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Bilder als Zeichen der Hoffnung

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Erzengel Gabriel.
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Hermann Egger mit seinem Bild »Was würde die Liebe tun« vor der Marktapotheke. (Fotos: Konnert)

Der Erzengel Gabriel gemalt als Ikone, aber mit einem Spiegel anstelle des Gesichts und ein surrealistisch anmutendes Ölgemälde, in dessen Zentrum eine Frauengestalt und ein Eisvogel stehen, das sind die neuesten Werke des Teisendorfer Hobbymalers Hermann Egger.


Gemalt hat er sie unter dem Eindruck der Corona-Krise, die die Welt für uns alle auf den Kopf gestellt hat. Beide Bilder sind in den Schaufenstern der Marktapotheke ausgestellt, denn auch die Apotheke ist für die Menschen in diesen Zeiten ein Ort, wo sie Hilfe suchen und Hoffnung schöpfen. Und genau dass will Egger auch – Hoffnung keimen lassen und die Menschen auffordern, Verantwortung zu übernehmen und richtig zu handeln.

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Betrachter soll Teil des Bildes werden

Dazu bedient er sich des Mittels der interaktiven Malerei. Der Mensch soll nicht nur ein passiver Betrachter der Kunst sein, das Bild nicht nur von außen sehen, sondern mit hineingenommen und Teil davon werden. Die Stilmittel, dies zu erreichen, sind bei den beiden Bildern unterschiedlich. So ist es bei der ikonografischen Darstellung des Erzengels Gabriel der alte Spiegel, der anstelle des Engelsgesichtes eingebaut ist. Der Betrachter des Bildes kann sich darin sehen und wiedererkennen, vielleicht auch verwundert sein von dem, was ihm aus dem Spiegel entgegenschaut.

Der Spiegel ist aber auch gleichzeitig Teil des Engels, den die christliche Religion mit Geburt, Neubeginn und Hoffnung verbindet und der Maria die Botschaft und den Auftrag Gottes zur Geburt seines Sohnes überbracht hat. Gabriel ist ein Wesen des Lichts und wird von Egger so auch gemalt, freudig, leuchtend, in den drei Farben, mit denen der Künstler ausschließlich arbeitet: gelb, rot und blau. Umgeben ist er von einem golden leuchtenden Hintergrund, den man erst bei genauerem Hinsehen als das erkennt, was es eigentlich ist: wiederverwendetes Schokoladen-Verpackungspapier. Auch das ist von Egger gezielt gewählt, um zu zeigen, wieviel Schönes und Leuchtendes aus dem Entstehen kann, was von Menschen achtlos weggeworfen wird. Gabriel ist aber auch ein Engel der Tat, kein Zögerer, sondern einer, der bei Maria klare Worte findet und Fakten schafft.

Nachdenklich und trotzdem aufmunternd ist auch die Botschaft des zweiten Bildes übertitelt als »Was würde die Liebe tun«. Diese Worte finden sich auf einem kahlen, im teilweisen Verfall begriffenen Baumstamm, der sich durch das Bild zieht. Er habe hier gezielt kein Satzzeichen gesetzt, so Egger, denn der Betrachter müsse selbst spüren, ob das für ihn eine Frage sei oder eine Aussage: so würde »die Liebe« handeln oder so würde »man aus Liebe« handeln.

Liebe zur Schöpfung

Dabei ginge es in erster Linie um die Liebe zur Natur, zur Schöpfung, die bei den Menschen oft zurückstehe und die dennoch unsere Lebensgrundlage sei, ist der Künstler überzeugt. Der Mensch, hier dargestellt durch eine Frauengestalt, deren Gesicht durch die üppige Haarpracht verdeckt wird und die somit anonym bleibt, lebt nur für sich und denkt zu wenig an die Zukunft und die nachfolgenden Generationen. Er zerstört die Natur, die ihn reichlich beschenkt – die vom Winde verwehte Blütenpracht, die sich über die Frau ergießt, ist ein Symbol dafür – und achtet nicht auf die vielen Schönheiten, wie zum Beispiel den bunten Eisvogel, der am Himmel schwebt und weder die Frau auf dem Bild noch den Betrachter aus dem Blick verliert, unabhängig von der Blickrichtung.

Inspirieren lassen hat sich der Künstler bei diesem Bild von Aufnahmen aus der kanadischen Dramaserie »Anne with an E«, die die Geschichte eines Waisenkindes aufgreift. Trotz schwerster Kindheit hat es seine positive Lebenseinstellung nicht verloren und kann mit Zähigkeit, Liebe und Optimismus vieles zum Guten wenden. Und auch hier ist wieder das in golden und rot leuchtende Schokoladenpapier zu finden, mit dem diesmal die Blüten dargestellt werden.

Hermann Egger, 1956 in Traunstein geboren, ist künstlerischer Autodidakt. Seine Kunst ist vielseitig, sowohl was die Thematik als auch was die unterschiedlichsten Arbeitstechniken betrifft. Bleistiftzeichnungen, Radierungen, Aquarelle, Acryl und Ölgemälde, Airbrush und aufwendige Collagen. Zur Zeit widmet er sich zunehmend dem Thema interaktive Kunst, denn er will die Menschen mitnehmen und aufwecken. Was ihn nicht loslässt und in seinen Bildern immer wiederkehrt, ist die Zerstörung der Natur durch den Menschen. Man habe keine Achtung mehr vor den kleinen Lebewesen und Dingen, der Blick für die Schönheiten der Natur sei abhanden gekommen, so der Künstler. Gerade in Zeiten wie diesen, wo man sich so machtlos fühle, sei es wichtig sich darauf zurückzubesinnen. Denn die Natur könne auch ohne den Menschen leben und fortbestehen, ist Egger überzeugt. Aber was würde der Mensch ohne die Natur tun?

Monika Konnert

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