weather-image
25°

Alte Musik in frischer Aufmachung

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Viel Applaus für drei virtuose Musikerinnen: Christine Sedlmeier (Blockflöten), Renate Watzlowik (Viola da Gamba) und Bernadetta Schlichting (Cembalo) konzertierten im Festsaal von Kloster Seeon. (Foto: Benekam)

Dass das 17. Jahrhundert als die Zauberküche der Musikgeschichte betitelt werden darf, davon konnten sich die Zuhörer des Konzerts, das unter dem passenden Motto »Fantasie und Symmetrie« im Festsaal des Kloster Seeon zu erleben war, selbst überzeugen.


Drei virtuose Musikerinnen – Christine Sedlmeier (Blockflöten), Renate Watzlowik (Viola da Gamba) und Bernadetta Schlichting (Cembalo) rührten lustvoll und einfallsreich ihr ganz eigenes musikalisches Zaubersüppchen an, spielten mit Formen und Klangfarben von Kompositionen aus dem Genre Alte Musik, bis sich auch der letzte im Saal zurückversetzt fühlte in jene Zeit, wo Musik noch so ganz und gar »handgemacht« wurde.

Anzeige

Die Namenstags-Konzerte des Kultur- und Bildungszentrums Kloster Seeon sind längst schon dem Geheimtipp-Stadium entwachsen. Als wollten sie musikalisch den Geschmack des Unbekannten ergründen oder das fast Vergessene vor dem Verschwinden bewahren, stehen immer wieder, in unterschiedlichen Formationen, großartige Musiker mit selten gehörten Werken aus den Epochen Renaissance und Barock auf dem musikalischen Speiseplan. Und offenbar schmeckt das den Gästen in Seeon so gut, dass es auch anlässlich des Namenstags der Heiligen Margareta den Weg zur Musik fand.

Das Konzert mit Werken von vorwiegend italienischen und britischen Komponisten aus dem 16. und 17. Jahrhundert war, wie aus den begeisterten Reaktionen der Zuhörer unschwer abzulesen war, ein voller Erfolg. Alte Musik in »frischer Aufmachung«, dargeboten von drei Musikerinnen, die sich ganz und gar darin wiederzufinden schienen. Stimmungsvoll begrüßt, mit der Sinfonia undecima »in Echo« von Salome Rossi, taten sich die Gäste gar nicht schwer, sich auf die klangvollen Linien von Cembalo, Blockflöte und Viola da Gamba einzulassen: Die meditativen und tänzerischen Melodien erzeugten vom ersten Moment an beruhigende Wohlstimmung im Festsaal.

Das folgende Werk, Gagliarda »La Lavanda« von Georgio Mainerio, sei in seiner Kompositionsweise eigentlich banal, schickte die Flötistin Christine Sedlmeier erklärend voraus. Interessant würde es erst durch die »ausschweifenden Verzierungen« eines Themas aus dem Chorsatz. Und diese kamen mehr als reizvoll daher: Kaum setzte die Dame ihre Blockflöte an die Lippen, schon wussten die Zuhörer, was sie zuvor »meinte«, fühlten sich förmlich verzaubert wie beim variationsreichen Gesang einer Nachtigall. Eine Meisterin ihres Fachs, die bei aller Virtuosität immer noch ein Gefühl von »Leichtigkeit« vermittelte. Und das, obwohl die Blockflöte ein schwieriges Instrument ist: Ihre Dynamik ist äußerst begrenzt und wenn man stärker bläst, verändert sich schnell die Tonhöhe.

Ebenso hinreißend interpretiert kamen die G-Dur-Sonate von Giuseppe Sammartini und Gottfried Fingers »Ground«, in harmonischem Zusammenspiel mit Bernadetta Schlichting am Cembalo zu Gehör. Mit »Affligée et Tombeau sur la mort de Monsieur Blancrocher« brachte auch Schlichting die Musikliebhaber zum Staunen: Ein Solocembalo-Werk von Johann Jakob Froberger, welches das dramatische Ereignis eines Treppensturzes musikalisch illustriert, ja fast könnte man sagen, plastisch vor Augen führt.

Neben weiteren »barocken Köstlichkeiten« verwöhnte das Trio am Konzertende mit einem weiteren expressiv-emotionalen Höhepunkt: Einer gekürzten Fassung der »Sonata Quarta« von Johann Schmelzer, in der die drei Damen noch einmal aus dem Vollen schöpften. Nach einem euphorischen Schluss-Applaus war die Zugabe Ehrensache: Nach »Ciaccona« von Benedetto Marcello hatten alle ausreichend Schwung und gute Laune.

Kirsten Benekam

Mehr aus Kultur aus der Region