Die zehnte Präsidentin fürs zweite Jahrhundert

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Die aus Deutschland stammende Marken-Expertin und ehemalige Mercedes-Managerin Kristina Hammer wird die Leitung der Salzburger Festspiele übernehmen. (Foto: Barbara Gindl) Foto: dpa

Mit der Etablierung von Marken kennt sie sich ebenso aus wie mit der Arbeit in diversen Verwaltungsräten. Die »soziale Kompetenz« von Kristina Hammer sei ganz entscheidend, betont der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer über die künftige Präsidentin der Salzburger Festspiele.

Seit 2019 engagiert sie sich im Vorstand der Freunde der Oper Zürich und ist dort für die Themen Marketing und Kommunikation zuständig und übernimmt jährlich Patenschaften für Mitglieder des Internationalen Opernstudios Zürich. Die Salzburger Festspiele sind ihr, wohl nicht allein aus Publikumsperspektive, alles andere als fremd. Wien, London, Stuttgart und Zürich sind die bisherigen Stationen von Kristina Hammer. Sieben Jahre lang arbeitete sie in leitender Position für Marken wie Aston Martin, Jaguar, Land Rover und Volvo. Von 2007 bis 2009 leitete sie die globale Marketing Kommunikation von Mercedes-Benz in Stuttgart.

Kristina Hammer hatte in Mainz Jus und Betriebswirtschaft studiert. Danach kam das Zweite Juristische Staatsexamen und die Promotion »summa cum laude« im Europäischem Wirtschaftsrecht an der Universität Wien. Ihre Ausbildung schloss sie mit einer Tätigkeit beim Europäischen Gerichtshof und der Veröffentlichung eines juristischen Handbuchs zum freien Warenverkehr in der europäischen Union ab.

Seit nunmehr zehn Jahren lebt Kristina Hammer mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in der Schweiz. In Zürich hat sie die strategische Markenberatung HammerSolutions gegründet. Mit diesem Unternehmen unterstützt sie Entscheidungsträger beim Aufbau und der Neupositionierung von Marken und erstellt externe und interne Kommunikationsstrategien. Als Executive & Business Coach berät Kristina Hammer zu den Themen Leadership, Changemanagement, sowie Personal Branding und lehrt als Gastdozentin an der Universität St. Gallen sowie der ETH Zürich.

Vielfältig war und ist ihre Arbeit als externe Verwaltungsrätin und Beraterin, etwa für die Stöckli Swiss Sports AG, für die s.Oliver Group, einem deutschen Bekleidungshersteller und Handelskettenbetreiber, sowie für MagnWall, einem deutschen Unternehmen, das vor allem die effiziente Markenpositionierung auf seine Fahnen geschrieben hat.

Eine Frau mit offensichtlicher Führungsfähigkeit, die ein Feeling für Marken-Positionierung hat, wird so falsch nicht sein als Nachfolgerin von Helga Rabl-Stadler, die 27 Jahre im Amt war. Man darf Kristina Hammer, die in den vergangenen 25 Jahren in den Vorstandsetagen namhafter Unternehmensgruppen umgegangen ist, auch zutrauen, dass sie den richtigen Tonfall findet, um Sponsoren und Mäzene zu gewinnen und bei der Stange zu halten. Der Eindruck derzeit: Da hat man eine Kundige gefunden, der die großen Fußspuren der scheidenden Präsidentin Helga Rabl-Stadler zumindest nicht viel zu groß sind.

Auf die individuelle Handschrift von Kristina Hammer als neuer Präsidentin darf man also gespannt sein. Sie zitierte gleich mal den Komponisten Wolfgang Rihm: Kunst entstehe nicht durch einsames Besserwissen, sie entstehe durch Dialog. Und auf neugierige Journalistenfragen konterte sie: »Lassen Sie mich ankommen, lassen sie mich zuhören.« Werten wir das als gutes Omen.

Reinhard Kriechbaum

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