weather-image
20°

Christoph Probst - Ein Student der »Weißen Rose«

3.0
3.0
Bildtext einblenden
Gedenktafel zu Christoph Probst am Staatlichen Landschulheim Marquartstein. (Repro/Fotos: Giesen)
Bildtext einblenden

»Wenn ich es recht bedenke, so war mein Leben ein einziger Weg zu Gott«, schrieb Christoph Probst in seinem letzten Brief an seine Mutter – am 22. Februar 1943, an dem Tag als er zusammen mit Sophie und Hans Scholl vom Volksgerichtshof unter Richter Roland Freisler zum Tode verurteilt und noch am gleichen Tag mit der Guillotine hingerichtet wurde.


Als Mitglied der Widerstandsgruppe »Weiße Rose« wurde dem 23-jährigen Studenten, Vater dreier Kinder im Alter von drei und zwei Jahren und vier Wochen, wie den anderen Mitgliedern »Wehrzersetzung, Sabotage der Rüstung und Aufruf zum Sturz der nationalsozialistischen Lebensform« vorgeworfen.

Anzeige

Thomas Mertz hat nun die erste Biografie über Christoph Probst veröffentlicht. Der Autor, Jahrgang 1959, hat Latein, Geschichte und Philosophie in Bonn und Köln studiert und eine journalistische Ausbildung am Robert-Schuman-Institut in Brüssel abgeschlossen. Seit 1992 ist Mertz in der Öffentlichkeitsarbeit einer gemeinnützigen Einrichtung tätig und arbeitet historisch und wissenschaftlich.

Thomas Mertz gliedert Christoph Probsts Biografie in drei große Teile. Der erste und längste steht unter der Überschrift »Der liebende Unbekannte – ein Lebensbild«, gefolgt von »Ein Briefporträt«, in dem der Autor Probsts Persönlichkeit anhand seiner Briefe mit seinen Freunden schildert. Im dritten Teil des Buchs, benannt »….ein einziger Weg zu Gott«, bezieht sich Mertz auf eine Passage der Enzyklika »Deus caritas est« von Papst Benendikt XVI.. Darin schreibt der emeritierte Papst von der »Einheit, die Liebe schafft, in der beide (Gott und Mensch) sie selbst bleiben und doch ganz eins werden«. Mertz schreibt dazu: «Ein Satz, der für die innere Entwicklung Christoph Probsts stimmig scheint.«

Frühe Distanz zum Nationalsozialismus

Christoph Probst wurde am 6. November 1919 in Murnau geboren, aber nach Überzeugung der Eltern nicht getauft, um die Kinder später selbst entscheiden zu lassen. Sein Vater, der Che-miker Dr. Hermann Probst (1886 bis 1936), war Privatgelehrter und Sanskritforscher, beschäftigte sich mit indischer Philosophie und pflegte Kontakte mit Künstlern, die im Dritten Reich als entartet galten. Nach der Scheidung von Christoph Probsts Mutter Katharina, geborene von der Bank, heiratete er die Jüdin Elise Jaffee, geborene Rosenthal.

Christoph Probst lernte so durch seinen Vater bereits früh Distanz zum Nationalsozialismus und kritisches Denken. Er besuchte von 1930 bis 1932 das Neue Gymnasium in Nürnberg und von 1932 bis 1935 das ebenfalls Abstand zum NS-Regime haltende Internat von Hermann Harless, das »Landerziehungsheim Marquartstein«, wie das Staatliche Landschulheim damals noch hieß.

Anfang der 30er Jahre zog Christoph Probst mit seinen Eltern nach Ruhpolding in den Ortsteil Zell, wo heute eine Straße nach ihm benannt ist. Christoph Probsts Schwester Angelika erinnerte sich später, dass ihr Bruder schon sehr früh die menschenverachtenden Ideen des Nationalsozialismus vehement kritisiert hatte.

