich auch in der relativ kleinen Sinfonieorchesterbesetzung zu einem eindrucksvollen Ganzen.

Elisabeth Aumiller

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