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Ein einziges Bühnenbild aus vier verschiebbaren Schautafeln, die mit Palmen, Strand und blauem Himmel ein Idyll simulierten, reichte aus, um den Schauplatz des dramatischenGeschehens auf der Insel zu definieren. (Foto: Heel)

Ein Inselabenteuer mit Happy End

»Wenn sie erst meine Operette L‘isola disabitata … hören würden, dann ich versichere, daß dergleichen Arbeith in Paris noch nicht ist gehört worden und vielleicht ebensowenig in Wien, mein Unglück ist nur der Aufenthalt auf dem Lande«, schrieb Joseph Haydn im Mai 1781 an den Musikverlag Artaria und deutete damit die Einzigartigkeit dieser seiner Oper an, in der die Rezitative und Arien ineinander übergehen und durchwegs vom Orchester untermalt und kommentiert werden.

Das Libretto des italienischen Dichters Pietro Metastasio begnügte sich dabei mit einem einzigen Schauplatz – einer einsamen Insel – wodurch sich ein intimes Kammerspiel ergab, in dessen Verlauf Haydn alle menschlichen Gefühle von tiefer Verzweiflung bis zu höchster Glückseligkeit auf fulminante Weise musikalisch darbietet.

Eine Oper also, die ihrer Zeit weit voraus war und jetzt im Rahmen des »Musiksommers zwischen Inn und Salzach« im Saal des Traunreuter k1 aufgeführt wurde, ideenreich inszeniert von Andreas Schwankl und hinreißend gespielt vom Jugendstreichorchester Capella cantabile unter der Leitung von Alexander Krins.

Aufgeteilt in zwei Akte, dreht sich die spannende Handlung zunächst um die Schwestern Constanze und Silvia, die nach einem Schiffbruch seit 13 Jahren auf einer menschenleeren Südseeinsel ausharren. Während die jüngere Silvia das unbeschwerte Inselleben genießt (sie kennt nichts anderes), ist Constanze tief unglücklich, glaubt sie doch, dass ihr Ehemann Fernando sie treulos zurückgelassen hat. Doch Fernando fiel nach dem Schiffbruch Piraten in die Hände und wurde als Sklave verkauft. Nun konnte er sich aus der Sklaverei befreien und kehrt mit seinem Freund Heinrich auf die Insel zurück, um die beiden Schwestern zu suchen. Dabei findet er an einem Felsen eine Inschrift Constanzes vor, die ihn glauben lässt, seine Frau sei tot.

Verzweifelt über ihr trauriges Schicksal beschließt Fernando, sein restliches Leben auf der Insel zu fristen. Doch Heinrich will seinen Freund davon abhalten und holt seine Schiffsleute zu Hilfe. Dabei begegnet er Silvia, die ihm erzählt, dass Constanze noch lebt. Währenddessen treffen sich Fernando und Constanze bei der Felsinschrift, wobei Constanze vor Überraschung ohnmächtig wird. Als Fernando etwas Quellwasser für sie holen will, wird er von den Schiffsleuten gefangen genommen. Heinrich findet die Besinnungslose, nimmt sich ihrer an und klärt sie über Fernandos Schicksal auf. Silvia und der wieder freigelassene Fernando kehren zu ihren zurück. Und so werden, nachdem Constanze endlich mit ihrem Gemahl vereint ist, auch Silvia und Heinrich ein glückliches Paar.

Ein einziges Bühnenbild aus vier verschiebbaren Schautafeln, die mit Palmen, Strand und blauem Himmel ein Idyll simulierten, reichte aus, um den Schauplatz des dramatischen Geschehens zu definieren. So standen die vier Solisten ganz im Mittelpunkt, glänzten allen voran die jugendlich-wendige Mirella Alexandrova (Sopran) als liebreizende Silvia, aber auch Hristina Lazarova (Mezzosopran) in der Rolle der gramgebeugten Constanze. Nicht minder überzeugend war Fernando Araujo, der als agiler Heinrich mit sympathischem Bariton begeisterte, während Marco Ascani als Fernando mit üppigen tenoralen Kräften für sich einnahm. Dazu fügte sich das klanglich nuancierte, wunderbar geschmeidige Spiel des Jugendstreichorchester Capella cantabile unter der Leitung von Alexander Krins, so dass an diesem Abend nicht nur Haydn- und Opernfans voll auf ihre Kosten kamen. Entsprechend kräftig fiel der nicht enden wollende Applaus aus.

Wolfgang Schweiger

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