Hochzeit in Ruhpolding

1935 besuchte er gemeinsam mit Alexander Schmorell das Neue Realgymnasium in München. Nach dem Suizid seines Vaters im Mai 1936 wechselte er an das Gymnasium Landheim Schondorf, wo Probst 1937 mit erst 17 Jahren das Abitur ablegte. Nach dem Arbeits- und Militärdienst bei der Luftwaffe in Oberschleißheim begann er im Sommer 1939, in München, Straßburg und Innsbruck Medizin zu studieren. Im Krieg wurde er an die Ostfront eingezogen. Mit 21 Jahren heiratete er am 19. August 1941 Herta Dohrn (1914 bis 2016) in Ruhpolding. Einer der Trauzeugen war sein Freund Alexander Schmorell, der auch 1943 hingerichtet wurde. Herta war Stieftochter des Regimekritikers Harald Dohrn. Beide lebten Anfang der 40er Jahre teilweise in Ruhpolding. Herta und Christophs zweiter Sohn Vincent wurde am 30. Dezember 1941 in Ruhpolding geboren, der erste Sohn Michael lebte von 1940 bis 2011 und Tochter Katja von 1943 bis 1959.

Begegnung mit der »Weißen Rose«

Christoph Probst hatte während seines Medizinstudiums in München die Geschwister Scholl kennengelernt. Er schloss sich jedoch erst im Januar 1943 der Widerstandsorganisation »Weiße Rose« an, da er auf seine junge Familie Rücksicht nahm und im Hintergrund bleiben wollte.

Obwohl Probst Einfluss auf die Texte der verbreiteten Flugblätter nahm, verfasste er selbst lediglich einen Entwurf für das siebte Flugblatt. Dieses trug Hans Scholl bei sich, als er mit seiner Schwester Sophie am 18. Februar 1943 die übrig gebliebenen Exemplare des sechsten Flugblatts verteilte und verhaftet wurde. Damit hatte die Gestapo auch einen Beweis gegen Probst in der Hand.

Während der Verhöre und bei der Verhandlung am Volksgerichtshof bat er um Gnade wegen seiner drei Kinder. Seine Frau war wegen Kindsbettfiebers noch bettlägerig. Auch Hans und Sophie Scholl versuchten vergeblich, Probst zu schützen, indem sie möglichst viel Schuld auf sich nahmen. Kurz vor seiner Hinrichtung ließ sich Christoph Probst, der bis dahin ohne Religionszugehörigkeit war, vom katholischen Gefängnisgeistlichen taufen.

Am 22. Februar wurde Christoph Probst enthauptet. Noch am selben Tag hatte ihn ein Dreierausschuss des Rektorats der Universität Innsbruck, damals »Deutsche Alpenuniversität«, dauernd vom Studium an allen deutschen Hochschulen ausgeschlossen. Erst am 21. Februar 2019 – also nach 76 Jahren – wurde er im Rahmen einer Gedenkstunde der Universitäten Innsbruck rehabilitiert und seine Exmatrikulation symbolisch rückgängig gemacht.

Das Grab von Christoph Probst befindet sich auf dem Friedhof im Perlacher Forst in München, angrenzend an den Hinrichtungsort. Christoph Probsts Witwe lebte nach dem Krieg wieder in Ruhpolding, wo sie ihren zweiten Mann kennen lernte und hier 1947 heiratete.

In der neuen Biografie des Widerstandskämpfers wird auf erschütternde Weise deutlich, zu welch unglaublich reifer Persönlichkeit sich Christoph Probst während seines kurzen Lebens entwickelt hat – trotz allem weit entfernt von Hass- und Rachegefühlen.

Das 196 Seiten starke Buch »Christoph Probst – Ein Student der Weißen Rose« von Thomas Mertz ist im Paulinus Verlag, Trier, erschienen, ISBN 978-3-7902-1741-4. Christiane Giesen

Mehr aus Kultur aus der Region