»Eine Fülle von Wohllaut« in der Turnhalle

Bildtext einblenden
Die Tittmoninger Turnhalle ist zwar vom Ambiente her nicht vergleichbar mit dem Burghof, doch die Akustik beim Musiksommer-Konzert mit den »Salzburger Bläsersolisten« war sehr gut. (Foto: Huber)

Zwar mussten die Zuhörer auf den »Dreiklang von Natur, Architektur und Musik«, wie es ein ehemaliger Bürgermeister immer formuliert hatte, verzichten, doch die traditionelle Tittmoninger Burghofserenade im Rahmen des »Musiksommers zwischen Inn und Salzach« bot auch als »Turnhallenserenade« Musikvergnügen erster Klasse.

Zu Gast waren die »Salzburger Bläsersolisten«, ein Ensemble von Musikern diesseits und jenseits der Salzach. Sie musizieren als sogenannte »Harmoniemusik«, wie sie im 18. Jahrhundert vorwiegend bei Hofe erklang. Wolfgang Amadeus Mozart und seine Komponistenkollegen Michael Haydn und Ludwig van Beethoven haben einen bedeutsamen Teil ihrer Werke dieser Besetzung mit zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotten und zwei Hörnern gewidmet. Selbst große Werke wie Opern und Sinfonien wurden von ihnen für bestimmte Anlässe (Serenaden, Tafelmusik) für Harmoniemusik bearbeitet.

Die Salzburger Bläsersolisten spielen in einer erweiterten Harmoniebesetzung, bei der der Kontrabass dem Ensembleklang Tiefe und Fülle gibt. Das war in der Turnhalle, die ihre Eignung als Ausweichkonzertsaal schon mehrmals unter Beweis gestellt hat, auch deutlich zu vernehmen. Tatjana Erler, die Solo-Kontrabassistin der Münchner Philharmoniker, eine gebürtige Chiemgauerin, war kurzfristig für den erkrankten Tibor Janoska (Solo-Kontrabassist der Bad Reichenhaller Philharmoniker) eingesprungen und fügte sich nahtlos in das Ensemble ein.

Hummel ein Gutverdiener seiner Zeit

Zum Auftakt hörten die Besucher – einige Plätze des ausverkauften Konzerts waren wohl wegen des heftigen Gewitters, das kurz zuvor über das Salzachtal gefegt war, leer geblieben – das Oktett Partita in Es-Dur von Johann Nepomuk Hummel (1778 bis 1837). Der zu seiner Zeit sehr bekannte und beliebte Klavierlehrer und Komponist in Weimar war einer der ersten Musiker, der mit Musik auch reich wurde und bedürftige Kollegen unterstützte, unter anderem auch den an seinem Lebensende verarmten Beethoven. Das erfuhren die Zuhörer von Albert Osterhammer aus Prien (Klarinette), der das Konzert moderierte und Informationen zu den Musikstücken gab. Ein Kritiker hat das Stück von Hummel einmal als »leichtfüßigen Kehraus« beschrieben, von den Bläsern in Tittmoning aber in höchster technischer Präzision und mit Leidenschaft vorgetragen.

Die Rolle des nicht vorhandenen Dirigenten nahm der hochdekorierte Professor für Oboe und Kammermusik Peter Tavernaro ein, der in vielen bedeutenden Kammerorchestern und Ensembles spielte und spielt. Zusammen mit Sunghyun Cho (Oboe), Stephan Hüfner (Solo-Fagottist der Bad Reichenhaller Philharmoniker und einer der künstlerischen Leiter des Musiksommers), Andreas Stocker (Fagott), Stefan Kresin (Solo-Hornist der Bad Reichenhaller Philharmoniker), Alexander Holzmann (Horn) und Michael Müller (Solo-Klarinettist der Bad Reichenhaller Philharmoniker) erzeugten sie »eine Fülle von Wohllaut«, die deutlich über das Niveau der Unterhaltungsmusik ging, als die sie vor gut 200 Jahren komponiert worden war.

Unterhaltungsmusik deshalb, weil die Bläserensembles praktischerweise oft bei Freiluftveranstaltungen und in einer solchen Lautstärke zu hören waren, dass sich das vornehme Publikum auch unterhalten konnte. Dass es damals auch oft Zufall war, wenn »schön« gespielt wurde, erläuterte Albert Osterhammer anhand der technischen Weiterentwicklungen der einzelnen Blasinstrumente im Laufe der Jahrhunderte.

Nach den drei Sätzen von Hummel stand die »Partita in F-Dur« von Franz Vinzenz Krommer (1759 bis 1831) auf dem Programm. Der aus Mähren stammende Geiger und Komponist war Hofkomponist und Kapellmeister am Kaiserhof in Wien und hat ebenfalls die musikalischen Vorlieben jener Zeit bedient. In dem viersätzigen Werk wechseln schnelle, teilweise stakkatomäßig vorgetragen, und langsamere Passagen ab, die den Musikern Höchstleistungen abverlangten – und auch den Instrumenten, die immer wieder getrocknet werden mussten.

Letztes Werk des Abends war die Serenade Nr.12 in c-Moll KV 388 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791), die dieser als Auftragswerk für den Kaiser in Wien geschrieben hat. Nach seinem »Rausschmiss« in Salzburg arbeitete Mozart als »Freelancer« in der Hauptstadt und gab sich folglich besondere Mühe. Er baute die Vorlieben des Kaisers, Fugen und Kanons, geschickt in das Stück ein, erneut schwungvoll von den Bläsersolisten dargeboten. Nach großem Applaus bedankten sich die Musiker mit dem letzten Satz des Hummel-Oktetts als Zugabe.

Bürgermeister Andreas Bratzdrum wies in seinen einleitenden Worten auf die jahrhundertealte Verbindung des Rupertiwinkels mit Salzburg hin, die nach wie vor in vielen Bereichen gepflegt werde. Altlandrat Hermann Steinmaßl, der Vorsitzende des »Musiksommers«, freute sich, dass im zweiten Corona-Jahr zumindest wieder ein reduziertes Programm stattfinden kann. Er lobte die künstlerischen Leiter, die Mitarbeiter in der Geschäftsstelle und die vielen Ehrenamtlichen, die zum Gelingen der Konzertreihe beitragen. Weil nach wie vor die meisten Konzerte nur mit reduzierter Besucherzahl abgehalten werden können, sei auch die Unterstützung der Sponsoren für die hohe Qualität der Konzerte ein entscheidender Beitrag.

Agnes Huber

Mehr aus Kultur aus der Region