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»Als ich Markus Söder plötzlich gut fand«

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Das Ergebnis seiner Selbsttherapie trug Michael Altinger (links) in Traunstein vor, musikalisch begleitet vom Bluemood-Duo mit feinen Popsongs. (Foto: Heel)

Was tun, wenn man plötzlich nichts mehr zu tun hat? Vor dieser Frage stand im März auch der Kabarettist, Schauspieler und Autor Michael Altinger.


Nach beinahe drei Jahrzehnten auf der Bühne (und vor der Kamera) ging innerhalb kürzester Zeit nichts mehr. Machte ein Virus ihm und seiner ganzen Zunft einen ordentlichen Strich durch die Rechnung. Wurde es eng. Finanziell, aber auch emotional. Außerdem: Wohin jetzt mit der ganzen Zeit? Doch seine Frau wusste Rat: »Tu was«, sagte sie, und Altinger fing an, ein Corona-Tagebuch zu schreiben. Als eine Art Selbsttherapie. Als »Rampensau ohne Bühne«.

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Im Rahmen der NUTS-Sommerbühne hat er nun im Traunsteiner König-Ludwig-Hof Ausschnitte daraus präsentiert, musikalisch begleitet vom Bluemood-Duo, das mit feinen Popsongs von Madonna, Tom Waits oder Katie Melua die zahlreichen Besucher in seinen Bann zog. Eine Lesung, so schräg und abgefahren, wie man es von Altingers bisherigen Solo-Programmen gewohnt war, und zwischendurch doch so glaubhaft, wenn er schreibt bzw. vortrug: »Seit zwei Wochen habe ich nun keine Bühne mehr; kein Publikum, kein Gelächter, keinen Applaus. Ich befinde mich an der Grenze des Erträglichen. Wer meine Sucht kennt, der versteht mich (…) Meine Persönlichkeit beginnt sich dramatisch zu verändern. Ich fange an, Markus Söder gut zu finden.«

Apropos Söder. Der kam nochmal beim Thema Händewaschen vor. Eine Sache, die Altinger gerne bei gekipptem Fenster erledigt und dazu wie empfohlen »Happy Birthday« singt. Allerdings nur einmal, dafür aber in einer etwas ausgedehnten Version, nämlich so, wie es Marilyn Monroe einst für John F. Kennedy gesungen hat. Ein Nachbar zeigte Verständnis, meinte dann aber: »Haben wir in Bayern keine eigenen Lieder? Häbbi börsdai«, das kann man doch auch auf Deutsch singen.« Seitdem hört Altinger den Mann mehrmals am Tag: »Zum Geburtstag viel Glück … zum Geburtstag viel Glück, Herr Ministerpräsident, zum Geburtstag viel Glück.«

Weitere Persönlichkeiten, die Eingang in seine Aufzeichnungen fanden, waren noch der Schlagersänger Bata Illic, Arnold Schwarzenegger, Donald Trump und sein Friseur Rüdiger, der aus Sicherheitsgründen (augenscheinlich) gleich das Geschlecht gewechselt hatte. Ähnlich skurril und haarsträubend fielen auch die anderen Einträge aus, die Altinger an diesem Abend noch zum Besten gab.

Einen schönen Kontrast dazu bildeten die Sängerin Sarah Wiegand aus Berlin und der Gitarrist Andreas Rother aus Wasserburg, die als Bluemood-Duo mit viel Herzblut und Überzeugungskraft agierten. Akustik-Pop der Extraklasse, der von Sarahs expressiver Stimme lebte, kongenial ergänzt von Rothers souveränem Spiel.

Kurzum, ein ungemein kurzweiliger, abwechslungsreicher Abend, und wer Altingers Tagebuch in Gänze goutieren möchte: »Rampensau ohne Bühne« erscheint am 15. Oktober im SüdOst Verlag, Regenstauf, das Buch umfasst 160 Seiten. Wolfgang Schweiger

Mit dem Bode- und dem Pergamonmuseum sollen nach den coronabedingten Schließungen nun auch die letzten beiden Häuser der Berliner Museumsinsel öffnen. Beide Museen sollen vom 3. Oktober an wieder für Publikum zugänglich sein, wie die Staatlichen Museen zu Berlin mitteilten. Alle Museen waren Mitte März geschlossen worden, seit Mitte Mai hatten einzelne Häuser nach und nach wieder Besucher eingelassen. Zum Bode-Museum am nordwestlichen Ende der Museumsinsel gehört die Skulpturensammlung mit Meisterwerken der europäischen Plastik, das Museum für Byzantinische Kunst sowie das Münzkabinett.

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