Der Kommissar und die Musik

Bildtext einblenden
Der Herr Kommissar brennt auch für die Rockmusik: Miro Nemec (Mitte) begeisterte mit seiner Band »Asphyxia« im Traunreuter k1. (Foto: Heel)

In seiner Rolle als Münchner Tatort-Kommissar Ivo Batic, die er seit 1991 innehat, ist der Schauspieler Miroslav Nemec einem breiten Publikum bekannt geworden.

Weniger bekannt ist, dass der 1954 in Zagreb geborene Akteur, den seine Eltern mit zwölf Jahren zu Verwandten nach Freilassing schickten, »damit er's mal besser hat«, auch in der Musik zuhause ist und seit seinem fünften Lebensjahr Klavier spielt. Eine Begabung, die ihn bereits mit 15 eine Rockband gründen ließ, letztendlich aber auch ans Salzburger Mozarteum führte, wo er einen Abschluss als Fachlehrer für Musik machte. Mit dieser Band, »Asphyxia« benannt und noch in der Originalbesetzung, legte er nun im Saal des Traunreuter k1 eine derart energiegeladene Show hin, dass man nur staunen konnte.

Entpuppte sich der Kommissar-Darsteller doch als leibhaftiger Rocksänger, der wie entfesselt die Bühne für sich eroberte und für seine Musik brannte. Versiert an Gitarre und Keyboard holte er so aus jedem Song heraus, was an Wirkung, an schöpferischer Kraft drinsteckte und spornte seine Mitspieler dabei zu Höchstleistungen an. Entsprechend markig und dynamisch gerieten die rund 15 Rockklassiker, von »All Along The Watchtower« über »In-A-Gadda-Da-Vida« bis zu »White Room«, die er zusammen mit seinen langjährigen Freunden Gerwin Eder (Gitarre), Gerhard Hinz (Bass) und Mirko Rois (Schlagzeug) wieder lebendig werden ließ, verstärkt durch die Neuzugänge Tina Hinz (Keyboard/Gesang) und Armin Riedel (Gitarre/Gesang).

Als Einstieg wählte Nemec mit »Unten am Ufer« allerdings ein Lied von Rio Reiser, den er zu Anfang seiner Zeit als Tatort-Kommissar kennengelernt hatte. Mit »Junimond« widmete er dem viel zu früh verstorbenen Sänger ein weiteres Lied. Aus dem Rahmen fielen auch zwei Volkslieder aus seiner jugoslawischen Heimat, neu und schön rockig arrangiert, und wer dachte, Tina Hinz sei nur als optische Bereicherung einer Schar alter Männer dabei, wurde bei ihrer aufwühlenden Interpretation von Janis Joplins »Move Over« ganz schnell eines Besseren belehrt.

Bei so viel Programm blieb wenig Zeit für Ansagen oder gar Plaudereien mit dem Publikum. Nur wenn mal eine Gitarre neu gestimmt werden musste, erzählte Nemec spontan ein wenig aus den ersten Tagen der Band, als sie aus dem Brockhaus ein Wort ausgesucht hatten, das mit A anfängt, weil das auf den Festival-Plakaten dann immer ganz oben stehen würde. Erst Jahre später fanden sie heraus, dass Asphyxia Erstickungstod bedeutet. Eine andere Anekdote betraf seine Zeit, als er in Köln Theater gespielt hatte und eines Tages von seinem Schauspiel-Kollegen Herbert Grönemeyer gefragt wurde, ob er mit nach München zu einem Casting für einen Film kommen wolle – irgendwas mit einem U-Boot. Nemec konnte nicht, und so lief »Das Boot« ohne ihn vom Stapel.

Mit »Locomotive Breath«, dem Lieblingsstück vieler Jethro-Tull-Fans, ging das knapp zweistündige Konzert dann in die Endrunde. Als tolle, vollkommen unerwartete Zugabe präsentierte Nemec schließlich noch eine eingedeutschte Version von Percy Sledges »When A Man Loves A Woman«, bevor sich die Band a cappella mit »We'll Meet Again« verabschiedete. Eine Hoffnung, die wohl alle haben dürften, die an diesem wundervollen Abend dabei waren.

Wolfgang Schweiger

Mehr aus Kultur aus der Region