»Die rechte Braut« am Lied erkannt

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Nicht am passenden Schuh, sondern an der zu seinem Gedicht passenden Melodieerkennt der Prinz (Luke Sinclair) seine wahre Liebe in Alma Deutschers »Cinderella«(Laura Incko).

Talent verpflichtet. Gerade in Sachen Musik wird teilen zur Ehrensache. Das spürte die junge Alma Deutscher (2005 in England geboren) offenbar schon im Kindesalter.

Inspiriert vom Grimm‘schen Märchen-Klassiker Cinderella, komponierte die Geigerin, Pianistin und Komponistin als Achtjährige ihre erste abendfüllende Märchenoper – »Cinderella« und avancierte bei der Uraufführung 2016 (Orchesterversion) in Wien ad hoc zum Shooting-Star der Szene. Für Zubin Mehta war sie »eines der größten Musiktalente der Gegenwart«. Ein glänzender Karrierestart, der in der Musikwelt Hoffnung auf mehr weckt.

»Töne schweben um mich herum. Sie zaubern ein Lied für mich!«, schwärmt Deutschers Cinderella im ersten Akt. Ebenso wird es dem Mädchen Alma ergangen sein. Sie selbst fing die Töne ein, schuf aus ihrem inneren Klangzauber ein vieraktiges Werk in der Tradition der komischen Oper. Nach entbehrungsvoller Corona-Stille feierte Cinderella vor spürbar ausgehungertem Publikum im Salzburger Landestheater unter der musikalischen Leitung des Ersten Kapellmeisters Gabriel Venzago, in der Inszenierung von Intendant Carl Philip von Maldeghem, eine rauschende Erstaufführung in erweiterter und überarbeiteter Salzburger Fassung.

Der Abend hatte tatsächlich etwas Märchenhaftes – und das lag gewiss nicht am harten Kulturentzug. Die wohltuend belebende, zauberhaft berührende und mit feingeschliffener Situationskomik gewürzte »Cinderella« wurde am Ende verdient mit Standing Ovations geehrt. Deutscher verlegte die Handlung in die Welt der Musik: In einem Opernhaus, ehemals von Cinderellas Vater geführt, herrscht die intrigante Stiefmutter (Anne-Fleur Werner). Cinderella, eine begabte Komponistin, trägt wunderschöne Melodien in sich, für die sie, statt Anerkennung und Förderung allenfalls Spott und Missgunst erntet. Die beiden Stiefschwestern (Laura Nicorescu und Olivia Cosío) sind Meisterinnen im Nerven und Mobben, ansonsten ziemlich talentfrei, aber hübsch und auf lächerliche Art divenhaft. Zeit, dass sie Gewinn bringend unter die Haube kommen, vorzugsweise mit dem Prinzen.

Weil der gesundheitlich angeschlagene König des Regierens müde ist, soll der Prinz auf Brautschau gehen. Doch der lässige Thronfolger im Holzfällerhemd will nicht unbedingt eine Standesgemäße ehelichen, sondern vielmehr die große Liebe zur Braut. Musisch veranlagt soll sie sein, »die rechte Braut«, denn er selbst ist ein begabter Dichter. Nicht am passenden Schuh, sondern an der zu seinem Gedicht passenden Melodie will er sie beim schrill-schrägen Maskenball mit Gesangswettbewerb »erkennen«. Eine gute Fee (Maria Polaska) macht’s möglich, dass auch Cinderella ihre Chance bekommt. So nimmt, wenn auch auf Umwegen, das (Liebes-) Glück seinen Lauf.

Mehr als glücklich ist auch »der Lauf« der Operninszenierung: Charakter- und stimmungsvolle musikalische Ideen mit eingängigen Melodien in den Gesangspartien entfalten in Top-Besetzung volle Wirkung. Das Mozarteumorchester Salzburg überzeugt bei höchster Virtuosität und präzisem Zusammenspiel. Das Libretto ist voller Witz, hat aber trotzdem Tiefgang. Ein stylisches, auf der Drehbühne in zwei Räume (Königsgemächer und Opernhaus) geteiltes Bühnenbild (Stefanie Seitz) sowie die ausgesprochen geschmackvollen Kostüme machen den modernen Märchenplot zum farbenprächtigen Augenschmaus.

Laura Incko gibt eine selbstbewusste Cinderella, überzeugt mühelos in allen Tonlagen und sprühender Präsenz. Der Prinz (Luke Sinclair), locker-lässig und grundsympathisch, aalt sich mit geschmeidigem Tenor in seiner Rolle. Dass er mit dem königlichen Vater (George Humphreys) und dessen Minister (Alexander Hüttner) seine liebe Not hat, wie auch das Gebaren der beiden Stiefschwestern als Möchtegern-Operndiven, die sich in trillernd-schillernden Duetten duellieren und sich zu übertrumpfen versuchen, ergänzt das Stück um weitere komische Momente.

Eine neue Oper der heute 16-jährigen Jung-Komponistin ist als Auftragswerk für das Salzburger Landestheater für eine der folgenden Spielzeiten bereits in Planung. Weitere Infos sind unter service@salzburger-landestheater.at zu erfahren. Kirsten Benekam

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