Ein Gitarrist in Höchstform

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Als Überraschungsgast erfreute die kubanische Sängerin Yinet Rojas Cardona beim Auftritt des Manuel-Randi-Trios. (Foto: Heel)

Auf ein rundheraus sensationelles Konzerterlebnis können die zahlreichen Besucher zurückblicken, die zum Auftritt des Manuel-Randi-Trios auf der NUTS-Sommerbühne im Traunsteiner König-Ludwig-Hof gekommen waren. Genauer gesagt, zur Präsentation der neuen CD »Illusion« des Trios, die seit Kurzem im Handel ist. Geboten wurde jedoch vieles mehr, zumal den bestens aufeinander eingespielten Spitzenmusikern kein Genre fremd ist – ob Flamenco, Jazz, Latin, Blues oder Pop à la The Who, wobei sich die Rhythmussektion der Band – Marco Stagni am Bass und Mario Punzi am Schlagzeug/Cajon – zwar meist zurückhielt, aber dennoch durchaus ebenbürtig agierte.

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Manuel Randi, der einem breiten Publikum durch seine Zusammenarbeit mit Herbert Pixner bekannt geworden ist, eröffnete das Konzert ungemein dynamisch und trotzdem filigran mit »Toscana«, dem Titelstück seines zweiten Albums. Ähnlich virtuos ging es weiter, etwa mit einem Rumba Catalana oder dem Slow Blues »After Dinner«, entstanden nach einem (zu) üppigen Mittagessen vor den Studioaufnahmen, wie der überaus sympathische, nie um ein freundliches Wort verlegene Ausnahme-Gitarrist erklärte.

Zur Erinnerung an Stein in der Steiermark, wo er vor etwa neun Jahren »seinen Akkordeonisten« Herbert Pixner kennengelernt habe, spielte er anschließend das von Django Reinhardt inspirierte Stück »Swinging in Stein«, gefolgt von einer an der E-Gitarre gespielten Komposition zu Ehren des rumänischen Cembalo-Spielers Toni Iordache (1942 bis 1988), der unter Diktator Ceausescu mehrere Jahre lang eingekerkert war.

Nach der Pause präsentierte Manuel Randi zunächst einen weiteren Flamenco, zu dem er anmerkte, dass der Flamenco ursprünglich eher Schmerz ausgedrückt habe, einen Schrei, und somit ähnlich wie der Blues sei. Als Überraschungsgast betrat anschließend die in Salzburg lebende Kubanerin Yinet Rojas Cardona die Bühne, die unter anderem bei den Cubaboarischen 2.0 mitwirkt. Sie glänzte im Duett mit Manuel Randi nicht nur an der Gitarre, sondern hatte extra für den Abend auch ein wunderschönes (Salsa-)Lied einstudiert. Eine Darbietung, die trotz ihrer Kürze mehr als überzeugend war und ein guter Grund, die Künstlerin im Auge zu behalten.

Wieder an der E-Gitarre, machte Manuel Randi mit dem Stück »Il Carnevale« zunächst einen Ausflug in Richtung Brazil, bevor er mit dem jazzigen Bach-Tribut »Passacaglia« für den Höhepunkt des Abends sorgte, mit fulminanten, der Rockmusik nachempfundenen Improvisationen. Ein unglaubliches Hörerlebnis, dem er mit einem furiosen Abstecher in Disco-Sound-Gefilde noch eins draufsetzte. Eine Bandbreite, die auch daher rührt, dass Manuel Randi als Jugendlicher in verschiedenen Speed-Metal-Bands gespielt hat und im Lauf der Zeit tief in diverse andere Stilrichtungen eingetaucht ist.

Wie tief, zeigte sich bei seinem Abschiedsständchen, das er herrlich harmonisch an der Klarinette zelebrierte – Schlusspunkt eines Konzerts, das vor Spielfreude, Energie und musikalischer Vielfalt aus allen Nähten platzte und das wieder einmal bewies, dass Weltklasse-Musik auch quasi vor der Haustür erklingen kann.

Wolfgang Schweiger

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