Antwort auf den Hunger nach Kunst

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Dr. Ulrike Reinert (links) hat das neue Veranstaltungsformat initiiert, bei dem auch Brigitte Blüml-Kaindl und Kurt Kaindl vom Fotohof-Team Fotografien aus dem Archiv präsentieren. (Foto: Mergenthal)

Wien hat die »Vienna Art Week«, Berlin seine Kunstwoche. »Warum machen wir das nicht auch in Salzburg?«, fragte sich die Salzburger Kunsthistorikerin Dr. Ulrike Reinert. Gemeinsam mit vielen Akteuren initiierte die Berufsgruppensprecherin für den Kunsthandel in der Wirtschaftskammer Salzburg ein neues Veranstaltungsformat, das »Gallery Week_End 2021«. Kunst-Touren und ein buntes Rahmenprogramm geben vom 27. bis 31. Juli einen spannenden Einblick in zeitgenössische Galerien und Ausstellungsräume.

»Eigentlich hatten wir das schon im Vorjahr geplant«, erklärt die Kunsthistorikerin. Durch die Pandemie hatte sich das Projekt verschoben. Vom Termin zu Beginn der diesjährigen Festspielzeit erwartet sie sich nicht nur internationale Gäste, sondern will auch die Einheimischen ansprechen – aus der Stadt, dem Salzburger Umland und speziell auch von der bayerischen Seite, die durch den Lockdown von der Kulturmetropole abgeschnitten war.

»Es gibt den starken Wunsch, wieder Kunst zu sehen. Wir hoffen, dass die Menschen etwas ausgehungert sind«, sagt Dr. Ulrike Reinert. In 22 Galerien, da-runter auch die öffentlichen Galerien von Land und Stadt Salzburg sowie der Salzburger Kunstverein, können die Besucher die vielfältige Kunstszene erkunden.

Von professionellen Kunstvermittlern geführte Touren gewähren einen tieferen Blick hinter die Kulissen. Ermöglicht werden dabei auch Begegnungen und Gespräche mit den Kunstschaffenden und den Galeristen. Der Wunsch der Initiatoren ist es, über den Weg der bildenden Kunst die heute so notwendigen Freiräume zu schaffen, damit auch kontrovers diskutierte Themen an- und weitergedacht werden können.

Ein kleines Eröffnungsfest gibt es am Dienstag, 27. Juli, von 18 bis 20 Uhr vor der Stadtgalerie Museumspavillon im Mirabellgarten. Das musikalische Rahmenprogramm gestaltet das »Österreichische Ensemble für Neue Musik« (œnm). Karin Küstner (Akkordeon), Michael Krenn (Saxofon) und Rupert Struber (Schlagwerk) spannen den Bogen von einem musikalischen Fangenspiel zwischen Akkordeon und Saxofon von Theodor Burkal über ein delikat-atmosphärisches und zugleich hochvirtuoses Duo von Jean-Baptiste Marchand für Saxofon und Schlagwerk hin zu einer eigens für œnm à 3 geschriebenen, neuen Version von Otto Wankes »oscillations«.

Gleich nebenan im Zwergelgartenpavillon sind im Rahmen einer Ausstellungskooperation mit der Internationalen Summer Academy bis 20 Uhr Arbeiten von Rosella Biscotti zu sehen. Bereits zuvor können sich Besucher um 16 Uhr zu einem »Art Walk« mit Ingrid Hyra an der Galerie »ArtMonopol« an der Schießstattstraße 69 oder zu einem Rundgang mit der Künstlerin Ursula Hübner zu ihrer Ausstellung im Museumspavillon treffen.

Besondere Höhepunkte sind eine Führung durch das Künstlerhaus in der Hellbrunner Straße 3 mit historischen Hintergründen und Besuch einzelner Ateliers am Mittwoch, 28. Juli, von 16 bis 18 Uhr und eine Führung durch den Skulpturengarten im Mirabellgarten am Donnerstag, 29. Juli, sowie Freitag, 30. Juli, jeweils von 10 bis 12 Uhr. Inhaltlich spannend dürfte der Ausstellungs-Talk zum Thema »Biodiversität« am Freitag, 30. Juli, von 18 bis 20 Uhr in der Galerie Eboran, Ignaz-Harrer-Straße 38, werden.

Eine Koryphäe der Pop-Art ist in der Galerie Haas und Gschwandtner an der Neutorstraße 19 zu bewundern. Sie gestattet am Samstag, 31. Juli, von 11 bis 12 Uhr einen Blick in ihr Depot mit wertvollen Grafiken von Andy Warhol.

Aber auch die Fotografie hat ihren Raum: Der international bekannte »Fotohof« am Inge-Moralt-Platz, eine nicht-kommerziell geführte Galerie mit Verlag, hinter der ein gemeinnütziger Verein steht, präsentiert unter anderem »Menschen am Land« sowie Selbst- und Familienporträts des Pinzgauer Arbeiterfotografen Fritz Macho aus den 1930er und 40er Jahren. 1981 wurde der Fotohof mit den damals entdeckten Bildern von Macho eröffnet.

Das Fotohof-Archiv, das Werke von etwa 50 Fotografen beherbergt, darunter renommierte bayerische wie Thomas Lüttge aus München und Ernst Baumann aus Bad Reichenhall, hat nun 40 Jahre später weitere Macho-Bilder gefunden und hochwertige Digitaldrucke von den Negativen hergestellt. Das gesamte Programm ist im Internet unter www.gallery-weekend-salzburg.com nachzulesen.

Veronika Mergenthal

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