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Über den gelungenen Abschluss des 19. »Chiemgauer Musikfrühlings« im Kloster Seeon freuten sich Justus Grimm (von links), Razvan Popovici, Mi-Sa Yang, Diana Ketler und Thorsten Jonanns. (Foto: Giesen)

Feinste kammermusikalische Ausprägungen

Mit einem fulminanten Abschlusskonzert endete der 19. »Chiemgauer Musikfrühling« im ausverkauften Festsaal von Kloster Seeon.

Sicherlich war das Publikum auch wegen des ansprechenden Programms so zahlreich zu der Matinee bei wunderbarem Frühlingswetter erschienen, passt doch Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791) wie kein anderer nach Kloster Seeon, wo der Komponist so viel Zeit verbracht und viele Stücke komponiert hatte. Razvan Popovici, der zusammen mit seiner Frau Diana Ketler seit fast zwei Jahrzehnten den Musikfrühling leitet, führte ins Programm unter dem Titel »Fantaisie et Raison« ein.

Es begann mit der traurig melancholischen Sonate für Violine und Klavier in der für Mozart eher unüblichen Tonart e-Moll, KV 304. Mozart hatte sie als letzte von insgesamt sechs Violinsonaten im Sommer 1778 in Paris geschrieben, als er dort vom Tod seiner geliebten Mutter erfuhr. Entsprechend innig einfühlend und Herz erwärmend spielten Diana Ketler am Klavier, Justus Grimm am Cello und die in Japan geborene mit koreanischen Wurzeln Mi-Sa Yang, die bereits auf eine steile internationale Karriere zurückschauen kann. Das Stück in zwei Sätzen geriet im 2. Satz »tempo die menuetto« trotz aller Melancholie mit frühromantischem Zauber im Finale zu einer Ode der Freude und Dankbarkeit fürs Leben.

Mit Gabriel Faureés (1845 bis 1924) folgendem Trio für Klarinette, Violoncello und Klavier in d-Moll, opus 120, erklang das letzte Stück des französischen, schon seit über zehn Jahren erblindeten Komponisten, das er ein Jahr vor seinem Tode mit 78 Jahren komponiert hatte. Die Themen werden in seinem Spätwerk nicht mehr durch Überleitungen miteinander verbunden, sondern fließen ineinander und ergänzen sich.

Im ersten Satz (Allegro ma non troppo) und dritten Satz (Allegro vivo) wird die Rondoform, im zweiten Satz (Andantino) die zweiteilige Liedform erkennbar. Diesmal bespielte Thorsten Johanns seine Klarinette virtuos, mit wunderschön zarten und weichen Klängen, die »wie zusammengewachsen« mit dem Klavierspiel von Diana Ketler und dem hingebungsvoll konzentrierten Spiel auf dem Violoncello von Justus Grimm harmonierten. Beseligt konnte das Publikum dann den schönen Frühlingsmorgen draußen oder (endlich wieder mit Getränken und Erfrischungen) in den weitläufigen, mit sehenswerten Gemälden geschmückten Fluren von Kloster Seeon genießen.

Nach der Pause folgte ein weiterer Höhepunkt: Das Streichtrio Es-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart, das er Ende September 1788 vollendet hatte, faszinierte die Zuhörer. Trotz des Titels »Divertimento« ist es ein einzigartiges Meisterwerk feinster kammermusikalischer Ausprägung in sechs Sätzen. Meisterhaft gelang Mozart der ständige Ausgleich zwischen einem »unterhaltsamen« Divertimento und den Ansprüchen an »ernsthafte« Kammermusik. Wie Razvan Popovici erklärte, diente es vielen nachfolgenden Komponisten als Anregung für ihre Kompositionen. Natürlich wollte sich das Publikum mit Applaus, Bravorufen am Ende kaum beruhigen, aber mit dem Hinweis und der Hoffnung auf das Jubiläum des 20. Musikfrühlings in 2023.

Wieder hatte sich gezeigt, wie bei diesem Musikfrühling mit Musikern aus den unterschiedlichsten Nationen, wie gut ein Zusammenspiel klappen kann, wenn es um die gemeinsame Sache geht.

Christiane Giesen

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