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Ein Blick auf die Identität der Oberbayern

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Bezirkstagspräsident Josef Mederer begrüßte die Gäste beim Kloster Seeon zur Eröffnung des »Kosmos Oberbayern«. Unser Bild zeigt von links Videokünstlerin Susanne Steinmassl, Dr. Elisabeth Tworek, Bezirkstagspräsident Josef Mederer und Komponist Johannes Dobroschke. (Foto: Benekam)

An einem Spätsommertag wie aus dem Bilderbuch sieht es aus, als sei hinter dem altehrwürdigen Benediktiner-Kloster Seeon ein Heißluftballon zwischen den uralten Buchen am Seeufer gelandet.


Allerdings fehlt der Korb. Stattdessen hat das große blaue Etwas zwei zeltähnliche »Eingänge«. Auch seine stattlichen Maße von über sieben Metern Höhe und einem Durchmesser von fast 13 Metern lassen ein kleines Zirkuszelt assoziieren, in dessen Manege unterschiedlichste Artisten ihre Kunststücke vorführen. Das imposante Kuppelzelt hat nicht nur einen Namen, es hat auch eine Bestimmung: Der begehbare »Kosmos Oberbayern« zeigt eine 360°-Installation im Inneren, die das kulturelle Erbe von Oberbayern in Bild und Ton, als zeitgenössische Performance erlebbar macht.

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Jetzt wurde es mit einer kleinen Feier eröffnet und war dann Hauptattraktion des klösterlichen Marktes 2020. Im Inneren erlebten die Gäste dann ihr blaues, kunstvolles bayerisches Wunder. Das Sinneserlebnis findet auf mehreren Ebenen statt: In der Kuppel stehend oder sich bewegend fühlt sich der Betrachter über ein räumliches Lautsprecher-System sowie eine audio-visuelle Videoinstallation in eine längst vergangene Zeit katapultiert.

Dort werden kunstvolle Kulturschätze unterschiedlichster Genres, die wildschöne Landschaft, der Reiz der Berge und die in dieser Gegend beheimateten Menschen im traditionellen Trachtengewand bei der Verrichtung ihrer Arbeit oder beim Freizeitvergnügen in Bewegung gesetzt: Das einzigartige kulturelle Gedächtnis des Bezirks Oberbayerns als berauschendes Erlebnis lebendiger Tradition im Zeitraffer der Jahrhunderte. In der 360°-Grad-Installation erscheint auf der Leinwand in bewegten Bildern und Filmen eine prächtige Sammlung von Instrumenten, Textilien, Schriften, Häusern und Kunst.

Das räumliche Wahrnehmen von Bildern und Klängen schafft emotionale Momente und ist Fenster und Augenöffner für unsere kulturelle Identität. Die meisten konkreten Töne kommen aus dem Volksmusikarchiv in Bruckmühl, wo Klänge verschiedenster Glocken und Perkussion-Instrumente aufgenommen wurden.

Vom Tonnengewölbe im Schafhof, dem oberbayerischen Künstlerhaus in Freising, bis hin zur Abtkapelle St. Nikolai im Kloster Seeon wurden Hall-Eigenschaften der verschiedenen Räume aufgenommen. Nach einer Begrüßung von Bezirkstagspräsident Josef Mederer und einer kurzen Einführung von Dr. Elisabeth Tworek (Leiterin der Kulturabteilung des Bezirks Oberbayerns) konnten es die Gäste kaum erwarten, das blaue Wunderding zu entern. Die anwesenden Künstler, ein interdisziplinär agierendes Kreativ-Team der Kulturabteilung des Bezirks Oberbayern, schickte noch einige Erfahrungsberichte zum Making-Of der zweieinhalb Jahre währenden Kooperation am multimedialen Kunstwerk voraus.

Das audio-visuelle Innenleben erarbeitete der Musiker und Komponist Johannes Dobroschke zusammen mit der aus Fridolfing stammenden Videokünstlerin und Regisseurin Susanne Steinmassl. Für das gestalterische Konzept der auf- und abbaubaren äußeren Hülle zeichnete Florian Becker (Leiter der Schulen für Holz und Gestaltung) verantwortlich und last, but not least hielt Matthias Fischer, Popkulturbeauftragter des Bezirks Oberbayern die Projektleitung inne.

So fanden, nach hinführenden Worten, die in Kleingruppen aufgeteilten Gäste ihren jeweils eigenen Zugang zum Kosmos Oberbayern: Lauschend, betrachtend und staunend ging ein Jeder auf Entdeckungsreise und tauchte in alle Hirnwindungen Kunst gewordener bayerischer Erinnerung in Bild, Ton und Filmprojektion ein – bis zum letzten Juchezer – und weiter.

Der Applaus mag heute wie damals denselben Klang produziert haben und steht über die Jahrhunderte hinweg für dieselbe Sache: Anerkennende Bewunderung. Die bekamen die Schöpfer der Kulturkuppel zuhauf.

Kirsten Benekam

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