Eine Vielfalt reizvoller Klangvarianten

Bildtext einblenden
Die junge Violinvirtuosin Charlotte Thiele brillierte mit instrumentalem Glanz. (Foto: Aumiller)

Sozusagen zu einer Premiere wurde das vierte Philharmonische Konzert dieser Saison in Bad Reichenhall, konnte es doch erstmals unter der Leitung von Daniel Spaw wieder im Theater im Kurgastzentrum live vor Publikum stattfinden.

Anzeige

Das war ein gutes Gefühl, auch wenn der Saal nur schütter besetzt erschien, bedingt durch die großen Abstände. Folglich musste das Programm insgesamt an vier Terminen gespielt werden, um allen Abonnenten und Interessierten gerecht zu werden. »Neo Klassik-Neo Romantik« war die Thematik, für die Felix Mendelssohn-Bartholdy, Samuel Barber und Francis Poulenc die beispielgebende Wahl waren. Mendelssohn als romantischer Komponist mit großer Affinität zur Klassik sowie Barber und Poulenc als Musiker des 20. Jahrhunderts mit starkem Bezug zur Musik des 19. Jahrhunderts, wie Daniel Spaw diese Ambivalenz beider Welten erklärte.

Die programmatische Konzertouvertüre »Die Hebriden« trug zunächst den Titel »Die Fingals-Höhle«. Felix Mendelssohn Bartholdy schuf das unabhängige Konzertstück aus einem plötzlichem Empfinden heraus nach den Eindrücken seiner Reise im August 1829 zu der nordwestlich von Schottland liegenden Inselgruppe Hebriden mit ihrer berühmten Fingalshöhle. Die Musik schildert tonmalerische Landschafts- und Stimmungsbilder von reizvollem Zauber. Das fantasievolle Anfangsthema mit feinem Flirren der Streicher durchzog in vielfachen Varianten den ganzen musikalischen Fluss. Gefühliges Staunen und Scherzen war zu hören, das sich bisweilen zur volltönig tanzenden Wellenbewegung aufschwang. Die Klarinette rief helle Tonlichter herbei, klagendes Lied die Oboe. Die Stimmung von Wind, Meer und Naturgewalt war Ausgangspunkt für die Komposition, aber die Musik verfehlt ihre Wirkung auch ohne diese Hintergründe nicht. In der Wiedergabe der Philharmoniker unter Spaw erzeugte sie eine klangschöne, lebensvolle Hörfreude.

Zentrales Werk des Abends war das 1941 uraufgeführte Violinkonzert des als konservativ geltenden, amerikanischen Komponisten Samuel Barber. Das Auftragswerk stellte ursprünglich den dafür angedachten Geiger nicht zufrieden, aber Barber ließ sich nicht beirren, blieb sich selbst in seiner Tonsprache treu. »Ich schreibe, was ich fühle« war sein Credo. Inzwischen wurde es zu einem der beliebtesten Violinkonzerte, vor allem in den USA.

Als Solistin brillierte die junge Geigerin Charlotte Thiele. Die 21-Jährige stammt aus einer Dresdner Musikerfamilie, ist Preisträgerin mehrerer Wettbewerbe und erhielt diverse Auszeichnungen. Sie begeisterte mit der exzellenten Beherrschung ihres Instruments ebenso wie mit ihrer großen Musikalität in Phrasierung und Ausdruck. Mit Eleganz und Gefühl holte sie den innewohnenden melodischen Glanz an die Oberfläche. Ihr sonorer runder Ton bestach mit singender Qualität vom filigranen Feinschliff bis zum kraftvoll substanzreichen Bogenstrich. Die Besonderheiten des Soloparts brachte sie mit exquisitem Gespür zur Geltung.

Daniel Spaw und das Orchester waren mit Akribie und Intensität bei der Sache und gaben der Solistin profundes Geleit. Herausragend sang die Oboe ihr beruhigendes Lied und auch das Horn mischte wohltuend mit. Mit ihrer Solo-Zugabe »Recitativo und Scherzo-Caprice« von Fritz Kreisler zeigte die Violinvirtuosin die ganze Palette ihrer geigerischen Bravour. Mit Freude und scheinbar mühelos meisterte sie das mit technischen Schwierigkeiten und raffinierten Doppelgriffen nur so gespickte Stück.

Als drittes Werk des Abends hatten sich die Musiker auf die »Sinfonietta« des 1899 in Paris geborenen Komponisten Francis Poulenc eingeschworen. Die 1947 als Auftragswerk entstandene »Sinfonietta« entspricht viersätziger Norm, favorisiert aber eine kleinere Orchesterbesetzung mit nur zwei Holz- und vier Blechbläsern ohne Posaunen. Daniel Spaw beschrieb die Musik als sinnlich, gleichzeitig luxuriös und schlicht, als sehr eigenständig und mit jazzigen Harmonien untermischt. Die Bläser brachten die Farben über dem satten und dennoch transparent schimmernden Teppich der Streicher. Zwischendurch meinte man übermütig hüpfende Kobolde wahrzunehmen. Tänzerische Passagen klangen ebenso an wie melodische Bögen, etwa in der wunderbaren Kantilene der Klarinette. Besinnliches und Aufmüpfiges reihte sich im klangreichen Ausdruckwillen.

Tags darauf waren die Philharmoniker mit Daniel Spaw und der Violinvirtuosin Charlotte Thiele mit ihrem Programm zu Gast im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth.

Elisabeth Aumiller

Mehr aus Kultur aus der Region