Das »Taugler Auferstehungslied« erklingt in Mülln

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Siegfried Schaber zeigt stolz ein altes handbeschriebenes Notenblatt, die Orgelstimme zum »Taugler Auferstehungslied«.
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Das »Taugler Auferstehungslied« von Franz Xaver Gruber. (Fotos: © Stille-Nacht-Gesellschaft/Michael Neureiter)

Wie viele österliche Lieder beginnen wohl mit dem Ruf »Christ ist erstanden«? Die mittelalterliche Osterreise, die mit den Anfangstönen der Sequenz »Victimae paschalis laudes« beginnt, gilt als der älteste erhaltene liturgische Gesang in deutscher Sprache.

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Er entstammt wahrscheinlich dem süddeutsch-österreichischen Kulturkreis und wurde schon um 1100 gesungen. Im Jahre 1160 wird »Christ ist erstanden« in einer Liturgieordnung des Erzbistums Salzburg erwähnt. Der Codex wird in der Universitätsbibliothek Salzburg aufbewahrt. In der Kirchenprovinz Salzburg wurde am Ostermorgen nach der »Visitatio sepulchri«, also nach dem Besuch beim (nun leeren) Heiligen Grab gesungen. Wenn der Klerus in den Chor zurückkehrte und den Wechselgesang »Surrexit enim sicut dixit Dominus« anstimmte, antwortete das Volk mit dem »Christ ist erstanden« in seiner Sprache. Das älteste Zeugnis dafür findet sich in Passau schon 1150. Im 13. Jahrhundert war das Lied dann schon weit verbreitet. Seine rituelle Verwendung in verschiedenen Kirchen und Klöstern war unterschiedlich – aber das interessiert eher Liturgiewissenschaftler.

Wir machen jetzt einen Riesensprung ins frühe 19. Jahrhundert. Franz Xaver Gruber hat in der Zeit, da er in Arnsdorf als Schulmeister, Organist und Mesner tätig war, nicht nur das Lied »Stille Nacht, Heilige Nacht« komponiert, sondern fünf Jahre später (1823) auch ein Stück, das mit dem Ruf »Christus ist erstanden« beginnt. Dem Anlass entsprechend werden die drei Singstimmen (Sopran, Alt, Bass) von zwei Klarinetten, zwei Trompeten, Pauken, zwei Violinen, Kontrabass und Orgel begleitet. Im Verzeichnis der Werke Grubers, das Thomas Hochradner herausgegeben hat, trägt es die Nummer 134.

Solche Lieder haben sich manchmal herumgesprochen. Schulmeister, die an einen anderen Ort versetzt wurden, haben Noten mitbekommen und das Vertraute auch am jeweils neuen Wirkungskreis mit den dortigen Kirchensängern einstudiert. So ist wohl auch Franz Xaver Grubers »Christus ist erstanden« als »Taugler Auferstehungslied« nach St. Kolomann im Salzburger Tennengau gekommen, wo es lange Zeit zum Repertoire des Kirchenchors und auch der Musikkapelle zählte. Das erzählt Siegfried Schaber, der in St. Koloman aufgewachsen ist und dem Chor und der Trachtenmusikkapelle angehörte. Stolz zeigt Schaber ein altes handbeschriebenes Notenblatt, die Orgelstimme zum Lied. Mit dem Blasmusik-Leiter Siegfried Schaber ist das Lied schließlich nach Vigaun weitergewandert, wo es jetzt immer in der Osternacht oder am Ostersonntag in der Pfarrkirche erklingt. »Wir werden das »Taugler Auferstehungslied« auch am Weißen Sonntag in der Pfarrkirche Salzburg-Mülln spielen, und zwar im Blasmusikquintett«, berichtet Schaber.

Reinhard Kriechbaum

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