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Das jüngste der Bilder von Maria Müller »Das letzte Hemd« entstand im Sommer dieses Jahres und spielt auf eine Demonstration vor dem Reichstag in Berlin an. (Foto: Giesen)

»Fake?« - Was ist echt? Wem kann man trauen?

Überwachungskameras, Monitore, QR-Codes, Hunderte von Fotos, Bildern, Videos allüberall - in Maria Müllers neuer Ausstellung »Fake« in der Alten Wache im Rathaus in Traunstein, die noch bis einschließlich kommenden Sonntag zu sehen ist, befasst sich die Künstlerin mit der Bilderflut, die besonders durch die moderne Technik die Menschen überflutet.

In ihrer Malerei – meist großformatige Acrylbilder auf Leinwand in eher gedeckten Farben – entwickeln sich oft absurde Episoden mit unerwarteten Wendungen, die Erlebnisse des Alltags oder gesellschaftspolitische Verhältnisse aufgreifen. Offensichtlich gefangen in einem Keller stehen Kinder am Fuße einer Treppe, die jedoch nirgendwo mehr hinführt, nach ein paar Stufen zugemauert ist. Oder auf hellgrauem Hintergrund sind nur dunkle Überwachungskameras in alle Richtungen zu sehen, die sich teils in Munition zu verwandeln scheinen. Maria Müllers Bilder sind nicht schön, auch nicht hässlich – sie verbreiten vielmehr eine beklemmende Atmosphäre, als schwebe überall eine diffuse Bedrohung in der Luft.

Das Bild »Das letzte Hemd« bezieht sich auf eine Demonstration von Künstlern in diesem Sommer auf dem Reichstag in Berlin: viele zogen ihre Hemden aus und legten sie vor dem Gebäude hin, um auf die verzweifelte Situation von Kunst und Künstlern hinzuweisen. Auch hier ein Fenster, überwacht von Kameras, überzogen von QR-Codes.

Maria Müller wurde 1966 in Temeschburg, Rumänien geboren, wohin ihre Familie von Siebenbürgen gezogen war. Nach dem Studium der Betriebswirtschaft in Temeschburg kam sie 1992 nach Deutschland, wo sie ihren Mann kennen lernte. Müllers künstlerische Fortbildung begann 2008 mit Workshops bei Sylvia Roubaud in München, ab 2013 mit Malerei und einem modularen Studienprogramm bei Ingrid Jureit an der Kunstakademie in Bad Reichenhall und später bei Professor Heribert Ottersbach. Sie lebt und arbeitet in Kirchheim bei München. Maria Müller beteiligte sich bei Gruppenausstellungen in Ottobrunn und der Städtischen Galerie Bad Reichenhall. Erstmals stellt sie jetzt in Traunstein aus.

»Ich verfolge seit vielen Jahren das »Menschsein« in verschiedenen Situationen und nehme wahr, was um uns herum passiert – es ist erschreckend«. Was macht die ständig fortschreitende Technologie mit uns? Millionen von Bildern entstehen in jedem Augenblick, die kaum einer eine Sekunde lang anschaut.

Besonders beeindruckt hat die Künstlerin der Film »The Cleaners« von Hans Block und Moritz Riesewiek. Sie zeigen die Arbeitsbedingungen von Content – Moderatoren, wo zehntausende Menschen in Zehn-Stunden Schichten – im Auftrag der Silicon Valley Konzerne Fotos und Videos aus dem Internet löschen. Es sind Bilder von grauenhaften Unfällen, perversen Misshandlungen, Vergewaltigungen, Lynchjustiz… . Kaum ein Mitarbeiter kann das weder gesundheitlich noch psychisch lange durchhalten.

Mit ihren Bildern will Müller zeigen, dass das Bild, das den Menschen durch die Sinne vermittelt wird, kein getreues Abbild der Wirklichkeit ist, sondern ein kontinuierlicher kreativer Prozess. Denn die Wahrnehmung ist auf Fühlen und Denken ausgerichtet.

Noch bis Sonntag ist die Ausstellung in der Alten Wache Donnerstag und Freitag von 15 bis 19 Uhr zu sehen sowie samstags und sonntags von 11 bis 16 Uhr.

Christiane Giesen

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