Finsterlieder aus dem Unterholz

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Ein großartiges Konzerterlebnis entschädigte die Zuhörer auf Schloss Pertenstein für das nicht ganz trockene Wetter beim Gastspiel von »Dreiviertelblut«. (Foto: Heel)

Auf ein teilweise verregnetes, aber dennoch fabelhaftes Konzerterlebnis können die Besucher zurückblicken, die zum Auftritt der Band »Dreiviertelblut« beim Kultursommer auf Schloss Pertenstein gekommen waren.

Dominiert von Sebastian Horns tiefer, sonorer Stimme erklang dabei gut neunzig Minuten lang ein unwiderstehlicher Mix aus mal tiefgründigen, mal heiteren Songs, pendelnd zwischen Rock, Jazz und kitschfreier Volksmusik. Horn zur Seite standen dabei Gerd Baumann (Gesang/Gitarre), Dominik Glöbl (Trompete), Florian Riedl (Klarinette/Moog-Synthesizer), Benny Schäfer (Kontrabass), Luke Cyrus Goetze (Gitarre) und Flurin Mück (Schlagzeug), sechs Spitzenmusiker, die ihrem charismatischen Sänger den perfekten Klangteppich lieferten, den dieser für seine stimmlichen Höhenflüge brauchte.

Ein Erfolg, der vor über zehn Jahren seinen Lauf nahm, als Horn (Banana Fishbones) und der Filmkomponist Baumann (»Wer früher stirbt, ist länger tot«) sich zusammentaten, um Lieder zu der Filmmusik des Niederbayern-Krimis »Sau Nummer vier« zu schreiben. Die Resonanz ließ Baumann und Horn enger zusammenarbeiten und für einen weiteren Niederbayern-Krimi neue Lieder aufnehmen. Im Oktober 2013 veröffentlichten sie dann ihr Debütalbum »Lieder vom Unterholz«, gefolgt von den Alben »Finsterlieder« (2016) und »Diskothek Maria Elend« (2018).

Großartige, sehr persönlich gehaltene Lieder, meist von Horn getextet und häufig autobiografisch gefärbt wie im »Odlgruamschwimmer«, in dem sich Horn bei seiner – damals sechs Jahre alten – Lebensretterin bedankt, die ihn als dreijähriges Kind vor dem sicheren Tod in der Odelgrube bewahrt hat. Danach ging es »Rundummadum«, wobei die vielleicht nachhaltigste Wirkung an diesem Abend sein Lied »Wos übrig bleibt« hatte, ein so drastisches, wie poetisch dichtes Plädoyer für die Gleichheit aller Menschen, in dem es heißt: »Rot is des, wos übrig bleibt, wannst d'Haut obziagst von olle Leit.«

Zwischendurch gab es zur Auflockerung eine hübsch verschwurbelte Geschichte über einen Traum zu hören, in dem sich Horn und Baumann anno dazumal auf Schloss Pertenstein wiedergefunden hatten, und amüsant war auch, wie sich Baumann scherzhaft über Horns angeblich schleppende Arbeitsweise beschwerte. Wie dem auch sei, solange so tolle Lieder dabei herauskommen, können wir gerne ein wenig warten. Mit dem furiosen »Deifetanz« neigte sich das Konzert dann dem Ende zu, bevor nach einem Abstecher ins »Paradies« leider endgültig Schluss war. Und damit wieder einmal der Beweis erbracht war, dass »Dreiviertelblut« zum Besten gehört, was die bayerische Folkrock-Szene derzeit zu bieten hat.

Wolfgang Schweiger

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