Fein gesponnene Barockklänge von der Insel

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Vor dem beleuchteten Hochaltar zelebrierten Patrick Pföß und Ulf Dressler festliche barocke Musik und tänzerischen Folk von der britischen Insel. (Foto: Mergenthal)

Auf eine Reise durch barocke, italienisch inspirierte Klangwelten von der britischen Insel haben Traversflötist Patrick Pföß aus Wonneberg und Lautenist Ulf Dressler aus Lübeck ihre Zuhörer entführt. Ihre Konzertreise durch einige Kirchen Südostoberbayerns, unter anderem in Tittmoning, Traunstein und Bad Aibling, haben sie in St. Oswald in Leobendorf begonnen.


Der von Spät- und Neugotik geprägte Kirchenraum mit dem Kirchenpatron und den heiligen Nothelferinnen Barbara und Margarete im angeleuchteten Hochaltar bildete eine hervorragende akustische und optische Kulisse für das Konzert. Mit der festlichen Sonate V in C-Dur von Francesco Geminiani (1687 bis 1762) begann der eindrucksvolle Abend. Dem Adagio folgte ein höchst virtuoser Allegro-Satz. Viel Ausdruck legte das Duo ins Largo und spielerisch entfaltete sich das Rondeau.

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In seiner dezenten Moderation zeigte Pföß die Verbindungen zwischen den Komponisten des Abends auf. So kamen die Italiener Geminiani und Francesco Barsanti (1690 bis 1772) gemeinsam nach London und versuchten dort ihr Glück. Dem einen war beim Earl of Essex großer Erfolg beschieden, der andere, Barsanti, fand nach dem Tod seiner Brotherrin, einer schottischen Lady, keinen weiteren Gönner und starb völlig verarmt.

In Dublin lernte Geminiani den irischen Nationalkomponisten des Barock, Turlough O'Carolan (1670 bis 1738) kennen, der fasziniert war von der italienischen Musik. Von O'Carolan präsentierte das Duo drei Stücke aus dem von Pföß in der Corona-Zeit herausgegebenen Notenheft für gemischtes Ensemble, »Paddy's Playbook«.

Der Flötist und der Lautenspieler gaben sich mit großer Spielfreude dem feinen Schwingen der typisch irischen Melodik, der vom italienischen Stil inspirierten, barocken Sinnenfreude und dem tänzerischen Charakter der Stücke »Captain O'Kane«, »All alive« und »Carolan's Cup« hin.

Während Dressler bei O'Carolan, bei drei schottischen Traditionals aus einer Sammlung von Barsanti und bei zwei Gaelic Folk Songs aus Wales (der Zugabe) eine Barockgitarre zupfte oder schlug, wechselte er für alle anderen Stücke zur Erzlaute. Diese stellte er gerne genauer vor. Die Zuhörer erfuhren auch, warum der Hals so lang ist: Damals gab es nur Darmsaiten, die bei einer gewissen Dicke nicht mehr so gut klangen. Dies glich man durch die Länge der Saiten aus.

Solistisch in Szene trat Dressler mit »A Prelude« und »Allmayne« des kaum bekannten Lautenspielers John Sturt (1610 bis 1640), von dem nur wenige Werke überliefert sind. Die Eleganz und Schlichtheit dieser Musik, der distinguierte Anschlag Dresslers, seine fein perlenden Töne und die Geschmeidigkeit seiner Greifhand waren ein Erlebnis.

Anlässlich seines kleinen Jubiläums spielte das Duo, das sich musikalisch nach so langer Zeit blind versteht, wie auf der ersten Konzertreise Händel. Diesmal die Sonate e-Moll, die noch in seiner Geburtsstadt Halle entstanden ist. Auch in Händel verbinden sich Italien und England: Der Erfolg seiner Oper »Agrippina« in Venedig führte zu Einladungen an den Hof von Kurfürst Georg von Hannover, wo er Kapellmeister wurde, und nach England, wo er dank der Großzügigkeit seines Fürsten bis zum Tod lebte.

Die vor Temperament sprühende Fuge im Allegro und das an Verzierungen reiche Grave zogen besonders in ihren Bann. Ein Höhepunkt des Abends war eine Uraufführung der erst am Vortag vollendeten Komposition »des nachts« von Patrick Pföß für Traversflöte solo. Ausgehend von Zentraltönen, entwickelten sich Figuren, die mit speziellen Spieltechniken auf dieser Flöte, zum Beispiel durch leichte Variationen der Griffe entstehende »Fluktuationstöne«, und den Farbwerten spielten. Mangels Klappen wie bei der Böhmflöte muss bei dieser verkehrt konisch gebauten Holzflöte jeder Ton in der Intonation ausgeglichen werden. Jede Tonart hat ihre Färbung. Eindrucksvoll zelebrierte Pföß diese filigrane Musik, gerne hätte das Publikum das kurze Stück ein zweites Mal gehört.

Ein großartiger Schlussakzent war die Sonate VI in a-Moll von Barsanti. Immer neue Melodie-Girlanden wurden im Schlusssatz gesponnen und ließen ein pulsierendes, barockes Gewebe entstehen. Schade, dass das Konzert gemäß der Vorschriften nur 60 Minuten dauern durfte, das Publikum hätte sicher noch viel länger zuhören können. Veronika Mergenthal

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