Ein klanglicher Sternenhimmel

Bildtext einblenden
Superlatives Konzerterlebnis: Jazz-Sängerin Norisha Campbell und Harald Scharf (Kontrabass). (Foto: Benekam)

Eine lauer Sommerabend im Franz-Haberlander-Freibad, zirpende Grillen, Sternenhimmel und dazu gefühlvoller Soul, Modern Gospel und mitreißende Jazzballaden – so hätte es sein sollen. Mit ihrem aktuellen Programm »Gotta be happy« wollten die US-Amerikanische Sängerin Norisha und ihre Band ihre Fans im Traunreuter Freibad beglücken. Die Schlechtwetterprognose ließ den Veranstalter, das Kultur- und Veranstaltungszentrum k1, auf Plan B ausweichen: Aus dem geplanten Open-Air-Idyll wurde ein stimmungsvolles Konzerterlebnis im großen, und vor allem trockenen k1-Saal.

Anzeige

Nach der ersten Nummer der 1,90 Meter großen Ex-Profi-Volleyballerin war der musikalische Rahmen gesteckt und alle Maskierten im Saal lächelten – selbst die FFP2-Maske vergaß das Publikum schnell, schließlich bleiben ja doch Ohren und Augen frei. Auf der Bühne schufen vier Virtuosen ihren eigenen (klanglichen) Sternenhimmel, in dem Norishas Stimme aufging wie die Morgensonne: »Gotta be happy?«. Wer da nicht glücklich wird, oder zumindest entschädigt ist, dem ist nicht zu helfen.

Das genaue Hinhören lohnt sich: Norishas Texte sind ebenso hörenswert wie Bandleader Harald Scharfs Kompositionen. Was zuerst da war, erfuhr das Publikum nicht. Ist ebenso müßig wie die Henne-oder-Ei-Frage: Das eine geht ohne das andere nicht und das eigenkompositorische Ergebnis ist eine geschmackvolle Sache. Groovig, prickelnd, spannend und in allen Klang- und Stimmfarben funkelnd.

Diese Band – Norisha Campbell (Gesang), Harald Scharf (Kontrabass), Stephan Weiser (Piano, Keyboards), Michael Vochezer (Gitarren) und Stephan Staudt (Schlagzeug) – würde jeden dunklen Hinterhof erstrahlen lassen. Das Zauberwort Emotion lässt akzentuierte Töne und wundervolle Klangbilder entstehen: Im gemeinsamen Musizieren ist jeder Musiker so ganz bei sich und seinem Instrument, gleichzeitig sind die fünf als Band so ganz beieinander und miteinander im gemeinsamen Flow.

Norishas Prägung wurzelt in den kraftvollen Gesangserlebnissen ihrer Kindheit, in den African-American Churches. Ihre Songs sind inspiriert von ihrem Leben und Lieben, von eindrucksvollen Begegnungen und der breiten Gefühlspalette zwischenmenschlicher Beziehungen – eben dem bunten Gefühlsstoff, der das Leben spannend macht – im Positiven wie im Negativen: »Your eyes« ist die gesungene Verarbeitung einer gescheiterten Liebe, »Momma told me« ist inspiriert von ihrer nicht immer ganz harmonischen Mutter-Tochter-Beziehung, »You're my friend« eine Ode an die Freundschaft und »Ain't gonna take my joy« gilt als Appell, sich nicht von Negativ-Erlebnissen beeindrucken zu lassen.

Exquisiter Konzert-Höhepunkt aber war die Nummer »One of those days«, in der Norisha einen dieser Tage besingt, wie sie wohl jeder kennt – Tage, an denen alles schief geht: Norishas warm-souliges Stimmgold in grandios gezupfter Kontrabassbegleitung, ein Hochgenuss. Dass sie trotz allem auch für diese Tage dankbar ist, unterstreicht sie mit dem Gospel »Thank you Lord«. So hätte das Konzert noch Stunden dahinfließen können. Gute Musik, ambitionierte Künstler und im großen k1-Saal war alles in trockenen Tüchern. Als Zugabe gab’s mit »Stand for love« eine letzte intensive und energiereiche Schmachtnummer für den Heimweg. Kirsten Benekam

Mehr aus Kultur aus der Region