Als der Graf Hallodri vom Blitz erschlagen wurde

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Ein kleines Jubiläum konnten (vorne von links) Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg im Traunreuter k1 mit ihrem zehnten Auftritt mit »Opern auf Bayrisch« feiern. (Foto: Heel)

Seit den späten 70er Jahren sind sie von den bayerischen Bühnen nicht mehr wegzudenken, Paul Schallwegs »Opern auf Bayrisch«: Kleine Sprachkunststücke, in denen der 1998 verstorbene Münchner Mundartautor und Brauchtumsforscher berühmte Opern parodistisch ins Bayerische übertragen hat, pointiert, urig und mit viel Sinn für bayerische Lebensart.

Nicht mehr wegzudenken vom Traunreuter k1 sind auch die musikalischen Lesungen, bei denen die bekannten bayerischen Schauspieler Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg in perfektem Zusammenspiel die Texte interpretieren, denn mit dem jetzigen Auftritt war das Trio mittlerweile zum zehnten Mal in Traunreut zu Gast.

Zu verdanken ist dieser großartige Erfolg natürlich auch der Mitwirkung des zwölfköpfigen Musikensembles »Opern auf Bayrisch«, bestehend aus Mitgliedern großer Münchner Orchester unter der Leitung von Andreas Kowalewitz. Die bieten bei jeder Vorstellung einen virtuosen Mix aus zentralen musikalischen Motiven der jeweiligen Oper, verknüpft mit Zitaten aus volkstümlicher Musik, Schlagern und Filmmelodien, wobei dem Perkussionisten Philipp Jungk eine Sonderrolle zukommt: Ausgerüstet mit Klangkörpern aller Art, von der Trommel, Kuhglocke, Bratpfanne, Donnerblech und blecherner Wärmflasche bis hin zur Luftpumpe, erzeugt er mit sichtlicher Freude schräge Klänge am laufenden Band, angereichert mit kleinen szenischen Aktionen.

In biblischen Gefilden

Zum Einstieg begaben sich die drei Schauspieler an diesem Abend in biblische Gefilde, nämlich zu »wia der Prophet Jochanaan verratn, versuacht und köpft worn is«, frei nach der Oper »Salome«. Ein seinerzeit skandalumwittertes Werk mit einem Libretto von Oscar Wilde, das Richard Strauss 1905 jedoch den Durchbruch als Komponist verschafft hat. Eine wüste, herrlich schwülstige Geschichte um verschmähte Liebe und mörderische Rache, von dem Trio mit trockenem Humor über die Bühne gebracht, ironisch ergänzt durch Melodieschnipsel aus »Bei mir bist du schön« oder »Ich hätt' getanzt heut' Nacht« (My Fair Lady).

Weiter ging es mit »A Liabstragödie mit Wuiderer-Einlage«, einer verhängnisvollen Dreiecksbeziehung frei nach Richard Wagners »Tristan und Isolde«. Angesiedelt zwischen dem Chiemsee und der Kampenwand, ergab sich hier auf der Alm sehr wohl a Sünd, während das Orchester »Das kann einen Seemann doch nicht erschüttern« dazu spielte. Übel erging es auch dem »Graf Hallodri aus Lenggrias«, frei nach Mozarts »Don Giovanni«, bei Paul Schallweg ein sexsüchtiger Unhold, der nach allerhand Schandtaten vom Blitz getroffen wird und zu einem Häufchen Asche schmilzt, geziert mit Mozarts kleiner Nachtmusik.

Als Zugabe spendierten Anthoff, Glogger und Lerchenberg dann noch eine Fünf-Minuten-Version der Puccini-Oper »Madame Butterfly« respektive »Madam Batterflei oder wia a herzloser Ami a liabs kloans Japaner-Madl sitzn hat lassn«, bevor Anthoff das Publikum mit den Worten: »Aus is, gar is – Harakiri« entließ. Wolfgang Schweiger

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