Amelie Niederbuchner und Maximilian Spann

Bildtext einblenden
Der österreichische Musikkritiker Hannes Eichmann interviewt die Preisträger des diesjährigen ARTS-Kulturförderpreises, Amelie Niederbuchner und Maximilian Spann. (Foto: Giesen)

Abgesehen von der Kontrolle der 3G-Regeln konnte die Verleihung des ARTS-Kulturförderpreises im Kulturforum Klosterkirche in Traunstein beinahe im ganz »normalen« Rahmen stattfinden.

Die Klosterkirche war durch die einzuhaltenden Abstände fast bis auf den letzten Platz besetzt, als der Vorsitzende der ARTS-Kulturfördervereinigung, Patrick Pföß, den seit 29 Jahren alljährlich vergebenen Preis zusammen mit dem stellvertretenden Präsidenten des Lionsclubs Traunstein, Simon Miehler, und Marc Stocker, dem Vertreter der Middeler Kulturstiftung Prien, den Preisträgern überreichte. Es sind die in Tabing bei Chieming aufgewachsene Fotografin Amelie Niederbuchner und der Kontrabassist Maximilian Spann aus Inzell.

Amelie Niederbuchner, Jahrgang 1993, spezialisierte sich nach ihrem Studium der Medienwissenschaft in Regensburg sehr erfolgreich im Bereich der Food-Fotografie, wobei sie ganz andere Gestaltungselemente als zum Beispiel in Kochbüchern der 1960er oder 70er Jahre verwendet. Dabei bewegt sie sich im Spannungsfeld zwischen Inszenierung und Authentizität. Es reizt sie, wenn Food-Fotos nicht sofort gefallen und sich dem Betrachter nicht sofort erschließen, sondern auch mal irritieren. Damit will Niederbuchner bestehende Sehgewohnheiten hinterfragen und die Grenzen der Ästhetik neu ausloten. Beispiele ihrer Fotografie gab es im Foyer, zum Beispiel einen Stall von einem Biohof, wo sich viele Hähne auf einmal tummeln – ein heutzutage ganz ungewohnter Anblick, da männliche Küken bis heute ja gerne geschreddert werden und nur die besser schmeckenden Hennen auf dem Teller landen. Neben der Food-Fotografie ist Amelie Niederbuchner auch stark mit Porträt und Reportage-Fotos für namhafte Medien beschäftigt.

Auf ganz andere Art, aber nicht weniger erfolgreich ist der Musiker Maximilian Spann, 2001 geboren, der bereits mit sieben Jahren an der A. C, Adlgasser Sing- und Musikschule Inzell Klavierunterricht bekam und mit neun Jahren Kontrabassunterricht bei Simon Nagl erhielt. Er legte das Abitur am Karlsgymnasium Bad Reichenhall ab und studiert heute an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien bei Professor Alois Posch. Seine vielen Musikpreise, auch bei »Jugend musiziert« und seine öffentlichen Auftritte seit 2012 sind beeindruckend. So nahm er regelmäßig an der Musikwoche in Baumburg teil und war acht Jahre Mitglied des Ensembles »Leprechaun Players« unter der Leitung von Patrik Pföß.

2018 war er bereits Solist bei den Bad Reichenhaller Philharmonikern und Solist des Chiemgauer Jugendsymphonieorchesters, nahm außerdem in 2019/20 an der Orchesterakademie in Cremona teil. Sein frappierend virtuoses Spiel auf dem Kontrabass stellte er während des Festakts mit seinen Kontrabass-Soli eindrucksvoll unter Beweis, so mit einem Stück von Stefan Schäfer für Kontrabass und Stimme, der eine Sammlung vertonter Ringelnatz-Gedichte herausgegeben hatte.

Sehr unterhaltsam, informativ und witzig stellten sich die beiden Preisträger dem Publikum in der Klosterkirche selbst vor, da der bekannte österreichische Musikkritiker und -experte Hannes Eichmann Fragen an sie stellte, die beide locker und spontan beantworteten, so dass sich die Zuhörer ein gutes Bild von den Preisträgern machen konnten.

In einer kurzen Einführungsrede freute sich Patrick Pföß, dass heuer zur Preisverleihung wieder viele Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur und allen Gesellschaftsbereichen gekommen waren. Für ARTS sei die Vergabe des Preises einer der beiden wichtigsten Termine im Jahr. »Kultur ist nämlich nicht nur das luxuriöse Sahnehäubchen unserer Gesellschaft. Nein, sie ist das Gewissen,« sagte der ARTS-Vorsitzende. Kultur sei Ausdruck unserer Identität, unserer inneren Haltung, unserer Offenheit, Reflexion, Kritik und unserer Menschlichkeit. »Sie ist sozusagen die Moral einer Gesellschaft«, so Pföß.

Herzlich gratulierten im Namen des Landkreises die stellvertretende Landrätin Resi Schmidhuber, die die Grüße von Landrat Siegfried Walch und allen Gemeinden des Landkreises übermittelte. ARTS stehe für ein lebendiges Kulturleben, sagte Frau Schmidhuber. Die Kunst erschaffe ein Tor in eine andere Welt. Gerade bei der hohen Kunst der beiden Ausgezeichneten seien wir, das Publikum, mit allen Sinnen gefordert.

Für den kurzfristig entschuldigten Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer überbrachte seine Stellvertreterin Burgi Mörtl-Körner die Glückwünsche der Stadt. Der ARTS-Kulturförderpreis sei seit 1992 eine der wichtigsten Säulen im lebendigen Kulturleben von Traunstein, ein wichtiges Instrument der Kulturförderung. Ziel sei die ideelle und finanzielle Förderung der Preisträger, so Mörtl-Körner.

Die Preisverleihung endete mit guten Gesprächen und Begegnungen im Foyer des Kulturforums, wo es immerhin schon wieder ein Glas Wein oder anderes für die Gäste geben durfte.

Christiane Giesen

Mehr aus Kultur aus der Region