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»Der Regenbogenfisch« am Salzburger Landestheater: Spritzige Musik zum Tiefseetanz bringt den Regenbogenfisch (Cassiano Rodrigues) und seine Mitfische zum Tanzen.

Der Hochmut wird Schuppe für Schuppe abgelegt

Die Kleinsten für Kultur zu begeistern, sichert das Publikum von morgen und löst das Nachwuchsproblem. Das Salzburger Landestheater wird diesem Auftrag als Dreispartenhaus mit hochwertigen Kinder- und Jugendproduktionen mehr als gerecht.

In der Uraufführung des Kinderballetts »Der Regenbogenfisch« von Josef Vesely und Kate Watson blubberte, plätscherte, wogte und wiegte es, in allen Rhythmen. Die Kinder wurden soghaft in die getanzte maritime Unterwasserwunderwelt hineingespült. Marcus Pfisters Bilderbuchklassiker darf sich in dieser tänzerisch-theatralen Umsetzung über eine extra Glitzerschuppe freuen. Denn da tanzten die ulkigsten Fischlein aller Farben und Formen über die (Meeres-) Bühne.

In federleichter Bewegungssprache serviert, erlebten die Kleinen, wie Tanz Geschichten erzählen kann. Die positiven Botschaften und fabelhaften Aussagen für ein soziales Miteinander kamen unmissverständlich mit elegantem Flossenaufschlag an. Schon beim Betreten des Theaters dämmerte es jedem Kinde: Es muss um etwas Großes, Ungewöhnliches gehen – Fischschuppen glitzerten einem von den Gesichtern des Platz weisenden Theaterpersonals entgegen. Ist das ansteckend? Und bevor die menschlichen Tanz-Fische auf die Bühne »schwammen«, tummelte in Videoprojektion auf Gaze-Vorhang eine quietschbunte Vorhut aus allerlei Gefisch, Korallen- und Meeresalgen daher.

Die aber sollten vor Neid erblassen, als ein prächtiger Achtarmer, ein Oktopus als DJ, spritzige Musik zum Tiefseetanz auflegte, zu der ein regenbogenbunt gewandeter Schwarm (Bühne und die Kostüme von Eva Musil) seine kessen Flossen aufs Parkett legte – aber wie. Synchronschwimmen ist nichts gegen diese sensationelle Fisch-Disco, in die bald ein selbstverliebter Störenfried einbricht: der Star des Meeres, der Regenbogenfisch (Cassiano Rodrigues), mit atemberaubend edlen Glitzerschuppen.

Die Stimmung schwappt in Untiefen, als er sich als Schönster produziert. Bevor er am eigenen Hochmut ersäuft, will ihn der Oktopus (Sveva Gaudenzi) sozialisieren. So reichen ihm die fischigen Artgenossen die Flosse. Aber: Teilen soll er, seine Glitzerpracht. Schuppe für Schuppe. Bevor er in Ausgrenzung baden geht, will er lieber weniger glitzern und dafür mehr Spaß haben – am Gruppen-Schuppentanz, am Leben und Lieben. Zumal eine große Haifischflosse im Hintergrund nichts Gutes verheißen will und auch noch andere Unterwasseraugenblicke mahnen: Lieber sicher gemeinsam als ganz schön einsam.

Der tanzbegnadete »Regenbogenfisch« schwimmt noch bis zum 24. Februar (nicht nur für Kinder ab 5 Jahren) durch die Kammerspiele des Salzburger Landestheaters. Karten und Reservierungen für Schul- oder Kindergartenaufführungen sind per E-Mail unter service@salzburger-landestheater.at. sowie unter Tel. 0043/662/871 51 22 22 möglich. Kirsten Benekam

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