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Gute Laune mit »vergnüglicher« Klassik: Alexander Krins, Anna-Lena Mayer (Violinen), Susanna Boyadjian (Viola) und Maximilian Spann (Kontrabass) beim Konzert im Traunreuter k1-Studio. (Foto: Benekam)

Ein Schuss Divertimento für den Alltag

»ensemble Amphion« konzertiert unter dem Titel »Divertimento classico« im Traunreuter k1-Studio


Einen nachgereichten klassischen Neujahrsgruß aus einem bunten Strauß leichtfüßiger Divertimenti hielt das »ensemble Am-phion« für sein Publikum im Traunreuter k1-Studio bereit.

Die zahlreichen Liebhaber Klassischer Musik, die im gedimmten Saallicht die Reihen füllten, gaben sich gerne der Leichtigkeit dieser Gattung hin, die im 18. Jahrhundert ihren Höhepunkt feierte. Alexander Krins, Leiter des Klassikensembles, das in wechselnder Besetzung von Musikern seinen Aufführungsmittelpunkt im k1 hat, schickte dem Hörgenuss Informatives zu den Werken voraus.

Das Wort Divertimento, so Krins, leitet sich aus dem Italienischen ab: »divertirsi« heißt »sich vergnügen« und zwar im Sinne von gehobener musikalischer Unterhaltung. Mit ihrer feinen Lieblichkeit und Melodiösität eignen sich diese Werke hervorragend als Tanzmusik. Wie in der verwandten Serenade oder Kassation ist die Besetzung übersichtlich und die Form variabel. Meist folgen mehrere kurze Sätze aufeinander, wobei die Instrumente solistisch besetzt sind. Divertimenti finden sich vor allem in der Wiener Klassik (vor allem Haydn, Mozart), später vereinzelt auch im 20. Jahrhundert (Bartók, Strawinsky).

Im Traunreuter k1 kamen Werke fünf unterschiedlicher Komponisten zu Gehör – aus denen fünf voneinander abweichende Stile he-raushörbar waren – alle von der selben Leichtigkeit geprägt und doch, entsprechend den Charakteren ihrer Tonschöpfer, ein jedes in anderer »Handschrift« genial. Mit Mozarts dreisätzigem Divertimento F Dur KV 138 (Salzburg 1772) war der Anfang gemacht und zugleich der Geist von »Bella Italia« heraufbeschworen: Musik gemachte »Reisemitbringsel«, die in lautmalerischer Pracht die Italienreise des 15-Jährigen Wolferl nacherzählen – eine an Oper erinnernde Gesanglichkeit, dazu gutes Essen und Wein im mediterranen Sonnenschein.

Traumschön riefen im Anschluss Mozarts 6 Ländlerische Tänze KV 606 (Wien 1791), in der Besetzung mit zwei Violinen und Kontrabass höfische Tanzszenen vors innere Auge – ein zeitloses Hörvergnügen, in naher Anlehnung an das Volksmusikalische, was in dem ein oder anderen Zuhörer die Tanzlust geweckt haben dürfte und mit Ludwig van Beethovens Tänzen Wo O15 (Wien 1802) sowie Franz Schuberts 5 Tänzen mit Coda aus Menuette und Deutsche Tänze für Streichquartett D. 89 (Wien 1813) in die Verlängerung ging. Sensibel interpretierte Susanna Boyadjian an der Viola ein Solo, welches sich, wie man erfuhr, damals Schubert für sich selbst hineinkomponiert hatte.

Nach der Pause spielte das Quartett, ganz im Sinne der angekündigten »Vergnüglichkeit«, Michael Haydns Divertimento D-Dur, welches 1782 in Salzburg entstanden ist und mit seinen fünf Sätzen alle Register innerer Bewegtheitszustände in freudvolle Tanzmelodien packt. In diesen Hörmomenten, so mag es dem »erleichterten« Konzertpublikum durch den Kopf gegangen sein, reifte der Wunsch, diese tänzerische Leichtfüßigkeit von damals, im dissonanten Heute zu verankern – ein wohltuender Glücks- und Gute-Laune-Vorschuss bitteschön, ein Schuss Divertimento für den Alltag also.

Den verteilten die Musiker Alexander Krins, Anna-Lena Mayer (Violinen), Susanna Boyadjian (Viola) und Maximilian Spann (Kontrabass) auch bei Joseph Lanners Konzertwalzer »Die Romantiker« op. 167 (Wien 1841). Und weil’s so schön war und das Publikum des Klatschens nicht müde wurde, gab es noch den Regatta Galopp Op. 134 von Joseph Lanner zur Dreingabe.

Kirsten Benekam

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