Ein Leben im Rausch der Begierde

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David Tobias Schneider wirbelte als »Don Juan« über die Bühne im k1. (Foto: Heel)

Eine Inszenierung von »Don Juan« in Zeiten von »MeToo« – das weckt natürlich ganz besondere Erwartungen. Läuft der ehrlose Meister der Verführung nun ins Leere, zeigen ihm die Frauen, wo der Hammer hängt? Wird er der Lächerlichkeit preisgegeben, zur anachronistischen Figur degradiert? Oder treibt er wie gehabt sein Unwesen, bis ihn die göttliche Strafe ereilt?

Nun, bestraft wurde er auch an diesem Abend im Traunreuter k1, sogar auf recht originelle Weise. Und auch die Idee, ihn als Tangotänzer antreten zu lassen, verlieh dem Stück eine weitere, eigene Note. Was sicher auch daran lag, dass »Don-Juan«-Darsteller David Tobias Schneider seit über 20 Jahren Tango Argentino tanzt und unterrichtet. Ansonsten hielt sich Regisseur Tobias Maehler vom Münchner Ensemble Persona weitgehend an die Mitte des 17. Jahrhunderts entstandene Vorlage von Molière und präsentierte mit seiner achtköpfigen Darstellertruppe ein saalumgreifendes Spektakel aus heißblütiger Verführung, beschwingtem Abenteuer und moralischem Diskurs, das zwar mit einigen Längen zu kämpfen hatte, dank seines ungemein wendigen Hauptdarstellers aber keine Langeweile aufkommen ließ.

Immer in Bewegung und immer einen passenden Spruch parat, wirbelte David Tobias Schneider draufgängerisch über die Bühne, tänzelte zwischen den Dorfmädchen hin und her und raspelte Süßholz, oder ließ im Duell mit den Brüdern der von ihm betrogenen Donna Elvira so lässig wie einst Errol Flynn seinen Degen blitzen.

Ganz klar, dass er bei so viel Vergnügen nicht auf andere hören will, weder auf seinen Vater Don Luis (Tobias Maehler), der ihn wiederholt ermahnt, auf den Pfad der Tugend zurückzukehren, und schon gar nicht auf seinen so umtriebigen wie sprachgewaltigen Diener Sganarelle (Yannick Zürcher), der ihn immer wieder in hitzige Wortgefechte verwickelt, abgestoßen vom wüsten Treiben seines Herrn und Meisters.

Von Margit Sonnauer am Bühnenrand mit treibenden Akkordeoneinsätzen untermalt, nahm das Stück im zweiten Teil dann Kurs auf ein Finale, bei dem der Frauenheld, ausgelaugt vom Spiel ohne echte Bindungen, sich in einer Art von »Hölle« wiederfindet, heimgesucht von all den betrogenen Frauen.

Ein schöner, zeitgemäßer Abgang, der vom überwiegend weiblichen Publikum auch mit stürmischem Applaus bedacht wurde. Einem Applaus, der natürlich auch dem gesamten Ensemble galt, dem noch Stefanie Dischinger, Anja Neukamm, Chiara Penzel und Korbinian Josef Müller angehörten.

Wolfgang Schweiger

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